Kaninchen in Live-Sendung erschlagen? Der mieseste Radio-Marketingstunt aller Zeiten

Das Kaninchen Allan wurde offenbar live im Studio getötet.
Das Kaninchen Allan wurde offenbar live im Studio getötet.

Ein dänischer Radiosender sorgt weltweit für Aufruhr. Einer seiner Moderatoren soll live ein Baby-Kaninchen mit einer Luftpumpe zu Tode geprügelt haben – alles um die "Heuchelei" der Dänen in Sachen Tierschutz aufzeigen zu wollen. Noch ist unklar, ob der Vorfall wirklich passiert ist oder ob es sich um einen üblen PR-Fake handelt.

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Via Facebook erklärte der öffentlich-rechtliche Radiosender Radio24syv, weshalb man sich dazu entschied, live im Studio das Kaninchen zu töten. Es gehe um Aufklärung im Umgang mit Tieren in der Lebensmittelindustrie. Der Verbraucher würde sich nur Gedanken über günstiges Fleisch machen und die Umstände, wie dieses Fleisch produziert wird, einfach ignorieren.

Deshalb habe man sich dazu entschieden, vergangenen Montag ein Tier zu schlachten, das sowohl Haus- als auch Hoftier ist. Damit wollten die Macher bewusst öffentliche Aufregung provozieren.

Every day in the nation of Denmark, thousands and thousands of animals are put down to fill the meat counters in our…

Posted by Radio24syv on Dienstag, 26. Mai 2015

Während der Sendung kam es zum Tumult mit einem Studiogast. Neben den Moderatoren Ansgar Juhl, der das Tier tötete, und Kristoffer Eriksen stand die Tierschützerin Linse Kessler, die ihn von der Tötung abhalten wollte und letztlich aus dem Studio entfernt wurde.

Petition für Absetzung des Moderators, Hashtag bei Twitter für das Kanickel

Das Kaninchen landet weltweit in den Schlagzeilen, ist unter anderem Thema bei der New York Times, bei CNN oder Guardian. Die Reaktionen der Menschen sind vor allem negativ. Unter dem Facebook-Beitrag sammeln sich überwiegend Kommentare, in denen Nutzer ihr Unverständnis ausdrücken, bei Twitter wird der Vorfall unter dem Hashtag #Allangate, Allan ist der Name des Kaninchens, diskutiert. Bei Change.org ist eine Petition online gegangen, die die Absetzung Juhls fordert und bereits mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt hat. Auch soll es Morddrohungen geben.

Doch gibt es auch Resonanz, die sich zumindest mit dem Thema auseinandersetzt. So hat auch Kessler auf Facebook reagiert und erklärt, dass sie die Idee des Senders verstehe, die Aktion trotzdem nicht für gut heißen könne.

R.I.P lille Allan

Posted by Linse Kessler on Montag, 25. Mai 2015

 

„Wir hatten nur eine Fahrradpumpe“

Dem dänischen Fernsehsender TV2 erklärte Juhl, dass das Kaninchen nicht gequält worden sei und er so hart zugeschlagen hätte, dass das Kaninchen sofort einem Genickbruch erlag. Beraten worden seien die Moderatoren von einem Tierpfleger aus dem Zoo. Getötet wurde das Tier mit einer Luftpumpe. Gegenüber Vice erklärte Juhls Kollege Erisken, dass sie sich selbst mit der Tatsache konfrontieren wollten, „dass jedes Mal, wenn wir Fleisch essen, ein Tier dafür stirbt“. Zur Mordwaffe erklärt Eriksen: „Rückblickend war es wahrscheinlich ein Fehler, eine Fahrradpumpe zu nehmen. Der Typ im Zoo meinte, wir sollten einen stumpfen Gegenstand nehmen, und wir hatten nur eine Fahrradpumpe.“

In seinem Statement erklärt der Sender weiter, die Provokation sei nicht ins Leere gelaufen. Das Tier, das die Moderatoren erschlagen haben, hätten sie schließlich auch gegessen. „Konsumenten töten Tiere normalerweise nicht selbst, aber wir kaufen und essen Tiere, die ein trauriges Leben geführt haben“, so der Sender. Im Interview mit Vice erkärt Eriksen, dass sein Kollege das Tier mit nach Hause genommen habe, um es mit seinen Kindern zu häuten. Am Tag darauf wurde es zum Pastagericht.

Von der Tötung selbst ist kein Videomaterial veröffentlicht worden. Allerdings hat der Sender eines veröffentlicht, dass Moderator und Kaninchen vor der Schlachtung zeigen. Dort hält Juhl das Tier im Arm und streichelt es. Ein zweites Video zeigt Juhl bei der Zubereitung seines Essens. Die Tat selbst soll auf einer Audiofile zu hören sein.

I dag dræber vi kaninen Allan på Radio24syv Morgen!Han er sund og rask, 9 uger gammel og skal senere på middagsbordet hos Asger Juhl og Kristoffer Eriksen. Indtil da diskuterer vi hykleri ved dyrevelfærd.For er det mere synd at slå en kanin ihjel end en gris?

Posted by Radio24syv on Sonntag, 24. Mai 2015

 

Trotz aller angeblichen Beweise und Stellungnahmen, ist letztlich nicht geklärt, ob die Moderatoren das Tier wirklich umgebracht haben. Vielleicht überrascht der Sender in wenigen Tagen mit der Nachricht, dass alles nur ein übler Fake gewesen ist.

Einen ähnlicher Vorfall ereignete sich 2008 bei Starkoch Jamie Oliver. RTL II zeigte damals, wie der Brite Küken in einen Glaskasten sperrte, um sie mit Gas zu töten. Auch dies sollte vor Augen führen, wie Tiere in Massentierhaltung getötet werden.

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Alle Kommentare

  1. Auch wenn es zur Aufklärung dienen sollte ist diese Aktion in keiner Weise in Ordnung nur um zu schauen wer sich alles drüber aufregt und zum nachdenken zu bewegen.Ein Tier mit einer Luftpumpe zu erschlagen ist einfach widerlich um es harmlos auszudrücken. Was fällt denen als nächstesein?
    Rassismus? Ich will gar nicht wissen was die dann töten um dann auf Rassismus aufmerksam zu machen.

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