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50 Millionen Euro-Fonds: Gruner + Jahrs Lockruf für Gründer und Startups

Fonds-Fans: G+J Digital-Manager Stan Sugarman (l.), Arne Wolter
Fonds-Fans: G+J Digital-Manager Stan Sugarman (l.), Arne Wolter

Gruner + Jahr will auch für Gründer attraktiv werden: Bei einem Pressegespräch stellten am Mittwoch in Hamburg Digitalchef Stan Sugarman sowie sein Stellvertreter Arne Wolter die Zukunftsstrategie vor. Eines der Kernprojekte: Ein 50 Millionen Euro-Fonds, mit dem Startups entwickelt und je nach Eignung langfristig an G+J gebunden werden sollen.

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Als Beleg für den Aufwärtstrend nannte Sugarman das bereits aus der im März vorgestellten Unternehmensbilanz bekannte Umsatzplus der Digitalaktivitäten um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aktuell beträgt deren Anteil an den Gesamtumsätzen von G+J 17 Prozent, doch dabei soll es nicht bleiben. Auf „deutlich über 25 Prozent“, so Sugarman, soll das Digitalgeschäft in den kommenden zwei Jahren steigen, denn: „Unsere Pipeline ist voll.“

Auch wenn andere Medienhäuser beim Digitalwachstum numerisch viel weiter sind und – wie Axel Springer – bereits die mehr als die Hälfte ihres Geschäfts dort generieren, sieht der Chefvermarkter Gruner + Jahr nicht in abgeschlagener Position. „Wir werden die Schlagzahl erhöhen“, kündigt Sugarman an, „in den nächsten 12 Monaten werden wir 100 Millionen Euro in Digitalprojekte investieren.“ Kernstück der Vorwärtsstrategie ist der 50-Millionen-Euro-Topf, der unter dem Arbeitstitel „G+J Fonds“ firmiert und Anreize für Gründer bieten soll, die Nähe zu Gruner + Jahr zu suchen. Im Gegenzug sollen die Startups Finanzmittel, Mediavolumen, aber auch Know How erhalten, um ihre jungen Unternehmen weiter zu entwickeln. Der Fonds soll dabei als eigener Geschäftsbereich spätestens im Herbst an den Start gehen und möglicherweise in Berlin angesiedelt werden. Das Geschäftsmodell funktioniert nach dem Durchlauferhitzer-Prinzip. „Ausschließlich Minderheitsbeteiligungen“ werde man dort eingehen, sagt Sugarman, und erst nach einiger Zeit entscheiden, ob das Geschäft zu Gruner + Jahr passt. In diesem Fall sei eine Komplettübernahme möglich, andernfalls ein Verkauf der Anteile mit Gewinn ebenso denkbar. Der Fonds wird einen eigenen Manager bekommen, der unabhängig agieren werde. Die Personalie steht bereits fest, nur mit der Verkündung will man sich am Baumwall noch Zeit lassen. Dass die Mittel des Fonds verglichen mit manchem Konkurrenten übersichtlich sind (zumal in den 50 Millionen das Mediavolumen mitgerechnet ist), ficht Sugarman nicht an: „Wir gewinnen nicht mit Geld, sondern mit einem einzigartigen Umfeld sowie der Expertise von Gruner + Jahr. Bei uns bekommen die Gründer what money can’t buy.“

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Fokussierung ist das Zauberwort von Gruners Digitalstrategie. Bereits 2007 hatte der Verlag das Mobile Business als attraktivstes Wachstumsfeld ausgemacht und sich dort sowohl in der Vermarktung wie auch mit Apps rasch als Marktführer etabliert. Und mit Beteiligungen an TRND oder Viseo hat der Verlag im boomenden Business rund um Community-Produkttests wie Content Recommendation einen Fuß in der Tür zum digitalen Zukunftsgeschäft. Kräftige Zuwächse sollen nun um die starken Marken herum erzielt werden, und dabei seien die Content-Umfelder Food, Family sowie Living besonders lukrativ. Vor allem im Food-Bereich ist Gruner im Print wie digital mit Essen&Trinken, Beef! sowie Chefkoch eine Macht. Hier soll der Bereich Video (z.B. Kochrezepte im Bewegtbild) ausgebaut und die ursprünglich reine Mitmach-Plattform Chefkoch.de durch redaktionelle Themen aufgepeppt werden. Nur logisch, dass G+J nun angesichts der hohen Reichweite der Food-Community seine Beteiligung am Lieferservice Delinero in den nächsten Tagen von 26,4 auf 100 Prozent erhöhen wird. Auch Familie ist ein Feld, das digital besonders ertragreich ist. Dort hat Gruner mit Eltern sowie Urbia bereits starke digitale Marken im Portfolio. Hier wird es neben einer neuen Eltern-App auch einer Neugründung namens Finderzimmer geben, die als Marktplatz und Tauschbörse für Kinderklamotten gedacht ist und in Konkurrenz zu Angeboten wir Spock und Kleiderkreisel treten wird. Im Living-Segment schließlich wird der Neustarter Roomido (derzeit 20 Mitarbeiter) als eigene Firma ausgegründet. Sugarman sieht hier besondere Chancen: „Living wird der Schwerpunkt unserer MA-Projekte der nächsten zwölf Monate.“ Die Kombi Content plus Commerce bildet dabei in allen Wachstumsfeldern das G+J-Beuteschema ab, mit einer Einschränkung: „Wir versuchen, das Warenrisiko zu vermeiden.“ Gruner sieht sich als Vermittler, nicht als Händler.

Auch wenn Food, Family und Living die angestrebten Wachstumstreiber sind, zeigten sich Sugarman sowie sein Vize Arne Wolter mit der Entwicklung der digitalen Angebote von Klassikern wie stern, Brigitte oder Gala äußerst zufrieden. Dort seien zum Teil dreistellige Zuwächse gegenüber dem Vorjahr realisiert worden, und vor allem die Mobile-Sites entwickelten sich rasant. „Wir haben den Markt outperformed“, so Sugarman, „und das spiegelt sich in Umsätzen und Erlösen.“ In diesem Jahr werde stern.de eine komplett neue technische Plattform bekommen, ein „siebenstelliges Investment“. Allerdings ließen die Vermarkter auch keinen Zweifel daran, dass mit Nachrichtensites renditeseitig generell nicht viel Staat zu machen sei. So mache Chefkoch.de, das innerhalb der vergangenen drei Jahre die bereits zuvor hohen Umsätze und Erlöse verdoppelt habe, laut Arne Wolter „mehr Ergebnis“ als „Bild.de, Spiegel Online, Welt.de und Sueddeutsche.de zusammen“. Dennoch spielen laut Sugarman auch die news-orientierten Websites eine strategisch wichtige Rolle: „Wir müssen die besten Inhalte bieten, dann hat auch Paid Content eine Chance.“ Aus Vermarktungssicht sei Digital Publishing „low hanging fruits“. Bei Gruner + Jahr scheint man mehr denn je entschlossen, diese Ernte auch einzufahren.

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