Anzeige

„Der letzte Verleger-Patriarch“: Stimmen zum Tod von Alfred Neven DuMont

Alfred Neven DuMont starb im Alter von 88 Jahren.
Alfred Neven DuMont starb im Alter von 88 Jahren.

Verleger-Legende Alfred Neven DuMont ist am Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben. Während sich die Branche vom Gründer der Kölner Tageszeitung Express in zahlreichen Nachrufen verneigt, nehmen Angehörige wie Sohn Konstantin und langjährige Weggefährten wie DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld in bewegender Form auf Facebook Abschied.

Anzeige
Anzeige

Für Spiegel Online beschreibt Frank Patalong eine Situation, in der DuMont die Titelgeschichte des Express kurz vor Andruck umwarf, weil er wenige Minuten zuvor im Stau stand. Er gibt den „Verlag nach Gutsherrenart“, wie sich einer der damalig Beteiligten erinnerte. Patalong schreibt: „Er war nicht nur Verwalter eines Verlagserbes, das er von seinem Vater Kurt Neven DuMont übernommen hatte, sondern Gestalter einer wachsenden Mediengruppe, die er von regionaler zu bundesweiter Bedeutung führte.“

24 ex_meedia

Alfred Neven DuMont ist tot. Der Express trauert und lässt Kölner Prominente ihr Beileid bekunden.

Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs sah den „Schalk in seinen Augen“, wenn er sich mit Neven DuMont unterhielt. „Er blitzte auf, wenn es um Fehler der anderen ging, um grobe Ignoranz oder um die Kulturlosigkeit seiner Branche. Dann hob sich der Oberkörper von Alfred Neven DuMont ganz leicht an, theatralisch. Er beherrschte viele Rollen, sogar die des Karnevalisten. Schließlich war er 1955 im Kölner Dreigestirn – als Prinz Alfred I.“ Neven DuMont sei „Patrizier von Köln, ein Zeitungsherr mit Geschmack und auch sanfter Gewalt, ein großer Investor“ gewesen, der „unabhängige Redaktionen“ schätzte, „die Ausnahmen von der Regel machen konnten, wenn es um ihn selbst ging.“

In einem Nachruf für Die Welt schreibt Christian Meier, Neven DuMont habe „Journalismus als Lebenselixier der Demokratie“ begriffen und konzentriert sich vor allem auf seine Unternehmenspolitik. „Natürlich liebte Neven DuMont den Applaus. Aber noch mehr liebte er Zeitungen. Auch darum trat er immer wieder mit Kritik an der Medienpolitik in Erscheinung, forderte immer wieder eine Lockerung des Kartellrechts. Zu den „größten Konkurrenten“ der Zeitungen hatte der Verleger im vergangenen Jahr Facebook, Google, Twitter und Ebay erklärt.“

„Wo er war, war nur er“, schreibt Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung vom Montag. „Alfred Neven DuMont war eine ungewöhnliche Persönlichkeit. Sein Ego hatte in guten Tagen ganz großes Format, aber selbst die Stichwortbringer in seiner Umgebung profitierten davon. Er war kein Sparer mit sich. Ein Fleiß-Fanatiker war er auch. (…) Er war weit mehr als ein Darsteller. Er war der Gentleman unter den deutschen Verlegern.“

Die taz-Autoren Anja Krüger und Pascal Beucker über den Verleger: „Über Jahrzehnte hat Alfred Neven DuMont das Medienhaus mit mitunter großer Liebe zum Detail geführt. Und den Mitarbeitern das Leben mitunter schwer gemacht – nicht nur, wenn einer von ihnen einen seiner Romane besprechen oder ihn zu einem Jubiläum ehren musste. ‚Der Verleger ist traurig‘, war einer der vernichtendsten Sätze, die sich Journalisten in der Redaktion des Kölner Stadt-Anzeigers (KStA) von ihren Vorgesetzten anhören mussten, wenn der Herausgeber die Rückmeldung gegeben hatte, dass ihm ein Artikel nicht gefallen hatte.“

imgo

Auch beim Kölner Stadt-Anzeiger ist der Verleger das Thema des Tages.

„Patrizier und Patriarch“, heißt der Nachruf von Tagesspiegel-Chedredakteur Stephan-Andreas Casdorff. „Wie konnte er sich empören, noch in hohem Alter. Über Mittelmaß und Kleingeisterei. Er mischte sich ein, und sein Wort zählte. Besonders in Köln. In dieser Stadt war er in seiner Größe unübersehbar.“

Anzeige

„Wegen seiner bisweilen harschen Art und seiner direkten Eingriffe ins Tagesgeschäft nannten ihn die Mitarbeiter des Hauses bald „Sir Alfred“. Wie der in dem Filmklassiker „Citizen Kane“ dargestellte Zeitungsmogul regierte Neven DuMont am Rhein mit patriarchal-eiserner Hand“, erinenrt Martina Züger vom WDR.

„Ich werde ihn als Gesprächspartner sehr vermissen“, erklärt WDR-Intendant Tom Buhrow. „Er hat die Zeitungslandschaft in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus über Jahrzehnte hinweg stark geprägt und galt zu Recht als Visionär in der Printmedienlandschaft. Mit großer Leidenschaft und unermüdlicher Zielstrebigkeit ist er im Zeitungsjournalismus immer wieder neue Wege gegangen – auch zuletzt im digitalen Zeitalter. Seine Vielseitigkeit und Geradlinigkeit waren einzigartig und haben für viele Vorbildcharakter.“

14 blz_meedia

Die Deutsche Presse Agentur zum Tod von DuMont: „Die knarzende Stimme mit dem Kölschen Idiom, dazu der typisch Kölsche Schnäuzer – alles unverkennbar, alles eine Marke. Mehr als 50 Jahre gehörte „Sir Alfred“ zum festen Inventar der Stadt, fast vergleichbar mit dem Volksschauspieler Willy Millowitsch oder BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Die einen haben ihn bewundert, die anderen gefürchtet. Respektiert haben ihn wohl alle.“

 

„Wie andere Zeitungsverleger der alten Bundesrepublik wurde Neven DuMont mit der Zeit reich, sehr reich. Zum Reichtum entwickelte er ein entspanntes Verhältnis. Als Unternehmer hielt er sich Geschäftsführer, die er dafür schätzte, dass sie Erlöse und Kosten in ein profitables Verhältnis brachten – und die er im Grunde seines Herzens zugleich verachtete, weil sie nur Zahlen im Kopf hatten und von den Buchstaben nichts wussten“, schreibt DuMont-Gewächs und Horizont-Chefredakteur Uwe Vorkötter, .Sohn Konstantin DuMont schrieb in einem öffentlichen Facebook-Post zum Tod seines Vaters:  „Vielen Dank für die zahlreichen Beileidsbekundungen. Einer der letzten Wünsche meines Vaters war, dass wir Menschen friedlich miteinander umgehen. Was für eine schöne Botschaft.“

„Über 15 Jahre habe ich mit diesem letzten großen deutschen Verleger zusammen gearbeitet. Er war immer für eine Diskussion zu gewinnen, über Politik, Gesellschaft und Literatur; nur in Fragen der Kunst nahm mich der große Sammler nicht wirklich Ernst, das ging eher nach dem Quiz-Prinzip“, erinnert sich Franz Sommerfeld, der langjährige Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, der erst im vergangenen Herbst planmäßig zum 65. Lebensjahr als Vorstandsmitglied bei M. DuMont Schauberg ausgeschieden war, und das Lebenswerk der 88-jährigen Verleger-Legende in einem bewegenden Post ebenfalls auf Facebook würdigt.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*