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Radikaler Strategiewechsel: Amazon zahlt jetzt deutsche Steuern für Gewinne in Deutschland

Amazon-Gründer Jeff Bezos
Amazon-Gründer Jeff Bezos

Multinationale Konzerne schieben Gewinne über Ländergrenzen. Unter Ausnutzung legaler Regeln schaffen sie es, Steuern zu drücken. Der US-Onlinehändler Amazon kommt seinen Kritikern nun entgegen. Wieviel Gewinn in Deutschland überhaupt anfällt, ist indes nicht bekannt. Damit steigt möglicherweise der Druck auf Google & Co. es dem Shopping-Giganten gleich zu tun.

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Der Internetversandhändler Amazon versteuert seine in Deutschland erwirtschafteten Gewinne seit neuestem in Deutschland. „Seit 1. Mai verbucht Amazon seine deutschen Verkäufe nicht mehr wie bisher in Luxemburg, sondern in Deutschland“, sagte ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung. Er begründet die Umstellung nicht mit der wachsenden Kritik an der Konzernpraxis. „Wir überprüfen regelmäßig unsere Firmenstrukturen, um sicherzustellen, dass wir unsere Kunden bestmöglich bedienen können“, sagte der Sprecher vielmehr. Offen bleibt indes, ob und wie kräftig es beim deutschen Fiskus in der Kasse klingelt.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans sieht die Ankündigung von Amazon skeptisch. Sie sei ein erstes wichtiges Signal. „Nicht weniger, aber auch nicht mehr.“ Denn bei der Frage, wie Gewinne ausgewiesen und den Standorten in unterschiedlichen Staaten zugerechnet werden, gebe es noch viel Raum für kreative Steuergestaltung, sagte er laut Mitteilung in Düsseldorf. Hier sei aber nicht nur das Unternehmen, sondern auch die eu‎ropäische Politik gefordert, „die noch viel zu viele Hintertüren bietet“.

Die Ausnutzung von Steuervorteilen bei multinationalen Konzernen ist der EU-Kommission seit längerem ein Dorn im Auge. Neben Luxemburg hat Brüssel wegen extrem lukrativer Steuervorteile für internationale Großkonzerne auch Irland und die Niederlande im Visier. Spektakulärster Fall ist eine Untersuchung gegen die Steuermodelle in Luxemburg („Luxleaks“). Konzerne haben dort zum Teil Steuersätze von weniger als einem Prozent auf die nach Luxemburg verlagerten Gewinne erhalten. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker steht dabei unter Druck, weil er dort 18 Jahre lang Regierungschef war. Als Präsident der EU-Kommission hat er nun Steuersparmodellen den Kampf angesagt.

Auch auf der Ebene der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) und der Industriestaaten-Organisation OECD wird daran gearbeitet, Steuerschlupflöcher zu stopfen.

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Amazon investiert traditionell massiv in den Ausbau des Geschäfts und fährt deshalb bestenfalls schmale Gewinne ein. Weltweit fuhr Amazon bei einem Umsatzplus von 20 Prozent auf 89 Milliarden Dollar einen Verlust von 241 Millionen Dollar ein, nach einem Gewinn von 274 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Für Deutschland veröffentlichte Amazon nur Zahlen zur Umsatzentwicklung im gesamten Jahr. Die Erlöse wuchsen demnach um gut 13 Prozent auf 11,92 Milliarden Dollar. Amazon erklärte die Zahlen nicht weiter, so das offen bleibt, ob hierzulande überhaupt steuerpflichtige Gewinne anfallen.

Auch im ersten Quartal 2015 arbeitete Amazon wieder mit Verlust. Es gab ein Minus von 57 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 108 Millionen Dollar vor einem Jahr. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 22,72 Milliarden Dollar.

(dpa)

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Alle Kommentare

  1. Herr Becker hat nicht verstanden, worum es geht, obwohl er die Presseerklärung von Amazon richtig zitiert. Es geht nicht um Gewinnsteuern, sondern um die Umsatzsteuer. Bisher hat Amazon z.B. E-Books durch seine Luxemburger Tochtergesellschaft ausgeliefert, und vom Endverbraucherpreis dafür 2% Umsatzsteuer abgeführt, in Deutschland aber den vollen Preis – der von den Verlagen mit 19% Mehrwertsteuer kalkuliert war, verlangt bzw. durch die Buchpreisbindung verlangen müssen. Das waren glatte 17% Gewinnaufschlag am Umsatz. Diese Praxis, die auch bei anderen Waren und beim Marketplace teilweise angewandt wurde, wird jetzt beendet. Bitte daran denken, und die falsche Überschrift korrigieren.

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