Fast zehn Millionen Euro Schaden – MDR erklärt den Kika-Skandal für aufgearbeitet

MDR-Intendantin Karola Wille
MDR-Intendantin Karola Wille

Fernsehen Der MDR hat den Skandal rund um Millionen-Veruntreuungen beim Kinderkanal Kika für aufgearbeitet erklärt. Ein ehemaliger Herstellungsleiter und Komplizen hatten insgesamt fast zehn Mio. Euro bei dem Sender illegal abgezweigt, u.a. um die Spielsucht des Herstellungsleiters zu finanzieren. Insgesamt wurde gegen 20 Personen innerhalb und außerhalb des MDR ermittelt.

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Einige wurden auch verurteilt, so zum Beispiel der Herstellungsleiter als Haupttäter zu fünf Jahren Haft. Ermittelt wurde u.a. auch gegen einen freien Mitarbeiter des Kika, der als „Finanz-Controller“ in der Herstellungsleitung tätig war, gegen einen weiteren freien Mitarbeiter, der sich beim Kika mit Rechnungen für Scheinfirmen bereichert hatte und gegen weitere Mitarbeiter und sieben Geschäftsführer von externen Firmen. Auch gegen den früheren Kika-Geschäftsführer wurde ermittelt. Nachdem dieser wegen der Ermittlungen gefeuert wurde, beschuldigte er den Sender und MDR-Intendantin Karola Wille, eine „Kultur des Wegschauens“ etabliert zu haben. Die Ermittlungen gegen ihn wurden später gegen Zahlung einer Geld-Auflage eingestellt. Auch die Ermittlungen gegen den Programmdirektor des NDR, Frank Beckmann, der zur Zeit der Veruntreuungen Kika-Programmgeschäftsführer war, wurden gegen Zahlung einer Geld-Auflage eingestellt.

Im Zuge der Affäre hatten die internen Kontrollen des Kika und des MDR auf breiter Front versagt. Mitarbeiter, die von dem Treiben des Herstellungsleiters Wind bekommen hatten, begannen ebenfalls, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Der Kinderkanal war zeitweise zu einer Art Selbstbedienungsladen für korrupte Mitarbeiter geworden. Den Gesamtschaden für den Sender beziffert der nun vorgelegte Abschlussbericht auf 9,966 Millionen Euro. Bis heute habe der MDR über eine Schadenersatz in Höhe von 2,3 Millionen zurückbekommen.

Wille hatte bei ihrem Amtsantritt Ende 2011 die Aufklärung der Veruntreuungen und Beseitigung der Schwachstellen in den Kontrollsystemen als erste wichtige Maßnahme ihrer Amtszeit genannt, sagte die Rundfunkratsvorsitzende Gabriel Schade in der heutigen Sitzung des Rates, auf der der Abschlussbericht vorgelegt wurde.

Schade: „Der Kinderkanal ist mit seinen Angeboten für Kinder und junge Familien eine Erfolgsgeschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Vorgänge wie damals beim Kinderkanal dürfen sich nicht wiederholen. Die Grundlagen dafür sind geschaffen. Ihre Befolgung werden wir weiterhin regelmäßig überprüfen. Im Zusammenwirken zwischen ARD und externen Produzenten wurden im Übrigen Leitlinien vereinbart, in denen sich beide Seiten verpflichten, durch geeignete Maßnahmen Korruptionsgefahren vorzubeugen.“

Die Affäre rund um die Millionen-Veruntreuungen beim Kinderkanal ging als einer der größten Skandale in die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein.

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