IVW-Analyse: die Verkaufszahlen der 65 größten deutschen Regionalzeitungen

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Publishing Erneut eine traurige Quartalsbilanz für Deutschlands Regionalzeitungen. Alle 65 größten Titel büßten im Vergleich zum Vorjahr Abos und Einzelverkäufe ein. Am besten hielten sich noch Der Tagesspiegel, die Rhein-Zeitung und der Donaukurier mit einem Minus von weniger als 1%. Die deutlichsten Verluste gab es in Hamburg, Berlin und NRW.

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Beginnen wir unsere traditionelle Reise durch die Quartalsauflagen der größten deutschen Regionalzeitungen wie immer in Berlin. Dort verzeichnen vier der fünf Blätter dramatische Rückgänge. Zwischen 6,3% und 8,5% büßten die B.Z., die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier und die Berliner Morgenpost bei den Abonnements und den Einzelverkäufe in Kiosken, Supermärkten, etc. ein. Ab sofort stellen wir diese beiden wichtigsten Auflagenkategorien in den Fokus unserer Betrachtungen, da sie einen noch schärferen Blick auf das Geschehen in der Branche zulässt – Bordexemplare, sonstige Verkäufe & Co., für die wenig bis gar kein Geld fließen, lassen wir außen vor. Einziger Lichtblick in Berlin sind die Zahlen des Tagesspiegels, der nur 0,1% unter dem Vorjahresquartal liegt. Der Grund: ein Plus bei den Abos: Aus 80.884 wurden 81.717. Das Plus gab es dabei nicht nur bei den ePapern, sondern auch bei den herkömmlichen Papier-Abos.

In Brandenburg verlor der Marktführer Märkische Allgemeine am deutlichsten – 5,4%. Für sämtliche anderen Titel zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ging es in etwa auf gleichem Niveau nach unten: Sie verloren zwischen 2,5% (Schweriner Volkszeitung) und 3,7% (Mitteldeutsche Zeitung) ihrer Abos und Einzelverkäufe. Bei 3,1% liegt der Verlust des Weser-Kuriers in Bremen. Deutlich massiver sind die Rückgänge der beiden Hamburger Zeitungen: Das Abendblatt büßte inklusive Bergedorfer Zeitung satte 8,0% ein, die Morgenpost ähnliche 7,2%. Sie verkauft sich werktäglich inzwischen nur noch 61.243 mal per Abo und Einzelverkauf.

IVW 2015/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 1)
Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf
2015/I vs. 2014/I in %
Berlin
1 B.Z. 101.157 -7.987 -7,3
2 Der Tagesspiegel 95.235 -105 -0,1
3 Berliner Zeitung 93.573 -6.273 -6,3
4 Berliner Kurier 72.608 -6.556 -8,3
5 Berliner Morgenpost 71.331 -6.588 -8,5
Brandenburg
1 Märkische Allgemeine Gesamt 117.475 -6.765 -5,4
2 Märkische Oderzeitung Gesamt* 95.466 -3.427 -3,5
3 Lausitzer Rundschau Gesamt 76.361 -2.423 -3,1
Mecklenburg-Vorpommern
1 Ostsee-Zeitung Gesamtausgabe 130.977 -3.505 -2,6
2 Schweriner Volkszeitung Gesamt 78.502 -2.026 -2,5
Sachsen-Anhalt
1 Mitteldeutsche Zeitung Gesamt Sachsen-Anhalt Süd MZ-Gesamt + Naumburger Tageblatt 190.710 -7.231 -3,7
2 Volksstimme Gesamt 174.186 -5.031 -2,8
Sachsen
1 Freie Presse Gesamt 244.947 -7.043 -2,8
2 Sächsische Zeitung 010 Gesamt 224.842 -7.330 -3,2
3 Leipziger Volkszeitung Gesamt 182.299 -6.549 -3,5
Thüringen
1 ZGT Thüringen Gesamtausgabe (TA+TLZ+OTZ) 261.559 -8.667 -3,2
Bremen
1 Weser-Kurier Gesamtausgabe 139.933 -4.437 -3,1
Hamburg
1 Hamburger Abendblatt/Bergedorfer Zeitung 177.830 -15.535 -8,0
2 Hamburger Morgenpost 61.243 -4.743 -7,2
*: plus Oranienburger Generalanzeiger + Ruppiner Anzeiger + Gransee-Zeitung
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Immerhin weniger als 2% unter dem Vorjahr blieben die Neue Osnabrücker Zeitung inklusive ihrer Partnerblätter, sowie die Landeszeitung für die Lüneburger Heide unter ihren Zahlen des ersten Quartals 2014. Der Rest in Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegt wieder in dem derzeit üblichen Verlust-Korridor von 2% bis 3,5%.

Deutlich schwächer schneiden viele Blätter in Nordrhein-Westfalen ab. So büßten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe 4,9% ein, die Zeitungsgruppe Köln mit dem Stadtanzeiger 4,0%, der Express sogar dramatische 8,7% und die Westdeutsche Zeitung 7,4%. Die 21,0% Verlust der Kombi mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen sind einem Sondereffekt zu verdanken – ebenso wie das Plus von 8,6% der Zeitungsgruppe Münsterland. Der Sondereffekt: Die Übernahme der Münsterschen Zeitung von Lensing bescherte den Aschendorff-Titeln, die nur gemeinsam ausgewiesen werden, das Plus – ohne den Kauf gäbe es auch hier ein Minus. Das Medienhaus Lensing verzeichnet umgekehrt einen größeren Verlust als ohne diesen Sondereffekt – durch den Weggang der Münsterschen Zeitung ging es hier um 21,0% bergab. Unschön ist auch das Minus der Kombi RheinMainMedia in Hessen, zu der u.a. die Frankfurter Neue Presse und die Frankfurter Rundschau gehören: 10.002 Zeitungen weniger wurden per Abo und Einzelverkauf abgesetzt – ein Minus von 5,1%.

IVW 2015/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 2)
Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf
2015/I vs. 2014/I in %
Niedersachsen
1 HAZ/NP Hannover* 407.453 -12.687 -3,0
2 Nordwest-Zeitung** 201.692 -6.553 -3,1
3 Neue Osnabrücker Zeitung [A-C] + Ostfriesische Nachrichten + Delmenhorster Kreisblatt 201.102 -3.559 -1,7
4 Braunschweiger Zeitung Gesamtausgabe + Harz-Kurier Gesamtausgabe 147.760 -4.921 -3,2
5 Landeszeitung für die Lüneburger Heide 80.795 -1.395 -1,7
Schleswig-Holstein
1 sh:z Gesamtausgabe 179.528 -4.306 -2,3
2 Kieler Nachrichten GAK Gesamt 89.473 -3.062 -3,3
3 Lübecker Nachrichten Gesamt 85.415 -2.315 -2,6
Nordrhein-Westfalen
1 Funke-Mediengruppe Funke-Medien-G (WAZ+NRZ+WP+WR)+IKZ 594.610 -30.875 -4,9
2 Rheinische Post Gesamt 302.121 -11.281 -3,6
3 Zeitungsgruppe Köln Abozeitungen Gesamt (Kölner Stadtanzeiger/Kölnische Rundschau) 262.219 -10.982 -4,0
4 ZGM Ztg-Gr Münsterland 229.645 18.171 8,6
5 Zeitungsgruppe Neue Westfälische ohne Mindener Tageblatt 181.897 -6.117 -3,3
6 WA-Westfälischer Anzeiger Gesamtausgabe*** 159.253 -5.846 -3,5
7 mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen Gesamtausgabe 1000**** 135.354 -35.874 -21,0
8 Zeitungsgruppe Köln Express Gesamt 127.407 -12.207 -8,7
9 Westdeutsche Zeitung plus Gesamt 117.848 -9.394 -7,4
10 Westfalen-Blatt Gesamtauflage 109.374 -2.617 -2,3
11 Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten Gesamt 107.895 -4.233 -3,8
Hessen
1 RheinMainMedia Gesamt 186.422 -10.002 -5,1
2 HNA Regional Hessen 154.244 -2.677 -1,7
*: plus Schaumburger Nachrichten, Göttinger Tageblatt, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, Aller-Zeitung-Wolfsburger Allgemeine, DEWEZET, Peiner Allgemeine Zeitung, Die Harke, Walsroder Zeitung, Täglicher Anzeiger, Einbecker Morgenpost, Alfelder Zeitung, Schaumburger Zeitung, Neue Deister-Zeitung, Seesener Beobachter, Gandersheimer Kreisblatt, Schaumburg-Lippische Landeszeitung
**: plus Ostfriesen-Zeitung, Wilhelmshavener Zeitung, Jeversches Wochenblatt, Anzeiger für Harlingerland, General-Anzeiger, Ostfriesischer Kurier, Norderneyer Badezeitung
***: plus Recklinghäuser Zeitung und Hellweger Anzeiger Gesamtausgabe + Westfälische Rundschau (Unna / Kamen)
****: ohne Hellweger Anzeiger Gesamtausgabe + Westfälische Rundschau (Unna / Kamen)
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

in Rheinland-Pfalz hält sich die Rhein-Zeitung gegen den Bundestrend relativ stabil: Nur 0,9% beträgt das Minus hier. Auch die Rheinpfalz hält sich mit 2,1% weniger Verkäufen halbwegs okay, deutliche 5,0% büßte hingegen die Rhein-Main-Presse ein. Die Saarbrücker Zeitung verlor 1,9%. In Baden-Württemberg, wo es vor einiger Zeit noch klar unterdurchschnittliche Verluste gab, geht es für die größten zehn Titel nun auch um 1,9% bis 3,3% herab. Unter der 2%-Marke blieb nur die Badische Zeitung aus Freiburg, über der 3%-Marke liegen Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Partner, der Südkurier und die Heilbronner Stimme.

In Bayern gelang es dem Donaukurier, seine Auflage fast stabil zu halten. Ein Minus von 0,5% ist in heutigen Zeiten schon ein Erfolg. Die beiden großen Verlierer sind hingegen die Boulevardblätter aus München: die tz büßte 3,9% ein – was im Vergleich zu den anderen regionalen Boulevardzeitungen wie B.Z., Berliner Kurier, Hamburger Morgenpost und Express durchaus okay ist. Die Abendzeitung, die mit ihren nur noch 34.144 Abos und Kiosk-Verkäufen nicht mehr zu den größten 65 Titeln des Landes gehört, die wir hier aber dennoch aufführen, büßte fast 50% ein. Hier wurden nach der existenziellen Krise und dem Verkauf großflächig defizitäre Auflagenbestandteile abgebaut, die aus den stummen Verkäufern genommenen Exemplare zählen zudem nur noch als sonstiger Verkauf.

IVW 2015/I: Die größten Regionalzeitungen (Teil 3)
Platz Titel / Belegungseinheit Abos + Einzelverkauf
2015/I vs. 2014/I in %
Rheinland-Pfalz
1 Die Rheinpfalz Gesamt inkl. Pirmasenser Zeitung 224.219 -4.827 -2,1
2 Rhein-Zeitung Gesamt 177.499 -1.662 -0,9
3 Rhein-Main-Presse Rheinland-Pfalz-Kombi 31 96.705 -5.135 -5,0
4 Trierischer Volksfreund Gesamtausgabe 81.465 -2.714 -3,2
Saarland
1 Saarbrücker Zeitung ohne Pfälzischer Merkur 121.543 -2.400 -1,9
Baden-Württemberg
1 Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten Gesamt* 310.414 -9.897 -3,1
2 Südwest Presse Gesamt** 304.453 -6.558 -2,1
3 Schwäbische Zeitung Gesamt 158.864 -4.080 -2,5
4 Badische Zeitung 104 Gesamtausgabe 129.891 -2.483 -1,9
5 Badische Neueste Nachrichten Gesamt 220 119.969 -3.115 -2,5
6 Mannheimer Morgen Ausgabe B + Fränkische Nachrichten Gesamt – Bergsträßer Anzeiger 115.947 -2.478 -2,1
7 Südkurier Gesamt 001 111.291 -3.796 -3,3
8 Schwarzwälder Bote Gesamt 109.978 -2.758 -2,4
9 Rhein-Neckar-Zeitung Gesamt 81.646 -2.383 -2,8
10 Heilbronner Stimme Gesamt 80.140 -2.622 -3,2
Bayern
1 Augsburger Allgemeine mit Allgäuer Zeitung Gesamt 298.164 -6.557 -2,2
2 Nürnberger Nachrichten Gesamt 255.725 -5.834 -2,2
3 Münchner Merkur Gesamtausgabe 241.240 -5.613 -2,3
4 Passauer Neue Presse Gesamt 156.823 -2.505 -1,6
5 Main-Post 5 T Total 138.671 -3.913 -2,7
6 Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung 118.613 -1.863 -1,5
7 tz-München 115.112 -4.714 -3,9
8 Mittelbayerische Zeitung Gesamt 103.156 -2.673 -2,5
9 Fränkischer Tag Gesamt/ZRO Zeitungsring Oberfranken + Saale Zeitung 99.305 -2.917 -2,9
10 Donaukurier Gesamt 82.358 -402 -0,5
Abendzeitung München 34.144 -33.415 -49,5
*: plus Waiblinger Kreiszeitung, Nürtinger Zeitung/Wendlinger Zeitung, Kreiszeitung Böblinger Bote, Backnanger Kreiszeitung, Rems-Zeitung, Gäubote, Sindelfinger Zeitung, Mühlacker Tagblatt, Vaihinger Kreiszeitung, Heidenheimer Neue Presse, Murrhardter Zeitung
**: plus Der Teckbote, Bietigheimer Zeitung, Eberbacher Zeitung
***: plus Fränkische Nachrichten, abzüglich Bergsträßer Anzeiger (Hessen)
Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

Erläuterung: In den Tabellen zählen wir die Titel zusammen, die mit einem gemeinsamen Mantelteil erscheinen, also eine so genannte publizistische Einheit bilden.

Die Analyse der IVW-Zahlen der überregionalen Tages- und Wochenzeitungen finden Sie an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. Rot rot rot, der linksgrünen Fachkräfte Tod.

    Naja, vielleicht sind auf den Nussschalen ausm Maghreb frische Fachkräfte drauf.

  2. Viele merken Leitmedien machen Meinung statt Aufklärung. Ich lese gerne aber möchte eben nicht mehr, sagen wir mal, gelenkt werden. Von daher boykottiere ich bestimmte Zeitungen mit Absicht.

  3. Sehr geehrter Herr Schröder,

    nach welchen Kriterien haben Sie die „größten“ Regionalzeitungen ermittelt?
    Spontan fällt mir mindestens ein auflagenstärkerer Verlag als bspw. die hier aufgeführte Hamburger Morgenpost ein (-> ZiS: 100848).

    Sonnige Grüße aus Südthüringen
    Frank Eichler

    1. Man fragt sich wozu die Kommentarfunktion gut ist, wenn nicht mal der Autor selbst auf eine kritische Frage reagiert.

      Offensichtlich ist dieses Portal nicht geneigt, sich mit den Besuchern auseinander zu setzen – wozu dann die nervige PopUp-Umfrage, um die Besucher besser kennen zu lernen?

      1. Kein Grund zur Empörung. Unser Benachrichtungssystem für Kommentare funktioniert leider nicht zuverlässig, sodass es manchmal ein Zufall ist, ob ich über einen neuen Kommentar informiert werde oder nicht. Antwort ist nun erfolgt.

    2. Das Kriterium war urspünglich der Gesamtverkauf. Da liegt die Hamburger Morgenpost klar vor der Südthüringer Presse. Da ich die Analyse nun auf Abo+Einzelverkauf umgestellt habe, ist die Mopo in der Tat kleiner. Im kommenden Quartal werde ich die Liste aber noch einmal erweitern, dann dürfte auch die Südthüringer Presse vertreten sein.

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