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Homos und Geschiedene gleich Diebe? Kirchenzeitung entschuldigt sich für Kommentar

Kardinal Rainer Maria Woelki ist Herausgeber der Kirchenzeitung, soll vom Kommentar aber nichts gewusst haben. Foto: dpa.
Kardinal Rainer Maria Woelki ist Herausgeber der Kirchenzeitung, soll vom Kommentar aber nichts gewusst haben. Foto: dpa.

Die Kirchenzeitung des Erzbistums Köln hat in einem Kommentar Homosexualität mit Diebstahl und Einbruch verglichen. Nachdem die Äußerungen des Autors Siegbert Klein am Wochenende für Furore sorgten, entschuldigt sich nun der Chefredakteur und beteuerte, dass Herausgeber Kardinal Rainer Woelki von dem Kommentar nichts gewusst habe.

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In seinem Kommentar beschäftigte sich Siegbert Klein mit der Frage nach der Notwendigkeit des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) und kritisierte darin die Befürwortung, auch homosexuelle Paare oder Geschiedene zu segnen. Das ZdK stützt seine Haltung mit der Forderung, die „Lebenswirklichkeit“ zu akzeptieren.

Auf diese Argumentation reagierte Klein mit einem skurrilen Vergleich: „Die Zahl der Einbrüche und Diebstähle steigt Jahr für Jahr, während immer weniger Täter überführt werden können. So erleben viele Menschen heute ihre Lebenswirklichkeit.“ Und weiter: „Wer etwas mitgehen lässt, muss sich anscheinend keiner Schuld bewusst sein. Machen doch alle. Damit die Zahlen nicht weiter stören, dringen wir darauf, dass Diebstahl nicht mehr bestraft wird und dass die Täter zu loben sind, weil sie vielleicht für die Playstation ihrer Kinder oder für eine Aufmerksamkeit für ihre Partnerin auf Beutezug gehen. Solches Handeln müsste die Gesellschaft eigentlich wertschätzen. Es ist vorbildlich. Sie schütteln energisch den Kopf?“

Die Zeilen von Klein, der beim Kirchenblatt Chef vom Dienst ist, sorgten für Kritik – unter anderem von Grünen-Politiker Volker Beck, der einen Leserbrief an das Wochenblatt verfasste und den Vergleich als „Ungeheuerlichkeit“ kommentierte.

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Leserbrief zu KommentarIst das ZdK verzichtbar?http://www.kiz-koeln.de/home/artikel/2015/1521/artikel-1/#c3703Der…

Posted by Volker Beck on Montag, 25. Mai 2015

„Diebe und Einbrecher verletzen das Recht anderer auf Eigentum. Homosexuelle Paare oder nichteheliche heterosexuelle Familien verletzen niemandes Recht und haben Anspruch auf ein Mindestmaß von Respekt, auch von der katholischen Kirche und ihren Publikationen“, so Beck. Das schwul-lesbische Magazin Queer.de griff die Debatte auf und kommentierte, dass sich das Erzbistum Köln auch nach dem Rücktritt von Joachim Kardinal Meisner im vergangenen Jahr „in seinen homophoben Entgleistungen treu“ bleibe.

„Wir sind redaktionell unabhängig“ – Chefredakteur nimmt Kardinal aus der Schusslinie

Auf Nachfrage des Kölner Stadt-Anzeiger äußerte sich nach der Kritik Kirchenzeitung-Chefredakteur Robert Boecker und gab sein Bedauern über die Fehlleistung bekannt. Gleichzeitig nahm Boecker den Herausgeber aus der Schusslinie. „Wir sind redaktionell unabhängig“, der Kardinal habe nichts über den Inhalt des Kommentars gewusst. Des Weiteren habe die Kirchenzeitung Homosexuelle auch nicht diskriminieren wollen. Von der Homepage der Kirchenzeitung wurde der Kommentar offenbar gelöscht.

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