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G+J-Magazin Walden: Wildlife-Programmie für Natur-Nerds

Vier für Walden: Markus Wolff, Harald Willenbrock (beide Redaktionsleitung), Dr. Christoph Kucklick (Herausgeber), Soheil Dastyari (Verlagsgeschäftsführer)
Vier für Walden: Markus Wolff, Harald Willenbrock (beide Redaktionsleitung), Dr. Christoph Kucklick (Herausgeber), Soheil Dastyari (Verlagsgeschäftsführer)

Gehen zwei Freunde im Karwendel auf Wandertour. Sagt der eine: "Für Leute, die das Gleiche machen wie wir, gibt es gar kein richtiges Magazin." Meint der andere: "Dann lass uns doch eins entwickeln." So ähnlich muss man sich die Geburtsstunde von Walden vorstellen. Ab heute ist das 7,50 Euro teure Magazin für Outdoor-Enthusiasten im Handel. MEEDIA hat mit den Machern gesprochen.

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Die Outdoor-Fans Harald Willenbrock und Markus Wolff, im Beruf freie Journalisten und als solche der Geo-Gruppe seit Jahren eng verbunden, schafften es, den Verlag Gruner + Jahr von ihrer Idee zu überzeugen. Das Ergebnis liegt seit heute am Kiosk: ein ungewöhnlicher und innovativer Abenteuer-Guide mit dem nur Eingeweihten vertrauten (und englisch „woa:lden“ ausgesprochenen) Markennamen. Die Subline allerdings lässt keine Fragen offen: „Die Natur will dich zurück“. Das Heft ist ein Statement ganz eigener Art: 140 Seiten, gedruckt auf mattem 100 Gramm-Papier und mit einem kartonartig anmutenden Einband. Statt eines Fotos schmückt eine Illustration das Cover, und die Titelgeschichte ist ein Appell: „Lass dich raus! Die Wildnis beginnt vor der Haustür“. Zwei Ausgaben sind in diesem Jahr geplant, die Auflage beträgt zum Start 100.000 Exemplare.

Unabhängig vom Thema liegt die neue Zeitschrift von Gruner + Jahr im Print-Trend. „Spitz ist das neue Breit“ hatte der verantwortliche Verlagsgeschäftsführer Soheil Dastyari unlängst formuliert. In der Nische liegt derzeit das Wachstumspotenzial für Gedrucktes, und so vermittelt auch Walden eine sympathische Radikalität: kein Allerweltsmagazin, sondern eins für Liebhaber. Aus welchem Holz Walden geschnitzt ist, beschreiben die Blattmacher Harald Willenbrock und Markus Wolff im Editorial so: „Ein Heft für Outdoor-Enthusiasten, die wie wir in der Natur nicht den Thrill, sondern das Erlebnis suchen. Für die ein Zeltwochenende im Harz oder eine Müritz-Tour genauso aufregend ist wie für andere eine Husky-Tour durch Grönland.“

walden-cover

Der Name Walden stammt von einem Literatur-Klassiker. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Autor Henry David Thoreau eine Blockhütte am einsamen See Walden Pond im US-Bundesstaat Massachusetts bezogen und über sein „Life in the woods“ geschrieben. Das 1854 erschienene Buch wurde zum Symbolwerk der Alternativkultur und ihrer Sehnsucht nach einem einfachen und wahrhaften Leben in der Natur. Das Walden von Gruner + Jahr vermeidet solch kompromisslose Radikalität. Harald Willenbrock formuliert es im Gespräch mit MEEDIA wie folgt: „Das Heftkonzept ist nicht eskapistisch, sondern für Leute gemacht, die ein volles Leben haben und am nächsten Montag wieder zur Arbeit gehen. Man muss nicht erst ein Sabbatical nehmen, um die von uns beschriebenen Abenteuer zu erleben.“ Co-Erfinder Markus Wolff ergänzt: „Walden soll wie eine liebevoll gestaltete Kladde sein, die nach Lagerfeuer riecht und nicht nach Papier.“ Und beide sagen auch, was Walden nicht sein soll, nämlich weder eine Zeitschrift für die „Generation Goretex“ noch halbstarkes Männermagazin: „Wir wollen keine Zeitschrift sein, die vor Testosteron strotzt, sondern ein Titel für Menschen, die Spaß haben und neugierig auf die Herausforderungen der Natur sind.“

Alpen statt Alaska lautet die Devise, warum in die Ferne schweifen, wenn das Naturerlebnis auch um die Ecke zu haben ist? „Bewusst nicht dogmatisch oder verkopft“, beschreibt Willenbrock die Herangehensweise von Walden, „wir sehen die selben Landschaften wie andere, aber mit anderen Augen.“ Dies wird auch beim Blättern deutlich. Neben Fotos, auf denen selbst das Niendorfer Gehege in Hamburg wirkt wie ein skandinavischer Wald und Bildern unberührter Natur, die oft in ein paar Autostunden erreichbar ist, sind es vor allem die wertigen Illustrationen im Retro-Look, die das Erscheinungsbild von Walden prägen. So haben die Redaktionsleiter den kalifornischen Künstler Mathew Rangel damit beauftragt, eine Fünf-Tages-Tour in den Alpen in Skizzen und Lithografien festzuhalten. Ein Klapper im Heft zeigt das außergewöhnliche Panorama und den Verlauf der Wanderung auf einen Blick. Auch der Art Director ist ein „Import“ und Beweis dafür, dass Walden als Heimatheft alles andere als provinziell ist: Der Brite John Coe war den Walden-Machern durch sein kultiges Fahrrad-Fanzine Boneshaker aufgefallen. Vom Baumwall mit im Boot ist Corporate Editors-Chefdesigner Jürgen Kaffer als Kreativ Director.

So entwickelt Walden einen einzigartigen grafischen Stil, der so anders als die handelsübliche Kioskware ist, dass Anzeigenkunden für den Neuling zum Teil eigene Motive kreiert haben, um den Look des Heftes zu treffen. Von schlichter Eleganz ist die Heftgliederung, die mit nur vier Ressorts auskommt: Entdecken, Können, Wissen sowie den unter Kleinholz gebündelten kleinteiligen Elementen. Im Angebot des Erstlings sind Erlebnisberichte über den „Streifzug durchs wilde Deutschland“, „Mikro-Abenteuer“, ein „Einsamer Wolf-Wochenende“ sowie Kanu-Ausflüge und Seepartien. Unter Können gibt es u.a. eine Anleitung zum Kanu-Selberbauen, eine kleine Messerkunde sowie den Gitarrenkurs für Abende am Lagerfeuer. Herzstück des Wissen-Teils ist der „Walden Field Guide“, ein Heftchen für die Wanderjacke, mit Wissenswerten über Natur und Tierwelt im Frühling und Sommer. Daneben gibt es allerhand Aufklärung, etwa über die Erfindung des Schlafsacks oder das „penislose Leben der Eule“.

Für Geo-Chefredakteur und Walden-Herausgeber Christoph Kucklick ist der Field Guide „eine Art Programmzeitschrift für die Natur“. Wer sich in diesen Monaten „auf den Weg nach draußen macht, kriegt ein paar Ideen, was ihn gerade jetzt in der Natur erwartet.“ Eine Konkurrenz zur „grünen Gruppe“ sieht er nicht: „Walden hat einen anderen Ton und eine ganz andere Herangehensweise an die Themen als Geo, eine gewisse Nerdigkeit und eine philosophische Orientierung.“ Das Verhältnis beschreibt Kucklick, wie es durch einen dezenten Hinweis auf dem Cover des Neustarts vermerkt ist: Walden sei „ein Freund von Geo“. Für den Geo-Chef sind die Titel auch thematisch nicht Rivalen, sondern vielmehr „Brüder im Geiste.“

Walden – Die Natur will dich zurück erscheint zwei Mal jährlich im Frühjahr und Herbst, Copypreis 7,50 Euro, Anzeigenpreis 1/1-Seite 4c/sw 10.900 Euro.

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Alle Kommentare

  1. Tragisch, dass der Begriff Walden nicht geschützt ist. Thoreau würde sich im Waldgrab umdrehen, wenn er wüsste, dass jetzt auch im fernen Germany seine Idee zu Kommerz gemacht wird.

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