Prenzlauer Berg Nachrichten: 750 Mitglieder oder es ist Schluss

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Philipp Schwörbel, Gründer und Herausgeber der Prenzlauer Berg Nachrichten, will keine Anzeigen mehr verkaufen.

Digital Economy Vor ein paar Jahren wurden lokale Nachrichtenblogs wie die Prenzlauer Berg Nachrichten noch als Zukunft des Journalismus gehandelt. Nun wollen die Macher ihr Geschäftsmodell ändern: Statt Anzeigen sollen künftig Abonnenten die Zeitung finanzieren. Kommen davon nicht ausreichend zusammen, wird das hyperlokale Angebot eingestellt.

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Guter Journalismus kostet Zeit – und Geld. Das wissen auch die Akteure der Prenzlauer Berg Nachrichten (PBN) und ziehen nun die Reißleine: Wenn bis zum 29. Mai nicht mindestens 750 zahlende Mitglieder zusammen kommen, stellt die Online-Kiezzeitung ihre Arbeit ein.

Der Grund: Die PBN sollen unabhängig sein, auch und insbesondere von der Werbe- und Anzeigenfinanzierung. „Ab sofort verkaufen wir keine Anzeigen mehr, um uns zu finanzieren. Wir haben erkannt: Das kann nicht funktionieren. Erst recht nicht, wenn man auf Schleichwerbung verzichtet“, schreibt Gründer und Herausgeber Philipp Schwörbel.

Werbung würde das Angebot kaputt machen

Denn die sinkenden Preise in der Online-Werbung sowie die Tendenz der Anzeigenkunden, „sich redaktionellen Einfluss erkaufen und verdeckte Werbung platzieren zu wollen“, habe in der Vergangenheit zugenommen. „Um uns über Werbung finanzieren zu können, müssten wir entweder die klare Trennung zwischen Redaktion und Werbung aufheben oder Kosten senken indem wir weniger Geld für Journalismus ausgeben. Beides kommt für uns nicht in Frage, weil wir damit unsere Angebot kaputt machen würden“, so die Redaktion.

Projekt Mitglieder-Zeitung

Die Konsequenz: In Zukunft sollen die PNB eine „Mitglieder-Zeitung“ sein, für 4, 90 Euro im Monat. Mit 750 Mitgliedern ließen sich laut den Machern zunächst die redaktionellen Kosten von rund 3.000 Euro abdecken. „Um auch IT, Büro und Verwaltung etcetera bezahlen zu können, müssen wir im Laufe des Jahres weiter wachsen“, räumen sie ein.

Das Modell erinnert an das Crowdfunding-Projekt Krautreporter, dessen Geschäftsführer PBN-Gründer Schwörbel ebenfalls ist. Das Online-Magazin finanziert sich ebenfalls über Mitgliedschaften, allerdings mit der Absicht den Online-Journalismus „reparieren“ zu wollen.

Wie auch bei Krautreporter soll der Großteil der Kiez-Berichterstattung weiterhin kostenfrei zugänglich bleiben, inklusive Kurznachrichten und Archiv. Lediglich aktuelle Artikel der vergangenen drei Wochen werden Mitgliedern vorbehalten sein. Diese wiederum können die Beiträge bei Facebook und per Mail mit Freunden teilen und so die Zugangsbeschränkung teilweise aufheben. Kommen nicht genügend Mitglieder zusammen, wird das PNB-Team seine Arbeit einstellen. Bis dahin zu viel gezahlte Beiträge werden zurück erstattet.

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Alle Kommentare

  1. „Ab sofort verkaufen wir keine Anzeigen mehr, um uns zu finanzieren. “

    Ich vermute, das Anzeigengeschäft brachte mehr Arbeit als Gewinn?

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