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Stell Dir vor, der Aust und der Funk übernehmen den Spiegel …

Die neue Führungsriege bei der Vanity Fair
Die neue Führungsriege bei der Vanity Fair

Whaaat? Werner Funk und Stefan Aust werden den Spiegel übernehmen? Nur keine Schnappatmung, das passiert natürlich nicht. Geredet haben die beiden Haudegen aber darüber. Und sonst im MEEDIA-Wochenrückblick: Journalistik Prof. phil. Weichert beschimpft seine Zuhörer, Vice beschimpft die Welt, Bild-Leser beschimpfen den Presserat.

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Was ist denn da aus Hamburg zu hören? Werner Funk (für die Jüngeren: der war mal gefürchtet strenger Spiegel- und stern-Chef, Nome de guerre: Kim Il Funk) und Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust (“Der Putin von der Brandstwiete” – H.Leyendecker über S.Aust) sollen angeblich darüber geredet haben, zusammenzulegen und die Spiegel-Anteile der Augstein-Erben zu kaufen. Wir erinnern uns: Neulich machte die Runde, dass sich einige Augstein Erben womöglich von ihrem Anteil am Spiegel-Verlag trennen wollen. Die Story, dass die Ex-Chefs Funk und Aust im Bellheim-Style beim Spiegel einmarschieren, entbehrt nicht eines gewissen Charmes. MEEDIA hat bei Stefan Aust nachgefragt, aber der wiegelt ab: “Man kann das nicht ernsthaft als Plan bezeichnen”, sagte er. Geredet haben die beiden Haudegen aber schon darüber. Mehr oder weniger ernsthaft. Dass dies wirklich so kommen könnte, liegt aber jenseits jeder reellen Vorstellung. Selbst, falls die Augstein-Erben verkaufen, haben die beiden anderen Spiegel-Gesellschafter Gruner + Jahr und Mitarbeiter KG immer noch ein Vorkaufsrecht.

Ändern könnte sich beim Spiegel, bzw. dessen Online-Ableger trotzdem noch was. Online-Chef Florian Harms gab dem journalist unlängst ein Interview, in dem er auch dazu gefragt wurde, ob Spiegel Online irgendwann umbenannt werden könnte in Der Spiegel. Seine Antwort:

Ja. Schauen wir mal.

Bleiben wir beim Spiegel. Dort findet diesen Freitag mal wieder der Workshop-Tag des Reporterforums mit allerlei interessanten Veranstaltungen statt. Zu Gast war am Vormittag u.a. Big-Shot Mathias Döpfner, der Oberchef der bösen, bösen Brandstifter von der Bild-Zeitung. Dass die Spiegel-Hausfeuerwehr den überhaupt reingelassen hat … Die erste Ansprache, bzw. “Keynote”, hielt aber der Journalismus-Professor Dr. phil. Stephan Weichert zum Thema “Die fünfte Gewalt”. Gemeint sind die lieben Leser und ihre Kommentare! Weichert trat auf mit schnieker Bürsten-Friese und Sonnenbrille:

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Der crazy Prof.  legte los mit einer zünftigen Publikumsbeschimpfung: “Schwuchtel! Arschloch! Lügenpresse!” Was war da denn los? Hat einer dem Prof. Weichert seine Pillen weggenommen? Aber nein! Die Brille sollte Sinnbild sein für den anonymen Lesertroll, der einem beim Beleidigen nicht in die Augen schauen mag. Nach dem lustigen Einstieg, der Weichert die Aufmerksamkeit des Plenums durchaus sicherte, legte er die Sonnebrille auch schon wieder ab.

Haben Sie’s auch gelesen: Kim Kardashians Stiefvater Bruce Jenner hat sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und ist jetzt eine Frau namens Caitlyn Jenner. Darf man das so sagen? “Umwandlung”? Eher nicht, wenn es nach den Experten in Sachen Trans*Menschen geht. Die Zeitung Die Welt hat vom Popkultur-Leitmedium Vice diese Woche ordentlich eins übergebrezelt bekommen, weil in einem Artikel zu Caitlyn Jenners Cover-Story in “Vanity Fair” das “falsche” Personalpronomen (“er”) benutzt wurde. Der Vice-Text ist mit reichlich Schaum vor dem Mund geschrieben, Überschrift: “Wie man über Caitlyn Jenner schreibt, ohne ein Arschloch zu sein”. Unter dem dazugehörigen Facebook-Post verzettelte sich die rührige Social-Media-Redaktion der Welt dann in der Diskussion mit den Sprachwächtern der Transmenschensache. “Transmenschen”… ist das wirklich ein tolles Wort? Naja. Falls Caitlyn Jenner gerne als “Transmensch” bezeichnet wird, was ich nicht weiß, dann soll das recht sein. Aber die Welt-Menschen derart aggressiv anzuraunzen, weil sie nach Ansicht von verschiedenen Trans*-Menschen-Experten falsche Personalpronomen genutzt haben, das ist womöglich auch nicht die feine Art. Vorschlag zur Güte: Wie wäre es denn, Caitlyn Jenner ganz schlicht als Frau zu bezeichnen und nicht als Trans*Dingens?

Und was war denn sonst noch los, diese Woche? Ach ja, der Blatter Sepp hat seinen Rücktritt angekündigt und Bild-Chef Kai Diekmann hat sich mit dem Presserat angelegt. Wie kriegen wir diese beiden Kisten denn nun zusammengetackert? Versuchen wir’s mal.  Weil der Rat die Bild wegen der Veröffentlichung des Fotos eines minderjährigen Täters gerügt hatte, rief die Bild ihre Leser dazu auf, beim Presserat anzurufen. Das ist eine liebe Tradition der Zeitung. Jetzt kommt ein Achterbahn-artiger Schlenker: Das Satire-Magazin Titanic hat im Jahr 2000 versucht, Mitglieder des Fifa-Exekutiv-Komitees mit Schinken und Kuckucksuhren zu bestechen, damit sie für Deutschland als Austragungsort der Fußball WM 2006 stimmen. Bekanntlich hat das dann ja auch geklappt. Die Bild war über die Titanic-Aktion damals nicht direkt erbaut und rief ihre Leser – Sie ahnen es – dazu auf, doch bei der Titanic anzurufen und ihr die Meinung zu sagen. Die Titanic zeichnete die Anrufe der Bild-Leser auf und fabrizierte daraus die Klassiker-CD “Bild-Leser beschimpfen Titanic”, die bei der Zeitschrift lange Zeit als Abo-Prämie zu haben war und heute dankenswerterweise auch auf YouTube dokumentiert ist. Wer also wissen will, was in der Telefonzentrale beim Presserat diese Woche los war, der höre hier rein.

Schönes Wochenende!

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