Entrepreneurship und die neue Video-Generation: Das sind die 5 Journalismus-Trends aus den USA

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In den USA wird der Medienwandel offenbar seit Jahren motivierter und aktiver angegangen als hierzulande – und mit neuen Erzählformen und Geschäftsmodellen immer wieder neue Maßstäbe im Journalismus gesetzt. Wie sehen die Innovationen für das Jahr 2015 und die nahe Zukunft aus?

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MEEDIA hat fünf US-Trends im digialen Journalismus zusammengestellt:

Entrepreneurial Journalism

Dass Nachwuchsjournalisten während ihrer Ausbildung ein Geschäftsmodell entwickeln, ist in den USA schon an vielen Schulen ein grundlegender Bestandteil der Ausbildung. So bietet die City University of New York (Cuny) unter anderem das 15-wöchige internationale Fellowship-Programm „Entrepreneurial Journalism“ an. Vorsitzende und Dozenten der Ausbildung sind Jeff Jarvis und Jeremy Caplan. Da die Journalismusschulen auch in den USA nicht mehr sicher sein können, dass alle ihre Absolventen in Medienhäusern unterkommen, bilden sie ihre Schüler zu Entrepreneuren aus – und ermutigen sie, ein eigenes Startup auf die Beine zu stellen. Einer der Absolventen des Cuny-Programms, Noah Rosenberg, hat zum Beispiel die Plattform Narratively ins Leben gerufen, auf der einmal in der Woche eine Geschichte über New York veröffentlicht wird. Um sein Startup zu finanzieren, sammelte Rosenberg 2012 beinah 54.000 Dollar in einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter.

Native Advertising

Während in Deutschland noch eine Debatte über den Einsatz von Native Advertising tobt, wird diese Werbeform in den USA schon völlig selbstverständlich zur Finanzierung eingesetzt und gehört für Medien wie Buzzfeed, Business Insider und Gawker zweifellos zum digitalen Journalismus dazu. Die Inhalte werden dabei oftmals nicht von den Journalisten erstellt, sondern ausgegliedert von der Redaktion im Vertrieb.

Unterschiedliche News-Ansätze

Der Trend geht zur authentischen Nachrichtenberichterstattung – und zur Vielfältigkeit. Die Zeit, in der jede News-Sendung gleich aussah – ein Nachrichtensprecher steht im Studio und liest vom Teleprompter ab – scheint vorbei zu sein. Neue News-Medien wie Vice und Vox („Understanding the News“) sind auf dem Vormarsch und beweisen, dass sich junge Leute sehr wohl für Nachrichten interessieren. Vice setzt bewusst auf eine herausfordernde und explosive Mischung und zeichnet sich vor allem durch seine investigativen und langen Reportagen zu Themen abseits vom Mainstream aus. Sie sind authenthisch, anders – und erreichen damit eine neue Generation von News-Konsumenten.

Außerdem setzen immer mehr Journalisten auf Podcasts als Mittel der Wahl zur Berichterstattung. In dem Online-Podcast „Serial“ zum Beispiel begab sich eine Journalistin auf die Spuren eines realen, mysteriösen Mordes. Mit jeder der insgesamt zwölf Episoden veröffentlichte sie neue Erkenntnisse des Kriminalfalls und schuf damit einen wahren Podcast-Hype.

Generell wird darüber hinaus Expertentum im Journalismus immer wichtiger – oder wie Jeff Jarvis es ausdrückt: „Do what you do best – and link to the rest“.

Das Ende der simplen Smartphone-Videos

Eine neue Video-Generation steht in den Startlöchern und dürfte das Zeitalter der einfachen Smartphone-Videos schon bald hinter sich lassen: Es sind völlig neue Kameras in Entwicklung, wie zum Beispiel 3-D- und 360-Grad-Kameras oder auch Datenbrillen wie die Oculus Rift – die zum einen die Qualität der Videos deutlich verbessern und zum anderen dem journalistischen Erzählen völlig neue Möglichkeiten bieten. Stichwort: Immersive Journalism; der Trend geht deutlich in Richtung Interaktivität. Mit Tools wie racontr und KettleCorn lassen sich bereits Karten, Soundcloud-Dateien oder Links in die Filme integrieren. Noch wird die volle Bandbreite der Möglichkeiten kaum von Medienhäusern genutzt – deshalb gibt es aktuell noch umso mehr Zeit zum Ausprobieren und Experimenterieren.

„Menschen lieben Bilder und Menschen mögen Menschen“, ist sich Julie Hansen, Präsidentin und COO des Online-Wirtschaftsmagazins Business Insider, sicher. Deshalb sind in ihrer Redaktion mittlerweile schon zehn Prozent der Redakteure ausschließlich für die Videoproduktion zuständig – und es sollen in Zukunft noch mehr werden. Sie produzieren bislang acht unterschiedliche Bewegtbildformate – von Interviews über Erklärvideos bis zu Longform-Experimenten. Auch das US-Gossip-Portal Gawker glaubt an eine große Video-Zukunft, hier wurde jüngst ebenfalls ein eigenständiges, noch sehr kleines Video-Department ins Leben gerufen. Die Verantwortlichen sind sich sicher, dass die Erlöse über Payrolls in eigenen Videoformaten die Zukunkft der Online-Werbung sind. Ähnlich wie bei Business Insider wird auch hier noch viel experimentiert, zum Beispiel mit Animationen. Das Ziel: Eigene Viral-Hits. Einen Anfang hat Gawker im April mit dem Video „Alles, was ihr zum Start der fünften Staffel ‚Game of Thrones‘ wissen müsst“ gemacht, in dem die komplexe und verwirrende Handlung von Staffel 1-4 aufgedröselt wird.

Social Sourcing

Dass Soziale Netzwerke als Recherchequelle eingesetzt werden, ist keine Neuigkeit mehr. Doch es geht immer mehr darum, Geschichten zu entdecken, bevor sie zu Viral-Hits werden – so wie es in den USA zum Beispiel Buzzfeed und Mashable bereits tun.

Darüber hinaus werden sich in Zukunft noch mehr Networks neben Facebook entwickeln – und werden Privatsphäre und 1:1-Kommunikation immer wichtiger. Eines dieser neuen, privaten Netzwerke ist zum Beispiel YikYak: Hier werden den Nutzern anonyme Informationen angezeigt, die in ihrer direkten Nähe gepostet werden. Medienhäuser sollten sich darauf einstellen, dass der Content sich in Zukunft auf Plattformen wie diesen – oder zumindest auf mehren Plattformen als Facebook und Twitter – bewegen wird.

Unsere Autorin Nora Burgard-Arp hat New York City während eines Innovation Field Trips der Hamburg Media School im April 2015 besucht.

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Alle Kommentare

  1. CUNY steht fuer City University of New York mit Colleges in allen 5 Boroughs,
    hat mit Columbia NICHTS zu tun.
    Dass solche Schlampereien in deutschen Medien an der Tagesordnung sind ist um so gravierender angesichts der blitzschnellen Moeglichkeit, Facts zu checken mit Google usw.

  2. CUNY steht für City University of New York. Die hat nichts mit der Columbia University und deren Journalism School zu tun. Zudem ist erwähntes Programm ein viersemestriger M.A-Studiengang und kein sechsmonatiger Kurs.
    War der „Field Trip“ nach NYC vielleicht zu kurz?

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