„Instant Articles“: Bild und Spiegel Online koalieren mit Facebook

Florian Harms (Foto: DER SPIEGEL/ Lutz Jäkel), Mark Zuckerberg (Foto: dpa), Julian Reichelt
Florian Harms (Foto: DER SPIEGEL/ Lutz Jäkel), Mark Zuckerberg (Foto: dpa), Julian Reichelt

Digital Economy Von wegen German Technopanik: Bild und Spiegel Online machen vom Start weg bei Facebooks Instant-Articles-Programm mit. Dabei veröffentlichen beide Redaktionen ganze Artikel vollständig im Newsfeed des US- Networks und erhalten gleichzeitig die Erlaubnis, das direkte Umfeld bei Facebook zu vermarkten. Mit "Instant Articles" wird Facebook selber zum globalen Verlagshaus.

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Neben den deutschen Partnern sind u.a. auch der Guardian, die BBC, Buzzfeed und die New York Times mit dabei. Tatsächlich geben alle Medien, die bei Zuckerbergs Nachrichten-Offensive mitmachen, einen Teil ihrer Kontrolle auf. Alle Stücke, die sie via Instant Articles veröffentlichen, liegen komplett auf den Servern von Facebook. Es wird wohl keinen Link mehr auf die Online-Angebote von Bild, SpOn & Co. geben.

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In diesem Video erklärt Facebook sein neues Angebot

Im Gegenzug dürfen die Verlage die Werbung im Umfeld der Artikel selber verkaufen. Zudem erlaubt ihnen Facebook, die direkten Umfelder, in denen ihre Inhalte erscheinen, selbst zu vermarkten. Zudem sollen die Medienhäuser vollen Zugriff auf die Nutzerdaten ihrer Leser bekommen. Die US-Amerikaner sicherten den Redaktionen ebenfalls die Hoheit und Verantwortung für die journalistischen Inhalte zu. Spiegel Online und auch die Bild bleiben Inhaber allen Contents, den sie auf die FB-Server laden.

„Bild muss immer da sein, wo unsere Leser und User sind. Das ist auf Papier so und das ist auch digital so. Fast 30 Millionen Menschen in Deutschland erleben ihren digitalen Alltag auf Facebook“, erklärt der Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt die Kooperation. „Deswegen sind wir gespannt, ‚Instant Articles‘ auszuprobieren und gemeinsam mit Facebook Lösungen zu entwickeln, die unsere einzigartigen Inhalte auf dieser Plattform noch schneller, leichter, reibungsloser und aufregender erlebbar machen.“

Gegenüber Horizont erklärte Spiegel Online-Geschäftsführerin Katharina Borchert, dass man vor allem deshalb mitmache, um „möglichst viel experimentieren und gemeinsam lernen zu können. Wichtig ist dabei, dass wir zum ersten Mal nicht nur die Auswahl der Inhalte, sondern auch deren Vermarktung selbst in der Hand haben.“

Wenn sowohl Spiegel Online, wie auch die Boulevard-Profis sagen, dass es ihnen auch darum geht zu „lernen“, ist dies wohl genau die richtige Herangehensweise, die Herausforderungen des Webs für journalistische Angebote zu meistern.

Viele Beobachter werden Springer und Spiegel den „Test“, als solchen bezeichnet die Bild das Projekt, als ein Zeichen von Schwäche auslegen. Schließlich legen sie ihr Web-Schicksal teilweise in die Hand einer US-Tech-Company.

Laut einer Springer-Mitteilung soll während der Testphase ein Bezahlmodell für journalistische Inhalte auf Facebook vorangetrieben werden, bei dem die Partner dann eigene Abonnements generieren können.

Die ersten deutschen Artikel sollen voraussichtlich in den kommenden Wochen als „Instant Articles“ bei Facebook zu finden sein. Das neue Angebot läuft erst einmal ausschließlich in der iOS-App des Social-Networks.

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Alle Kommentare

  1. Hmmmm. Begibt man sich damit in ähnliche Abhängigkeit wie jetzt schon durch Google / die Googlesuche gegeben ist? Schwierig. Dürfte jedenfalls interessant sein, dies zu beobachten.

  2. 1. Könnt Ihr mit dem screenshot nicht das Video verlinken ?
    2. Halbsätze mit „als“ (auch temporär) ohne fehlendes Verb davor versteht mein Gehirn immer erst miss: „Viele Beobachter werden Springer und Spiegel den “Test”, als solchen bezeichnet die Bild das Projekt, als ein Zeichen von Schwäche auslegen.“
    Zumal, wenn das „Bild“ für die „BILD“ missbraucht wird …

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