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Das neue ZDF-Format „heute+“: Die News-Revolution fiel (zum Glück) aus

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Am Montag sendete das ZDF die erste Folge des neuen News-Formats "heute+", für das im Vorfeld bereits ordentlich die Werbetrommel gerührt worden ist: jünger, crossmedialer und so ganz anders sollte es werden. Die Nachrichten-Revolution fiel zwar aus, das ZDF kann sich aber trotzdem über einen gelungenen Start freuen.

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Daniel Bröckerhoff steht im neuen Studio des ZDF und begrüßt die Zuschauer zur ersten „heute+“-Sendung. Dabei ist er ist ungewohnt nervös und verhaspelt sich während der 18 Minuten Sendezeit immer mal wieder – was allerdings wenig verwunderlich ist. Schließlich weiß er: Die Zuschauer und Kritiker schauen gerade ganz genau hin: Werden die hohen Erwartungen erfüllt, die im Vorfeld geschürt wurden? Ist die Sendung wirklich jünger und crossmedialer als die anderen News-Formate im Fernsehen?

Die neuen Nachrichten: authentisch und emotional

Tatsächlich wirken klassische Nachrichtensendungen oftmals altbacken und beinah wie aus einer anderen Zeit. Immer wieder wird die Frage laut, ob junge Menschen Zusammenfassung wie die der „Tagesschau“ überhaupt noch brauchen – zu Recht, schließlich konsumieren fast alle, die ein Smartphone haben, News in Echtzeit.

Doch werden Nachrichtensendungen deswegen überflüssig? Mitnichten. Vice Media zum Beispiel beweist, dass sich junge Leute sehr wohl für Nachrichten interessieren – wenn man sie ihnen neu präsentiert: Authentizität, Hintergründe, Emotionen und starke Protagonisten sind die Zutaten von Vice, um die jüngere Generation von News-Konsumenten zu erreichen.

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„heute+“ schlägt in der ersten Folge einen ähnlichen Weg ein: In Reportagen zu Themen wie Drogen, Flüchtlinge und Klimawandel erzählt die Redaktion persönliche Geschichten und blickt nur kurz auf die Geschehnisse des Tages zurück. Dieser Rückblick wirkt dabei jedoch eher unbeholfen und hätte auch gut gestrichen werden können – zugunsten von noch mehr Sendezeit für die vier Hintergrund-Stücke. Der von ZDF-Nachrichtenchef Elmar Theveßen angekündigte kritische Blick und das gegen den Strich Bürsten der Nachrichten kamen (noch) etwas kurz.

Keine Revolution, aber dennoch eine eine Weiterentwicklung

Die Zielgruppe von „heute+“ sind die Digital Natives – oder? Die Sozialen Netzwerke werden zwar – für ein öffentlich-rechtliches Format erfrischend – völlig selbstverständlich eingesetzt und so am Ende der Sendung zum Beispiel darauf hingewiesen, dass einer der „heute+“-Reporter mit näheren Infos bei Periscope bereit steht. Doch Daniel Bröckerhoffs an vielen Stellen störender „Sendung mit der Maus“-Tonfall beißt sich mit aufgesetzten Jugendphrasen („extrem oldschool“, „und alle so: yeah“), was wiederum nicht dazu passen will, dass der Moderator seine Zuschauer siezt.

Dennoch: Experimente sind wichtig. In den USA geht der Trend schon länger in Richtung Vielseitigkeit der Nachrichten-Angebote. Unterschiedlichste Formate entwickeln sich und finden nebeneinander ihren Platz. Der Ansatz von „heute+“ ist durchaus geglückt – auch wenn es noch Luft nach oben gibt. Von einer News-Revolution kann hier nicht die Rede sein, vielmehr ist die neue Sendung eine Weiterentwicklung, eine Abwandlung des klassischen Modells. Und gerade deswegen funktioniert sie.

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