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Woody Allen bereut Serien-Kooperation mit Amazon „jede Sekunde“

Offene Worte von einem der größten Regisseure der vergangenen Jahrzehnte: Woody Allen ("Midnight in Paris", "Vicky Cristina Barcelona") bereitet sein Engagement für Amazon offenbar doch größeres Kopfzerbrechen als angenommen. Er bereue es "jedes Sekunde", das Angebot des Internet-Riesen angenommen zu haben, bis 2016 eine Streaming-Serie zu drehen, ließ Allen am Rande der Filmfestspiele von Cannes durchblicken.

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Offene Worte von einem der größten Regisseure der vergangenen Jahrzehnte: „Ich habe jede Sekunde bereut, seit ich eingewilligt habe“, bekannte Kultregisseur Woody Allen am Rande des alljährlichen Filmfestivals in Cannes gegenüber Branchenmagazin Deadline.

Die Rede ist vom möglicherweise besten Deal, den Allen in seiner über fünfzigjährigen Hollywood-Karriere abgeschlossen hat: Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der inzwischen 79-Jährige im Auftrag von Amazon eine sechsteilige Web-TV-Serie als Autor und Regisseur produzieren soll, die 2016 bei Instant Video, Amazons Video-on-Demand-Angebot für Prime-Kunden, in den USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich ausgestrahlt werden soll.

Woody Allen: „Ich sehe nie Fernsehen. Ich verstehe also nichts davon.“

Allens Reue hat vor allem damit zu tun, dass er Amazon nicht enttäuschen wolle („Mein Gott, wir haben ihm so viel Geld und Freiheit gegeben und das ist alles, was er uns dafür liefert?“), aber immer noch keine Ahnung habe, was eigentlich von ihm erwartet würde: „Ich sehe nie Fernsehen. Ich verstehe also nichts davon“, bekannte der Workaholic Allen, der seit 1982 jedes Jahr mindestens einen Film in die Kinos gebracht hat und dieses und nächstes Jahr ungeachtet des Amazon-Projekts ebenfalls einen drehen will, gegenüber Deadline.

Bereits im Januar hatte Allen selbst kopfschüttelnd auf seine Verpflichtung reagiert. „Ich habe keine Ahnung, wie ich hier reingekommen bin. Ich habe keine Ideen und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich glaube, Roy Price wird es bereuen“, erklärte Allen in Richtung  des Vize-Präsidenten der Amazon Studios.

„Amazon hat gesagt: Wir produzieren alles, was Du willst“
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Amazon habe aber nicht locker gelassen. „Das zog sich über eineinhalb Jahre. Sie haben mir einen immer besseren Vertrag angeboten und irgendwann gesagt: Wir produzieren alles, was Du willst, gibt uns einfach sechs Mal eine halbe Stunde Material. Das kann in Schwarzweiß sein, es kann in Paris, in New York oder California spielen, es kann eine Familienserie sein, eine Komödie, eine Tragödie, Du kannst mitspielen oder nicht. Wir müssen nichts wissen, liefere einfach sechs halbe Stunden.“

Allen bietet damit wieder einmal höchst authentisch Einblicke in die Produktmaschinerie Hollywoods – und das Selbstverständnis des Online-Giganten, der seit Kurzem auf den Spuren Netflix‘ wandelt und ebenfalls verstärkt Originalserien produziert. Und das ziemlich erfolgreich: Bei den Golden Globes im Januar wurde die Comedy-Serie „Transparent“ und deren Hauptdarsteller Jeffrey Tambor ausgezeichnet.

Maximaler Culture Clash: „Wusste nicht mal, wer Amazon ist“

Tatsächlich jedoch scheint das Engagement für Amazon ein maximaler Culture Clash zu sein: „Ich habe zum ersten vom Begriff ‚Streaming Service‘ im Zusammenhang mit Amazon gehört. Ich wusste nicht mal, wer Amazon ist. Ich habe nie Serien von ihnen gesehen“, kokettiert Allen, der sich nach 19 Oscar-Nominierungen nun ernsthaft Sorgen mache, wie er der Aufgabe gewachsen sein will.

„Es ist so schwierig für mich. Ich hatte das Selbstvertrauen, dass es wie ein Film werden würde – ein Film aus sechs Teilen. Es stellt sich nun aber heraus, dass das Ganze nicht so einfach ist. Für mich ist die Sache tatsächlich sehr, sehr schwierig. Ich kämpfe und kämpfe und kämpfe“, gibt Allen selbstreflexiv wie in einem seiner unzähligen Filme zu.

Ob die Kooperation zwischen dem Online-Riesen und dem vielfach prämierten Filmemacher am Ende ein großes Missverständnis oder doch vor allem Vermarktung in eigener Sache ist, ist allerdings erst im nächsten Jahr zu besichtigen.

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