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Genial oder gaga? Zeit Magazin erzählt neue Frankfurter „Tatort“-Folge vorab

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Auf den ersten Blick ist es eine etwas seltsame Kombination: Das Zeit Magazin feiert zusammen mit dem "Tatort" seinen 45. Geburtstag. "Wir wollten eine außergewöhnliche Jubiläumsausgabe machen, nicht eines der üblichen Wir-gratulieren-uns-selbst-Hefte", erzählt Chefredakteur Christoph Amend gegenüber MEEDIA. Der besondere Clou dabei: Statt der üblichen Story über das Phänomen "Tatort" erzählen die Berliner nun auf 32-Seiten den kommenden Film des neuen Frankfurter Ermittler-Duos vor.

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Klingt alles etwas irre, entwickelt sich aber beim Lesen ganz charmant. Wie viel Spaß es dann noch macht, den Krimi auch im Fernsehen zu schauen, wird sich erst bei der tatsächlichen Ausstrahlung am 17. Mai zeigen. Dann schickt der Hessische Rundfunk sein neues Team erstmals auf TV-Streife. Margarita Broich und Wolfram Koch müssen das schwere Erbe von Joachim Krol antreten.

Nach der Lektüre des Zeit-Stücks scheint ihnen das allerdings zu gelingen. Zumindest bis kurz vor Schluss. Denn dann bricht die Print-Redaktion ihr Experiment ab. „Natürlich verraten wir nicht, wer der Mörder ist“, sagt Amend. „Unsere Leserinnen und Leser können den Fall aber selbst lösen“. Zur Auswahl stehen vier potenzielle Mörder. „Wir ermuntern unsere Leser dazu, uns ihre Ermittlungs-Ergebnisse zu schicken. Die besten Auflösungen werden wir am 13. Mai veröffentlichen.“

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MEEDIA-Galerie: Die besten Doppel-Cover des Zeit-Magazins

Neben der experimentellen Grundidee, einmal einen Film, ohne bewegte Bilder und Ton, nur schriftlich nachzuerzählen, verbindet den „Tatort“ und das Magazin der Wochenzeitung – zumindest auf den ersten Blick – recht wenig. Eine Einschätzung, der Amend jedoch widerspricht: „Das Zeit Magazin und der Tatort spiegeln immer wieder das Lebensgefühl ihrer Zeit. Nehmen Sie etwa den Schimanski-Tatort in den 80er Jahren, der den sogenannten Strukturwandel im Ruhrgebiet thematisiert hat, die Streiks, Thyssen. Und wir haben vor ein paar Jahren den Begriff von der ‚Generation Praktikum‘ geprägt, einige Zeit danach den ‚Bionade-Biedermeier‘. Und in den achtziger Jahren hat das Zeit Magazin den ‚Popper‘ entdeckt.“

Der erste „Tatort“ im Jahr 1970 hatte den Titel „Taxi nach Leipzig“, während das Zeit Magazin sich mit der Frage beschäftigte, warum immer mehr Männer lange Haare tragen. Beide Themen scheinen heute seltsam aus der Zeit gefallen. Allerdings begeistert den Chefredakteur noch heute eine Begründung für den wilden Männer-Haarwuchs aus dem Jahr 1970: „Auch im Facebook-Zeitalter trifft sie noch immer zu. Er sagte: ‚Es ist alles fürchterlich kompliziert.'“

Noch eine weitere Parallele sieht der Blattmacher zwischen der erfolgreichen Krimi-Reihe und seinem Heft. Beide Formate wollen sich immer wieder neu erfinden. „Es geht natürlich auch darum, uns immer wieder weiter zu entwickeln, etwas Neues zu machen.“

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Dieser nächste Schritt führt die Berliner erst einmal noch weiter in die sozialen Netzwerke. So baut das Zeit Magazin nun seine Twitter-Aktivitäten aus und hofft, seinen Erfolg auch auf Instagram ausweiten zu können.

Beim Kurznachrichtendienst twittert eine Lehrerin aus NRW jetzt täglich um 9.30 Uhr, unter dem Hashtag #GroßePause, Erlebnisse aus ihren Arbeitsalltag. Auf Facebooks Bilderdienst soll es dagegen künftig künstlerisch wertvoll zugehen. Wenn es nach dem Willen von Amend geht, wird dort ab sofort jede Woche lang ein Fotograf oder ein Künstler „unseren Instagram-Account mit seinen Bildern bespielen.“

Mächtig stolz sind die Berliner, die sich selbst als emotionale Seite der Zeit sehen, auf den Erfolg ihres englischsprachigen Ablegers. Immerhin adelte die New York Times die übersetzte Best-of-Sammlung der besten Magazin-Stücke, die zwei Mal pro Jahr erscheint, als ein „teutonic glossy“.

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Alle Kommentare

  1. Ach so, das Zeit Magazin hat den Popper entdeckt. Mensch, das ist ja fast so bedeutend wie die Entdeckung der Gravitation.
    Da entdecke ich dann plötzlich das LOL wieder.

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