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Content is King: Wie Tim Armstrong Pleitekandidat AOL neu erfunden hat

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Die Übernahme von AOL durch Verizon wird mit dem üblichen nostalgischen Abgesang begleitet: Der Web-Dino ist tot, lang lebe die Erinnerung an Einwahl-CDs aus dem letzten Jahrtausend. Dabei hatte das heutige AOL mit dem Milliardenmonster, das einst Time Warner übernahm, schon lange nicht mehr zu tun. Tatsächlich gelang dem früheren Google-Manager Tim Armstrong eine bemerkenswerte Neuerfindung, mit der er Aktionäre üppige Kurszuwächse bescherte – und sich selbst neue Karrierechancen.

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Totgesagte sterben später: Auch schon wieder sechs Jahre ist es her, als AOL seine endgültige Abspaltung von TimeWarner vollzog und zum zweiten Mal an die Börse strebte. Der Turnaround-Versuch des Ex-Googlers Tim Armstrong sah zunächst kläglich aus: Der Internet-Dino verbrannte schneller Geld, als es selbst Pessimisten für möglich gehalten hätten.

Die Neuschöpfung als Content-Anbieter wirkte bestenfalls wie blanker Aktionismus: Erst wurde TechCrunch übernommen, dann die Huffington Post als Filetstück zugekauft. Wenig später gelang Armstrong dann tatsächlich eine fast mirakulöse Trendwende: AOL verzeichnete wieder steigende Werbeerlöse – an der Börse haussierte die Aktie zeitweise, als wäre es noch mal 1999.

Aktionären ein Plus von 150 Prozent beschert

Von 23 Dollar im Dezember 2009 spurtete die AOL-Aktie bis Anfang 2014 auf rund 50 Dollar – und das, obwohl sie zwischenzeitlich auf 11 Dollar gefallen war. Mit dem Übernahmeangebot durch Verizon in Höhe von 50 Dollar je Anteilsschein, das einem Aufschlag von 18 Prozent gegenüber dem Vortageskurs entspricht, stellte Tim Armstrong gestern nicht nur das alte Allzeithoch der zweiten Börsenkarriere aus dem Vorjahr ein, er übertraf es sogar um wenige Cent mit der Rallye auf 50,75 Dollar im Handelsverlauf.

Der frühere Google-Manager, dessen Anteile nach Forbes-Angaben inzwischen selbst 200 Millionen Dollar wert sein dürften, geht damit doch noch als großer Gewinner aus einer Aufgabe hervor, die zur Übernahme der Amtsgeschäfte 2008 noch wie eine veritable Mission Impossible aussah. Er hat den Wert von AOL seit der Ausgliederung 2009 immerhin um knapp 150 Prozent gesteigert und Aktionäre damit höhere Renditen beschert, als wenn sie im selben Zeitraum in Dow Jones oder S&P investiert hätten.

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Tim Armstrong empfiehlt sich für höhere Aufgaben

Bemerkenswert ist das Comeback jedoch vor allem aus wirtschaftlicher Betrachtung. Der Ende des Millenniums wertvollste Internetkonzern der Welt galt jahrelang als Auslaufmodell, dessen Zeit gezählt schien – das Internet-Zugangsgeschäft und das kriselnde Webportal wirkten schon in der vergangenen Dekade wie ein Relikt aus einer anderen Ära.

Also erfand Tim Armstrong AOL mit den verbleibenden Cashreserven noch einmal neu – als Contentanbieter mit dem illustren Netzwerk um die Huffington Post und TechCrunch – und als Werbeplattform. Hierbei verdient vor allem das 2013 zugekaufte Tochterunternehmen Adap.tv besondere Bedeutung, das Online-Videos vermarktet – und das immer erfolgreicher, wie die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen.

Ex-Google-Manager Armstrong, der einst das Nordamerika-Geschäft beim Internetriesen verantworte, hat damit ein Himmelfahrtskommando in einen Triumphzug verwandelt – und sich selbst für höhere Aufgaben empfohlen. Schwer vorstellbar, dass der kantige Erfolgstyp beim nächsten CEO-Job noch mal gegen den Abstieg kämpf – Armstrongs Ziel kann nun nur die Champions League sein …

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