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Rocket Internet: Wird die Samwer-Rakete zum Rohrkrepierer?

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer

Es gilt als DIE digitale Erfolgsstory der Startup-Republik Deutschland: Mit untrüglichem Gespür für den nächsten globalen Hit im Web haben die Samwer-Brüder mit Rocket Internet und seinen Anhängseln ein Milliarden-Imperium geschaffen. Der Spiegel stellt in seiner aktuellen Ausgabe kritische Fragen zum generellen Geschäftsmodell – und bringt damit die sich verfinsternde Stimmung bei vielen Investoren auf den Punkt.

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Die Spiegel-Autoren bemängeln in ihrer Bestandsaufnahme vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts des börsennotierten Unternehmens in dieser Woche vor allem, dass es Rocket Internet an einer langfristig „überzeugenden Strategie“ sowie einem „stringenten Geschäftsmodell“ fehle und kommen zu dem Schluss: „Die Beteiligungen verbrennen nach wie vor Geld und machen sich mitunter gegenseitig Konkurrenz.“

Zwar haben die Samwers, die mit dem Verkauf von deutschen Copycats erfolgreicher Web-Angebote an global expandierende Konzerne reich wurden, viel genutzte Plattformen lanciert (etwa den Modeversender Zalando oder das Online-Einrichtungshaus Westwing). Doch die dazu unerlässliche Infrastruktur verschlingt Unsummen und macht diese Unternehmen für Investoren zu einer riskanten Wette auf die Zukunft. Hinzu kommt, dass die in der Öffentlichkeit von Oliver Samwer vertretenen Brüder sich längst nicht mehr – wie in der Vergangenheit – damit zufrieden geben, erfolgreichen Business-Modelle nach raschem Aufbau mit Gewinn wieder abzustoßen: Sie wollen selbst global agieren und dem Silicon Valley ebenso wie den Ali Babas der Welt die Stirn bieten.

Genau an dieser Schnittstelle könnte das Geschäftsprinzip von Rocket Internet auf lange Sicht scheitern. Denn für eine internationale Expansion sind immer wieder hohe Millionensummen erforderlich, die von Risikokapitalgebern eingetrieben werden müssen. Oliver Samwer hat das erkannt, und er übt seine PR-Rolle gegenüber potenziellen Finanziers professionell aus: Mal gibt er den moderat Weitsichtigen, mal den entschlossenen Aggressor, der markige Sätze wie diesen formuliert: „Wir sind der Gorilla.“ Das gefällt den Heuschrecken, die in der Geschäftswelt nichts mehr hassen als Zauderer, die man zum Jagen tragen muss.

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Weit weniger Gefallen fanden Investoren und Aktionäre daran, als die Samwers trotz ihrer Ankündigung, über Jahre finanziell handlungsfähig zu sein, gleich nach einer 500-Millionen-Euro-Beteiligung an Delivery Hero im Februar bei Kapitalgebern weitere 600 Millionen Euro einkassierten. Die Aktie stürzte ab und erholte sich davon bis heute nicht. Aktuell notiert diese mit 44,80 Euro nur knapp über dem Ausgabekurs im vergangenen Oktober. Es fehlt einfach der nachhaltige Erfolg, der die dauernden Versprechen von Oliver Samwer mit wirtschaftlicher Substanz unterfüttert.

Der Spiegel meldet Zweifel an der Seriosität des Langzeitgeschäftsmodells am Beispiel der Kreditportale Zencapp und Lendico an, beides Beteiligungen der Samwers. So habe Zencapp – einst als „Apple des Kreditgewerbes“ an den Start gegangen – in einem Jahr lediglich 200 Firmenkredite im übersichtlichen Finanzvolumen von insgesamt 14 Millionen Euro vermitteln können, Lendico herbe Rückschläge mit internationalen Ablegern erlitten. Wie daraus ein lukratives Business werden soll, kann derzeit niemand überzeugend darlegen. Und bei wie vielen der Startup-Beteiligungen der Samwers in den kommenden Jahren tatsächlich Gewinne erwirtschaftet werden und wie viele der Firmennamen als kunstvoll kreiertes Blendwerk auf dem Friedhof der New Economy reloaded landen werden – auch darüber wird in Investorenkreisen derzeit orakelt.

Fakt ist, dass die Samwers via Rocket Internet weiterhin mit atemberaubenden Summen jonglieren. Der mit Spannung erwartete Geschäftsbericht 2014 wird zeigen, wohin die Reise für das Unternehmen tendenziell geht – Richtung All oder doch eher großer Knall.

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