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Apple: Deutet Jony Ives Schein-Beförderung den Rückzug des Design-Gurus an?

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Apple-Chefdesigner Jonathan Ive

Jony Ives Aufstieg zum Allein-Entscheider über Apples Design wirft Fragen auf. Deutet der Abschied von der Last des Tagesgeschäfts den Rückzug nach England – und gleichzeitig das beginnende Ende einer einzigartigen Design-Ära beim wertvollsten Konzern der Welt an?

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Es war schon eine sehr eigenwillige Form, einen der wichtigsten Managementwechsel der jüngeren Apple-Vergangenheit zu kommunizieren: Jony Ives Aufstieg zu Apples Design-Alleinentscheider verkündete nicht etwa der wertvollste Konzern der Welt via Pressemeldung, sondern der britische Comedian Stephen Fry versteckt im hinteren Teil eines Artikels im britischen Telegraph.

Apples Spin-Doktoren haben sich für ihre Top-Personalie wieder einmal alter Taschenspielertricks bedient: Verkündet wurde sie, wie schon 2012 das Ausscheiden von iOS-Chef Scott Forstall, an einem Feiertag (Pfingstmontag) – und diesmal zudem von einem Freund des Hauses. Der britische Entertainment-Tausendsassa (Schauspieler, Regisseur, Comedian, Fernsehmoderator Schriftsteller, Drehbuchautor, Journalist und Dichter) und bekennende Apple-Fanboy Stephen Fry bekam wie schon 2010, als er als einer der ersten Menschen des Planeten das iPad testen durfte, exklusiven Zugang zum Kultkonzern aus Cupertino.

Apple-Aktie fällt nach Ive-„Beförderung“ um rund 2 Prozent 

Wohlüberlegt haben Apples PR-Profis Fry die Rolle des britischen Botschafters angedient, in der der 57-Jährige den weiteren Aufstieg seines Landsmanns, der von der Queen bereits zum Ritter geschlagen wurde, verkünden darf – und von „Wonder Boy“ Ive dazu noch mit exklusiven Statements versorgt wird. Eine weitere Win-Win-Situation narrated by Cupertino?

Die Wall Street und die Techpresse auf der anderen Seite des Atlantiks waren gänzlich anderer Meinung: Ives Aufstieg – der zweite in zweieinhalb Jahren – zum unantastbaren Alleinentscheider über Apples Design scheint gleichermaßen das Ende seiner inzwischen über 23-jährigen Regentschaft beim iKonzern vorwegzunehmen.

Entsprechend ernüchtert verkauften Aktionäre Anteilsscheine von Apple am Tag nach der News ab: die Aktie fiel vorgestern um rund 2 Prozent oder knapp 3 Dollar auf unter 130 Dollar zurück – 15 Milliarden Dollar Börsenwert war der iPhone-Hersteller weniger wert.

Jony Ive: „Das vergangene Jahr war das schwierigste, seit ich bei Apple bin“
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Die Logik ist nur allzu nachvollziehbar: Jony Ive gilt als wichtigster Mann in Cupertino – noch vor CEO Tim Cook. “Wenn ich einen spirituellen Partner bei Apple habe, ist es Jony”, adelte bereits Mentor Steve Jobs in der Biografie von Walter Isaacson den introvertierten britischen Designer, der ein schweres Jahr hinter sich hatte.

In bislang ungewohnter Offenheit bekannte Ive zuletzt, dass die Herstellung der Apple Watch „extrem herausfordernd“ gewesen sei – so herausfordernd, dass er die Entwicklung als Prozess beschrieb, der „demütig“ gemacht habe und „viel komplexer“ gewesen sei als die Kreation des iPhones.

Im ausführlichen Porträt im New Yorker ließ Ive vor einigen Monaten zudem durchblicken, dass ihn die Entstehung der Apple Watch an den Rand seiner Kräfte gebracht hatte: „Das vergangene Jahr war das schwierigste, seit ich bei Apple bin“, bekannte Ive, der 2014 entkräftet an einer Lungenentzündung erkrankte.

John Gruber: Ive könnte nach England übersiedeln

Entsprechend doppeldeutig dürfte die Beförderung zur Rolle des „Chief Design Officers“ verstanden werden, in der Ive auch bei übergeordneten Projekten wie dem neuen Apple Campus und dem kommenden Redesign der Apple Stores Regie führen soll, gleichzeitig aber von der Last des administrativen Arbeitsalltags befreit wird, indem die Verwaltung der Industrial Design- und User Interface Design-Unit an langjährige Weggefährten übergeben wird.

Im Telegraph-Artikel von Fry heißt es zudem, Ive habe künftig so die Chance „mehr zu reisen“. Für Apple-Kenner John Gruber eine andere Form der Umschreibung für: mit seiner Frau und den beiden Kindern im schulpflichtigen Alter in absehbarer Zeit nach England überzusiedeln. Deutet die Schein-Beförderung damit das Ende der Ära von Jony Ive an, wie der Business Insider mutmaßt?

Die gute Nachricht für Apple-Fans und -Aktionäre scheint gleichermaßen zu sein, dass der Schritt nicht morgen oder übermorgen passieren dürfte – schließlich wurde der Wechsel in die neue Position gerade erst verkündet. Ive könnte in der neuen Rolle möglicherweise auch mehr Zeit für neue Projekte haben – wie die Arbeit am viel spekulierten Apple-Auto, das in einer neuen Fabrik in Irland entwickelt werden soll.  In einigen Jahren könnte dann jedoch der große Abschied nahen: 2017 wird Ive auch bereits 50 und wäre dann 25 Jahre bei Apple – nicht der schlechteste Zeitpunkt, einen neuen Lebensabschnitt zu erwägen.

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