Anzeige

Gottschalks Geburtstagssause bei RTL: alte Männer mit dünnen Stimmen

Thomas „Papageno“ Gottschalk und ein Geiger
Thomas "Papageno" Gottschalk und ein Geiger

Thomas Gottschalk, aka “der Thommy”, hätte zu seinem 65. Geburtstag vielleicht eine schönere TV-Gala verdient gehabt, als den Kommerz-Klimbim, den RTL am Montagabend fast drei Stunden lang veranstaltete. Andererseits: Es hätte auch alles viel schlimmer kommen können.

Anzeige
Anzeige

Das Hauptproblem an Gottschalks Geburtstag bei RTL war, dass sich RTL nicht allzu viele “Wetten dass..?”-Ausschnitte vom ZDF leisten konnte oder wollte. So wirkte es fast, als sei Thomas Gottschalks wichtigstes, prägendstes und längstes TV-Engagement als “Wetten dass..?”-Moderator nur eine Randnotiz gewesen. Stattdessen gab es ein zusammengestoppeltes “Best of…” seines unwürdigen Gastspiels als “Supertalent”-Jurymitglied und einen Aufmarsch an RTL-Personal von Guido Maria Kretschmer über “Supertalent”-Jurorin Lena Gercke bis hin zu Dschungel-Wirrkopf Walter Freiwald.

Dass der Alles-Weg-Geiger David Garrett in erster Linie seine Tournee und Sarah Connor in erster Linie ihr neues Album bewerben wollten, darüber sah Gottschalk mit milder Ironie hinweg. Er nutzte die Geburtstagsparty ja auch weidlich, um noch mal die Werbetrommel für seine erfolgreiche Autobiografie zu rühren. Da ist er ganz Profi.

Die meisten der von RTL marktschreierisch angekündigten Superstars (Cher! Celine Dion! Wladimir Klitschko! Heidi Klum! Kylie Minogue!) tauchten dann bloß via Telefonanruf oder Video-Einspieler auf – geschenkt. Dafür waren die da, die immer Zeit haben, wenn der Thommy ruft: Status Quo, Otto, Michelle Hunziker, Günther Jauch. Sogar Mike Krüger war gekommen und die beiden Alten zu sehen, wie sie sich bei Ausschnitten aus ihren Supernasen-Filmen selbst so ein bisschen fremdschämten, das war nostalgisch-nett.

Anzeige

Gottschalk schien sich über Mike Krüger sogar ehrlich zu freuen. Und auch über das Bild, das der “fünfte Beatle” Klaus Voormann, der ein bisserl ausschaute wie der Printen-König Hermann Bühlbecker, für ihn gemalt hat. “Wenn Paul McCartney 70 wird, kannst Du so ein Bild für ihn malen”, meinte Gottschalk. “Aber der ist doch schon über 70”, sagte Voormann. Ein typischer Gottschalk-Moment. Dazu passte ein Einspieler mit Szenen, in denen Gottschalk die Namen seiner Gäste entweder vergessen hatte oder durcheinanderbrachte. Der Jubilar nahm es mit Humor und sogar eine vorproduzierte Szene, in der er versuchte, bei Til Schweiger “Peter Hallervorden” die Rolle in “Honig im Kopf” abspenstig zu machen, war nicht gänzlich unkomisch.

Die Moderation hatte dankenswerterweise Barbara Schöneberger übernommen. Als Begleitband spielte Otto mit seinen “Friesenjungs”. Wobei Otto ein deutlich besserer Gitarrist ist als Sänger. Das fiel an diesem Altherren-Abend aber nicht weiter negativ auf. Gottschalks Helium-Version vom Papageno aus der Zauberflöte oder das Gewimmsel vom ollen Alfons Schuhbeck waren auch keine Meilensteine der Sangeskunst. Alte Männer mit dünnen Stimmen aber auch mit Spaß bei der Sache.

“Sie haben fast die Hälfte geschafft!”, rief Gottschalk den Zuschauern zu, als die Show schon schwer auf Viertel vor Elf zu rumpelte und natürlich fast zu Ende war. Dass er im Rentneralter sich und seinen Job immer noch so unernst nehmen kann wie als Youngster, ist wahrscheinlich seine hervorstechendste Eigenschaft. Und wenn er dann – leicht hüftsteif – zu einer ebenfalls 65 Jahre alten Zuschauerin ins Publikum kletterte, um sich für eine heraufgereichte Blume zu bedanken und die Frau über beide Backen strahlte wie ein Honigkuchenpferd, dann war der alte Show-Zausel sogar wieder für einen Moment ganz der junge Hallodri, den Millionen TV-Zuschauer lieben.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Klaus Voormann sieht aus wie der Printenkönig? Wohl eher umgekehrt. Klaus ist eine Legende, den „Printenkönig“ musste ich erst googeln …

  2. Ich habe die lange Party mit ziemlich gemischten Gefühlen verfolgt. Und Thommy immer wieder mal bedauert, was er da und dazu so lange aushalten musste.

    Ich hoffe, dass er trotzdem gut geschlafen hat – und vielleicht gibt es ja mal irgendwann ein Wiedersehen mit „Gottschalk-Schalk und mit Niveau“. Das wünsche ich ihm herzlich.

  3. Moderation kommt von moderare… Sendungen mit Barbara Schöneberger würden erträglicher, wäre die Mikrofonempfindlichkeit auf ihr gewaltiges Organ, hier meine ich die Stimme, richtig eingestellt. Im Ernst ist diese Schreierei kaum auszuhalten. Für den Pickel auf der Stirn gibt es den Maskenbildner, für Babsis Aggro-Moderation den Tontechniker.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*