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Deutscher Computerspielpreis: Wie Dobrindt die digitale Avantgarde bauchpinselte

Bundesminister Alexander Dobrindt, prämiertes Baller-Game „This War of Mine“ (Foto: dpa/ Montage: MEEDIA)
Bundesminister Alexander Dobrindt, prämiertes Baller-Game "This War of Mine" (Foto: dpa/ Montage: MEEDIA)

Glaubt die Game-Industrie Alexander Dobrindt, können sich Gewinner des Deutschen Computerspielpreises (DCP) demnächst über noch höhere Fördersummen freuen. Preisgelder in Höhe von 385.000 Euro wurden am Dienstagabend in Berlin vergeben; doch der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur bauchpinselte zugleich die digitale Avantgarde. Er versprach: Mehr Förderung durch die Politik, mehr Geld für PC-Spiele – eventuell schon bei der kommenden Auflage des DCP.

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Von Tatjana Kerschbaumer

Die im e-Werk hinter dem Checkpoint Charlie versammelte Branchenelite applaudierte dem von Moderatorin Judith Rakers neu getauften „Bundesdigitalminister“ wohlwollend, freute sich aber deutlich vor allem auf Ruhm, Geld und Ehre des aktuellen Abends. Bei der Abendgala wurden Preise in acht verschiedenen Kategorien verliehen, fünf weitere wurden bereits am Nachmittag im Rahmen des Opening Summits vergeben. Es war das erste Mal, dass der Deutsche Computerspielpreis derart entzerrt und entschlackt wurde.

Ein Versuch – der allerdings fast schief ging: Brancheninsider berichten, die Preisträger, die nachmittags geehrt werden sollten, seien gar nicht oder zu spät informiert worden. Glücklicherweise sei aber trotzdem mindestens ein Repräsentant jedes ausegzeichneten Entwicklerstudios anwesend gewesen, um den Preis entgegen zu nehmen. Beim Opening Summit gewann „InBetween“ der Hochschule Trier den Preis für das beste Nachwuchskonzept, der Innovationspreis ging an das „Spiel des Friedens“, das für das Landesmuseum für Kunst und Kultur Münster entwickelt wurde. Der Preis für „Bestes Gamedesign“ ging an „The Last Tinker“ von den Münchner Mimimi Productions, beste Inszenierung gewann „Lords of the Fallen“, „Beste Internationale Spielwelt“ das von den Warschauer 11bit Studios entwickelte Kriegsspiel „This war of mine“.

„Lords of the Fallen“ ist der große Gewinner des DCP 2015. Das von Deck 13 entwickelte Action-Rollenspiel bekam zusätzlich die besonders wichtige Auszeichnung „Bestes deutsches Spiel“ und strich dadurch insgesamt Preisgelder in Höhe von 105 000 Euro ein. Zweimal ausgezeichnet wurde ansonsten nur „This war of mine“, das auch den Titel „Bestes Internationales Spiel“ gewann. Zu den weiteren Gewinnern des Deutschen Computerspielpreises zählen außerdem die Spiele Fire (Bestes Kinderspiel), TRI: Of Friendship and Madness (Bestes Jugendspiel), Utopolis – Aufbruch der Tiere (Bestes Serious Game), Rules! (Bestes Mobiles Spiel) und Hearthstone – Heroes of Warcraft (Bestes Internationales Multiplayer Spiel).

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Der Bundesminister gab sich jovial, outete sich als glühender Mario Kart-Fan, der ähnlich wie sein Sohn nur noch selten ein Buch in die Hand nimmt. „Und das ist gut so“, sagte Dobrindt. Vor lauter Würdigung von Digitalität und Kreativität verlor er allerdings leicht den Faden, als er das „Beste Deutsche Spiel“ auszeichnen sollte – er hätte gerne noch einmal die Nominierten vorgelesen, anstatt zackig das Action-Game „Lords of the Fallen“ zu ehren.

Erstmals in der Geschichte des Deutschen Computerspielpreises wurde außerdem ein Publikumspreis vergeben. Per Online-Voting konnten Spieler und Spielerinnen über ihr Lieblingsspiel abstimmen. Demnach spielen die Deutschen besonders gerne das Action-Rollenspiel „Dark Souls 2“ von From Software. Der Anspruch des Deutschen Computerspielpreises, vor allem besonders anspruchsvolle, auch pädagogisch wertvolle Spiele auszuzeichnen, spielte zumindest hier eine untergeordnete Rolle. „Spiele dürfen auch einfach mal Spaß machen“, stellte Alexander Dobrindt fest. Und Laudator Oliver Kalkofe glaubt ohnehin, dass jeder noch so brutale Ego-Shooter gegen eine Woche Fernsehen harmlos ist.

 

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