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„Anstalt“ zieht über Presse her: „Aus gut unterrichteten Kreisen ist der Fachterminus für erstunken und erlogen“

Die Macher der „Anstalt“: Max Uthoff (r.) und Claus von Wagner. Foto: ZDF
Die Macher der "Anstalt": Max Uthoff (r.) und Claus von Wagner. Foto: ZDF

Gewohnt wortgewandt und spitzzüngig ging am Dienstagabend wieder "Die Anstalt" des ZDF auf Sendung – im Mittelpunkt stand die Zusammenarbeit des BND mit den US-Geheimdiensten. Dazu hat sich Max Uthoff ins Outfit von James Bond 007, in der Anstalt BND 0815 genannt, geworfen und einen Meisterspion gespielt. Wie sooft haben sich die Kabarettisten aber auch die Presse vorgenommen und sich dieses Mal über journalistische Quellennennungen lustig gemacht.

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Anlass für Uthoff waren Presseberichte über den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis. Über ihn ist Ende April in den Nachrichtenagenturen berichtet worden, Finanzministerkollegen hätten ihn bei einem Treffen in Riga als „Spieler“ und „Zeitverschwender“ bezeichnet. Laut Uthoff hätten Medien wie der Spiegel, die Tageszeitung Die Welt oder auch das ZDF die Quellen-Formulierung „aus gut unterrichteten Kreise“ genutzt. Uthoffs Kommentar dazu: „‚Aus gut unterrichteten Kreisen ist der Fachterminus für erstunken und erlogen'“.

Denn Varoufakis beschwerte sich nach dem Treffen über die Berichterstattung, bestritt die Äußerungen seiner Kollegen. Der griechische Finanzminister sagte dem New York Times Magazine, dass er die Runde aufgezeichnet hätte. Dazu Uthoff über den Fehltritt der Medien: „Journalisten haben keine Probleme mit der Weitergabe von unwahren Behauptungen. Sie haben eher ein Problem, damit, dass irgendjemand Aufzeichnungen von Gesprächen macht, auf denen die unwahren Behauptungen dann gar nicht zu hören sind.“ So mancher Journalist würde der „Diskreditierung“ von Varoufakis „das Niveau von der Bunten großzügig“ unterschreiten.

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Die gesamte Folge der „Anstalt“ ist bei YouTube hochgeladen, aber auch in der Mediathek des ZDF nachzusehen.

 

Update, 28. Mai 2015: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Varoufakis den Mittschnitt „zugegeben“ hätte, was wiederum ein Skandal sei. Diese Formulierungen wurden nachträglich entfernt. 

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Alle Kommentare

  1. Um die in der Sendung aufgedeckten Zustände bei den eklatanten Übergriffen auf das Briefgeheimnis durch Eure transatlantischen ziemlich besten Freunden scheint sich hier niemant zu scheren. Nein, die interessante Frage besteht darin, ob sie dabei „genug satirisch“ vorgeht. – Armes Deutschland.

  2. Ihnen ist aber schon klar, dass Varoufakis nicht dementiert und nicht zugegeben hat heimlich irgendas aufgenommen zu haben?

    Er hat bezüglich der Frage ob es stimmt, dass wie aus anonymer Quellen gesagt wird, er beim einem Treffen der Finanzminister als „Spieler“ usw. bezeichnet worden sein soll, gesagt, dass dem nicht so war und er sich daran erinnern kann und zur Not auch einen Mitschnitt hat, den er aber nicht veröffentlichen kann, weil die Sitzung vertraulich war. … Demzufolge ist das „…Er selbst gab gegenüber der New York Times zu, dass der griechische Minister die Runde aufgezeichnet hätte, was wiederum ein Skandal ist. …“ zumindest eine Unterstellung … Aber wer will schon informieren … ?

  3. Wer sich an die wunderbaren, legendären Auftritte von Dieter Hildebrandt erinnert, der wird dessen Austeilen nach allen Seiten der Politik schmerzhaft vermissen. Was „Die Anstalt“ betreibt, ist keine gute Satire. Da verwechseln zwei Künstler Haltung mit Dogma. Ihre beiden Lieblingsdogmen: Varoufakis hat immer Recht, und die „Systempresse“ lügt.

    Das ZDF sollte sich bezeiten überlegen, ob Marktanteil wirklich alles rechtfertigt.

  4. Als Zuschauer sollte man froh sein, das es diese Satiresendung gibt.

    Auch wenn sie mir zu oft die Griechen in Schutz nehmen und einige Gäste „diskussionswürdig“ sind, finde ich von Wagner und Uthoff herrlich, wie sie die Politik(er) immer wieder bloßstellen und dem Volk den Spiegel vor das Gesicht halten. Auf jeden Fall besser als der Vorgänger „Neues aus der Anstalt“ mit Urban Priol.

    Negativ ist einzig und allein der späte Sendetermin.

    Wir werden permanent von der Politik verarscht und keiner merkt es. Stattdessen werden die gleichen „Volksvertreter“ gewählt.

  5. Noch ein kleiner Hinweis: „Anstalt“ zieht nicht über die Presse her, sondern über die Medien. Aus gut unterrichteten Kreisen zitierten in diesem Fall ja off nicht nur Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch das ZDF usw usf

  6. w.winkler ist nur zuzustimmen. Mir erschliesst sich sowieso nicht, was an der mit Gebühren entlohnten Anstalt so satirisch sein soll. Bermerkungen wie Uthoffs: “‘Aus gut unterrichteten Kreisen ist der Fachterminus für erstunken und erlogen’” sind nicht „spitzzüngig“, sondern schlicht und einfach diffamierend. Warum die Bemerkungen über Varoufakis nicht gefallen sein sollen, nur weil er solche – Überraschung! – dementiert, ist mir auch nicht klar. Hier steht zumindest Aussage gegen Aussage. Ich dachte immer politische Satire (in seligen Angedenken Hildebrandts, Lach- und Schiess) habe etwas mit Intellekt, feiner inhalichen Distanz und ironischer Analyse zu tun. Uthoff und Konsorten, die letztlich nur die platten Vor-Urteile des derzeit gängigen Neo-Sozialismus pflegen, gehören nicht dazu. Um diese zu kennen brauche ich aber nicht die Öffentlich-Rechtlichen – es reicht ein Blick in Leserbriefspalten und SpON.

  7. berichtet unsere Qualitätspresse und wird – längst im Schmutz liegend- darin auch via „Anstalt“ zu Recht durch denselbigen auch noch durchgezogen…
    „Sie haben eher ein Problem, damit, dass irgendjemand Aufzeichnungen von Gesprächen macht, auf denen die unwahren Behauptungen dann gar nicht zu hören sind.“
    Immerhin: „Mann, der Varoufakis. Immerhin leugnet er die Vorwürfe nicht mehr, die … von wem nochmal ursprünglich erhoben worden waren? Ach richtig, von Varoufakis.“
    Weiteres Lesenswertes zum Thema mal wieder bei Stefan Niggemeier
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21131/der-boese-ist-immer-der-griechische-finanzminister/

  8. Obwohl durchaus Kritik an der Qualität der Presse zu oft angebracht ist, so ist gerade Herr Uthoff genau der Verkehrte, um sich hier als Richter aufzuspielen. Genauso wie schlechte Journalisten nicht über ihre Recherchen berichten, sondern versuchen, Meinung zu machen, erscheint mir Herr Uthoff auch eher ein selbsternannter „Volksaufklärer“ als ein guter Kabaretist zu sein. Gute Kabaretisten zeichnen sich nach Meiner Meinung dadurch aus, alle Dinge mit Witz kritisch zu hinterfragen, aber nicht dadurch, dass sie versuchen, dem Mainstream in Grabesstimmung vorauszueilen.

    1. Allerdings leben heutige Kabarettisten davon, bei den Zuhörern das Gefühl zu erzeugen, ihnen würde eine umfassende Welterklärung auf dem Silbertablett serviert.
      Zumindest Uthoff bietet dies sehr überzeugend, doch scheint er sich dessen bewusst, dass Satire nicht die letzte Wahrheit ist. Zumindest geht dies aus Interviews mit ihm hervor.

      Aber sie haben durchaus recht; anders als beispielsweise bei Pispers, bietet Uthoff keine Hinführungen in die Thematik, sondern greift relativ populistische Ansichten pointiert auf.

    1. Ich versteh bis heute nicht, wie man so daneben sein kann und die DDR mit der jetzigen BRD vergleichen kann. Sie können das von mir aus von Anfang bis Ende erlebt haben: in ihrem Kopf hat sich trotzdem die Erinnerung verschoben!

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