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Rabauken-Urteil: Nordkurier-Reporter soll „Wildschleifer“ 1.000 Euro zahlen

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Ein Reporter des Nordkurier aus Mecklenburg-Vorpommern wurde zu einer vierstelligen Geldstrafe verurteilt, nachdem er einen Jäger, der ein an seine Anhängerkupplung gefesseltes Reh über eine Landstraße schleifte, als "Rabauke" bezeichnet hatte. Gegen das Urteil will die Zeitung in Berufung gehen und mutmaßt schon einmal, dass man im Amtsgericht Pasewalk das Grundgesetzt "irgendwie verschludert" hätte.

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Im Sommer 2014 berichtete der Nordkurier über einen Jäger, der ein erlegtes Reh an die Anhängerkupplung hängte und es über eine Landstraße schleifend abtransportierte. Das unwaidmännische Verhalten wurde mit einem Beweisfoto dokumentiert und ging vor allem durch die sozialen Medien, bevor es bundesweit in die Schlagzeilen kam.

In einem seiner Berichte bezeichnete der Nordkurier-Reporter Thomas Krause den auf den Namen „Wildschleifer aus Vorpommern“ getauften Mann als „Rabauken-Jäger“ – und soll nun dafür zahlen. Denn dem Jäger gefiel die Bezeichnung „Rabauke“ nicht, weshalb er Strafanzeige wegen Beleidigung stellte und vor dem Amtsgericht Pasewalk auch noch Recht zugesprochen bekam. 1.000 Euro sei der Schmerz des Jägers wert.

Laut Nordkurier-Bericht in eigener Sache habe die vorsitzende Richterin ihre Entscheidung damit begründet, dass als „Rabauke“ eher ein Kind zu bezeichnen sei, ein Mann sich dies aber nicht gefallen lassen brauche. Die Berichterstattung sei „pfeffrig und scharf“ gewesen, gibt der Nordkurier die Richterin wieder.

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Auch über das Verhalten der Staatsanwaltschaft ärgerte sich Nordkurier. Bei dem Prozess sei es nicht um das tatsächliche Verhalten des Jägers gegangen. So sei der Staatsanwalt „in seinem Plädoyer gegen die Medien allgemein und den Nordkurier speziell zu Felde“ gezogen. Es habe eine „Generalabrechnung mit dem ganzen modernen Medienbetrieb“ gegeben.

In einem Kommentar zu der Geschichte schreibt Chefredakteur Lutz Schumachern: „Dieses Land hat zwei Diktaturen hinter sich und leider auch eine entsprechend fürchterliche Justizgeschichte. Die beiden über die freie Presse herfallenden Juristen haben daraus nichts gelernt.“

Ihre Entscheidung soll die Richterin auch damit begründet haben, dass sie selbst nicht begeistert wäre, würde man sie als „Rabauken-Richterin“ bezeichnen. Der Nordkurier will das Urteil gegen seinen Reporter nicht akzeptieren und hat bereits angekündigt, dagegen vorgehen zu wollen.

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Alle Kommentare

  1. Total falsche Darstellung der Medien (allen voran der „Nordkurier“)!!! Er hat das völlig legal und nur aus naturschützerischen Gründen erlegte Reh in langsamen Tempo „geschleift“.Und auch nur,weil er sein Auto nicht voller Zecken haben wollte.Verständlich finde ich.
    Es hätten durch das vorher schon tote Reh Unfälle passieren können.Wäre das besser gewesen?!?

  2. @ „Das Urteil stinkt zum Himmel.“
    Dazu heute:
    „„Rabaukenjäger-Fall“: Gericht bestätigt Geldstrafe für Journalisten
    … 5. Februar 2016, dpa““
    Fazit, vor deutschen Gerichten befindet man sich im Himmel.

  3. Wieder wird vor Kenntnis a l l e r Tatsachen aus allen Rohren geschossen, als Ergebnis beschäftigt man Juristen ohne Ende.
    Eine Stellungnahme des Jagdpächters wäre der Anfang. Dass der Journalist die Geschichte überhöht personenfixiert dargestellt hat, Hinz und Kunz also sofort wussten, um wen es sich handelt, mag unklug gewesen sein, allerdings hat die Staatsanwaltschaft unverhältnismäßig reagiert. (Im Schreiben der Staatsanwaltschaft eine Auseinandersetzung mit dem Deutschen Presserat damit zu verbinden, verbietet sich eigentlich, da vorangegangene Entscheidungen zu[un]Gunsten von wem auch immer nichts damit zu tun haben.) Es bleibt der fade Beigeschmack, dass die Staatsanwaltschaft lieber Maulkörbe befördert, statt schlichtend Wasser aus der Mühle zu nehmen und beide Seiten zusammenbringt, um so allen Beteiligten maßvoll die Leviten zu lesen.
    Im Zusammenhang mit Konsequenzen für den Journalismus verwundert es z. B. nicht, dass die Presse sich scheut unserer Bundeskanzlerin eine Lüge vorzuwerfen, nachdem vor kurzem die Pkw-Maut verabschiedet worden ist, der sie höchstpersönlich im TV-Duell vor Millionen Wählerinnen und Wählern mit Peer eine Absage erteilte. Ich erwarte noch den Aufschrei schlechthin. Das alte Spiel um Macht und Freiheit – wer jagt hier eigentlich wen?

  4. Meiner meinung nach gehört so einem der sich Jäger nennt die Jagdlizenz entzogen denn nach seinem verhalten nach erschießt er Tiere nur zu seinem persönlichen Vergnügen und aus keinem anderen grund ( und so jemanden eine Waffenbesitzkarte auszustellen ist eine Frechheit und sie gehört ihm sofort auf Lebenszeit entzogen) ist somit eine Schande für die gesamte Jägerschaft denn er hat keinerlei Ehrgefühl und keinen Respekt vor den Tieren denn wenn man Sie Erschießt muss man sie nicht noch entwürdigen .

  5. Gute Recherche beginnt damit, das Umfeld von Jäger, Staatsanwalt und Richterin zu durchleuchten: Staatsanwalt ist Schützenbruder oder Jagdgenosse des Tierschinders, die Richterin Ehefrau des Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft – oder? Am Amtsgericht kann es da schon mal zu Gefälligkeitsurteilen kommen…

  6. Die Richterin hat begriffen, dass Beleidigungen ein Straftatbestand sind und nicht von der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit gedeckt sind. Es ist natürlich auch schön einfach, direkt mit der Grundgesetzkeule um die Ecke zu kommen. Aber auch die hat eben ihre gesetzlichen Schranken. Zum Beispiel im Straftatbestand der Beleidigung. Da kann sich der Nordkurier auf den Kopf stellen.
    Man hätte über den Fall auch sachlich berichten können. Insofern ist die Frage der Meinungsfreiheit keine Frage des Ob, sondern eine des Wie. Journalisten, die diese Bezeichnung verdienen, sollten das erstens wissen und zweitens zu professioneller Distanz in der Lage sein.

    1. Sorry, aber das Wort „Rabauken-Jäger“ ist für das, was dieser Mann da gemacht hat, keine Beleidigung sondern eine VERNIEDLICHUNG. Man muss doch mal den Tatbestand dessen sehen, was ER getan hat: Er hat ein erlegtes Stück Wild ohne Respekt dafür, dass er gerade einem Tier das Leben genommen hat, am Auto hinter sich her geschleift! Zum Einen dürfte dieses Wildbret nicht so mehr sehr genießbar sein, und zum Zweiten scheint er sein Wild ja offenbar nur zu erlegen, um es „abzuknallen“, wie man daran sieht. DAS sollte man mal verfolgen. Diese Typ ist eine Beleidigung für alle JÄGER. Und was ich nach diesem Urteil von Richtern halte, möchte ich hier lieber für mich behalten…

      1. Sehe ich genauso, das Wort Rabauke ist viel zu harmlos und verniedlichend für das unwaidmännische Verhalten dieses Mannes. Solche Leute bringen die Jagd bzw. alle sich der Hege verpflichtet fühlenden Jäger in Verruf. Insofern hätten auch Jagdverbände sich hier deutlich äußern müssen. Der Mann hat wahrscheinlich noch Glück gehabt, dass er nicht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angezeigt worden ist, denn für manchen Passanten dürfte der Anblick sehr verstörend gewesen sein. Es ist zwar denkbar, dass der „Jäger“ sein Auto nicht mit dem Blut des Tieres beschmutzen wollte, doch die meisten Jäger haben für erlegtes oder überfahrenes Wild, soweit ich weiß, vorgesorgt und eine Wanne, Folie oder Sonstiges im Auto. Bei dem Urteil und angesichts der Tatsache, dass die Jagd für einen Teil der Gesellschaft immer noch eine Prestigeangelegenheit ist, würde ich mich nicht wundern, wenn das schwer verständliche Urteil ganz andere Hintergründe als die genannten hat, so wie auch Al Gu andeutet …

  7. Diese Richterin hat ja wohl nix begriffen! Was hat sie zu DDR-Zeiten gemacht? Eine ewig Gestrige? Mir wird Angst und Bange, dass die an diesem Gericht so eine Klage überhaupt ANGENOMMEN haben… Haben die nichts wichtigeres zu tun? Liebe Betroffene, bitte unbedingt juristisch dagegen halten!!!
    Also, es gibt zwei Orte, wo ich schon mal garantiert nicht vor Gericht stehen möchte: In den USA und in den Neuen Bundesländern… (Na ja, Bayern vielleicht auch noch.)
    Und diese Richterin, ist sie mit irgendeinem „gesellschaftlich relevanten“, jagenden Provinz-Promi in ihrem Landkreis befreundet, wie das in der Provinz ja gerne mal so abläuft? (Bin selber Provinz, ich weiß das!) Wer würde sich sonst für solche Leute wie diesen „Rabauken-Jäger“ so einsetzen…?
    Zu dem würden mir übrigens noch deutlich mehr passende Bezeichnungen einfallen! Was ist das überhaupt für ein kleiner Land-Gott, dass er deshalb einen Prozess anstrengt? Einer von der Sorte, die immer recht hat…? Ich meine, dass so ein Typ, der sich so unwaidmännisch verhält, nicht mehr alle Latten am Zaun hat, ist ja wohl mehr als deutlich. Der ist eine Schande für die ganze jagdliche Zunft und echt zum Fremdschämen! Vielleicht sollte man dessen Voraussetzung für eine Jagdscheinvergabe mal gründlich überprüfen…

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