Chaos nach „GNTM“-Bombendrohung: Twitter und Periscope schlagen klassische Medien

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And the winners are: Twitter und Periscope. Das Social Web kannte am Donnerstagabend nur noch ein Thema: die Bombendrohung bei "Germany's next Topmodel". Tatsächlich lieferte der 140-Zeichen-Dienst schon eine Vielzahl interessanter Infos zu den Geschehnissen über die abgebrochene Live-Show, während der Sender offiziell noch schwieg. Vor allem der Live-Video-Dienst Periscope konnte hierzulande erstmals ein ernsthaftes Ausrufezeichen setzen.

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Es war vor allem Bild-Reporter Daniel Cremer, der die Entwicklung der Nachrichten-Lage via Twitter entscheidend voran trieb.

Was war passiert? Nach rund einer Stunde Sendezeit fiel Heidi Klum ihren Mitjuroren auf einmal ins Wort: „Jetzt müssen wir leider direkt mal in die Werbung gehen, liebe Zuschauer“. Dann brach der Sender die Live-Übertragung ab, sendet einen langen Werbeblock und wechselte dann auf einen Spielfilm. Zeitgleich lief bereits die Evakuierung der Halle. Über die Hintergründe für dieses überstürzte Handeln, ließen die TV-Macher die meisten Zuschauer und Beobachter jedoch lange im Dunkeln.

Offiziell, natürlich auch via Twitter, sprach der Sender von technischen Problemen. Später erklärte dann der Sender-Sprecher, dass man bewusst nur von einem technischen Defekt gesprochen hätte, um eine Panik unter den Zuschauern zu vermeiden.

Die Taktik ging auf, wie man auf kurzen Videos von der Evakuierung sehen kann, die via Periscope gemacht wurden und die sich via Twitter wie ein Lauffeuer verbreiteten. Tatsächlich war dank des 140-Zeichen-Dienstes sehr schnell klar, dass die offizielle Version des Senders sehr wenig mit der Realität zu tun hatte. Bild-Mann Cremer, genauso wie der Musiker Olly Murs, twitterten schon sehr bald das entscheidende Wort: „Bombendrohung“.

 

Offiziell bestätigte ProSiebenSat.1 die Bombendrohung erst viel später im Laufe des Abends. Dann natürlich aber auch via Twitter.

Der Bild-Reporter zog an diesem Abend alle Social-Media-Register. Er twitterte wie wild und sendet auch via Periscope. Tatsächlich verhalf Cremer dem Live-Broadcasting-Dienst hierzulande damit vielleicht etwas zum Durchbruch. Von seinem Chef, Kai Diekmann, ist bekannt, dass er ein großer Freund des Angebotes ist, mit dessen Hilfe Journalisten nur mit Hilfe ihres Smartphones live vor Ort in Bild und Ton berichten können.

ProSieben war vom Job des Bild-Reporters allerdings alles andere als begeistert. In einer ersten Stellungnahme kritisierte der Sender-Sprecher, dass die Medien unreflektiert von einer Bombendrohung gesprochen hätten und damit eine Panik bei der Evakuierung billigend in Kauf genommen hätten.

In einem Statement vor der Presse haben Vertreter von Polizei und Pro7 vor wenigen Minuten Stellung zum Abbruch der Sendung "Germany's Next Top Model" genommen. Es habe entgegen anders lautenden Meldungen keine Festnahme gegeben. Wir bitten die schlechte Tonqualität zu entschuldigen.

Posted by Rhein-Neckar Fernsehen on Donnerstag, 14. Mai 2015

Antwort-Tweet von Cramer dazu:

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen ging gegen 21 Uhr die Bombendrohung telefonisch in der SAP Arena ein. „Da zusätzlich an einer der Garderoben ein verdächtiger Koffer gefunden wurde, hat der Veranstalter entschieden, die Halle vorsorglich zu evakuieren, um möglichst jede Gefährdung der Besucher auszuschließen“, heißt es in einer Erklärung der Polizei. Eine Bombe fanden die Ermittler allerdings nicht in der Halle.

Passend zur gesamten Dramaturgie der Berichterstattung kündigte ProSieben mittlerweile an, wie man das weitere Vorgehen kommunizieren will.

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Alle Kommentare

  1. „Twitter und Periscope schlagen klassische Medien“ – vorangetrieben von einem Bild-Mann. Das macht aus dem Schlagzeilensturm ehr nur noch ein laues Lüftchen. Verstanden?

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