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Wichtigster Medien-Launch des Frühlings: Springer will mit Politico.eu „Grenzen sprengen“

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Am morgigen Dienstag ist es endlich soweit: Mit Politico.eu will Springer zusammen mit Politico-US beweisen, dass sich die Erfolgsgeschichte aus Washington auch in Europa wiederholen lässt. Dabei setzen die Macher vor allem auf zwei – eigentlich alte - Erfolgsbausteine: Einnahmen aus Newsletter-Abos und möglichst tiefe und spitze Fachinformationen. Ganz unbescheiden soll das Projekt dabei "Grenzen sprengen".

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Damit ist Politico bereits von seinem Konstruktionsplan her ein diametraler Gegenentwurf zu den meisten – auch neuen – Online-Journalismus-Angeboten, die auf maximale Reichweite, Entertainment und viel Social-Traffic setzen.

Herzkammer des EU-Neulings soll der größte Newsroom Brüssels werden

Für Springer ist Politico nicht weniger als ein echtes „Leuchtturm“-Projekt, wie Ralph Büchi, Präsident von Axel Springer International gegenüber MEEDIA betont. „Wir wollen der führende digitale Verlag werden. Das bedeutet auch, dass wir mit voller Kraft neue journalistische Web-Angebote entwickeln wollen und uns gerade im englischen Sprachraum stärker aufstellen müssen.“ Die Vision des Top-Managers ist klar: „Wir wollen Grenzen sprengen.“

Herzkammer des EU-Neulings soll der Newsroom werden, der mit rund vierzig Journalisten der größte in Brüssel ist. Zusätzlich unterhält Politico noch Büros in Berlin, London und Paris. Interessant ist in diesem Zusammenhang tatsächlich der Vergleich mit der Konkurrenz. So hat die Financial Times vier Reporter in der EU-Hauptstadt. FAZ, Süddeutsche, Welt leisten sich jeweils zwei Kollegen.

Bereits zum Start versammelt die neue Politico-Zentrale in Brüssel Journalisten aus zwanzig verschiedenen Nationalitäten, die insgesamt vierzehn Sprachen sprechen.

Das Geschäftsmodell der EU-Variante orientiert sich eng am US-Vorbild. Basis ist eine frei zugängliche Webseite, die – ganz klassisch – werbevermarktet wird und Sponsoring-Partner hat (u.a. Google). Zudem startet bereits am morgigen Dienstag der wichtigste kostenlose Newsletter, der am frühen Morgen jeweils die Agenda für den kommenden Tag in Brüssel setzen soll. Für die Europa-Hauptstadt verfasst der Senior-EU-Korrespondent Ryan Heath das Politico Brüssel Playbook. In Washington ist das Playbook des Präsidentenberichterstatter Mike Allen längst eine Pflichtlektüre.

In den kommenden Wochen will Politico dann die politischen Newsletter und die Berichterstattung aus den Bereichen Gesundheit, Technologie und Energie vorstellen. Diese tagesaktuellen Angebote sollen während einer ersten Probephase kostenlos sein. Spätestens ab dem Sommer soll dann jedoch ein Premium-Abo starten, das Fachleuten Echtzeitinformationen zu regulatorischen und politischen Diskussionen in Europa anbietet.

Produziert werden diese von Teams, die aus drei bis sechs Journalisten bestehen sollen. „Politik- und Strategieexperten mit europäischen Interessen wollen jemanden, der das Dickicht durchblickt und ihnen als erster sagt, was wirklich wichtig ist“, so Politico- Geschäftsführerin Shéhérazade Semsar-de Boisséson. „Politico tut dies erwiesenermaßen mit großer Kompetenz – online, mobil, in gedruckter Form und durch Veranstaltungen, die Schlagzeilen machen – und unsere europäischen Produkte werden hierauf aufbauen.“

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„Dieser Preis wirkt auf den ersten Blick absurd hoch“

Nach Einschätzung von Springer-Manager Christoph Keese „haben wir hier nicht nur mit einer glänzenden neuen Form von Qualitätsjournalismus zu tun, sondern eben auch mit einer sich lohnenden Form des digitalen Qualitätsjournalismus“. Weiter erklärt er im Interview mit Vera Lins: „Also eigentlich ist da ein Stück weit eine Formel gefunden worden, für das, was allerorts gesucht wird, nämlich die Möglichkeit, ausgezeichneten Journalismus zu finanzieren, die das Internet bietet.“

Der Clou des Politico-Angebotes sind allerdings die Abo-Einnahmen. Die Preise für die Fachnewsletter liegen in den USA zwischen 6.000 Dollar und mehreren hunderttausend – Je nach Umfang des Abonnements, der Organisationsform eines institutionellen Kunden und der Menge der Abos, die ein Unternehmen abschließt. „Dieser Preis wirkt auf den ersten Blick absurd hoch, ist aber aus Sicht derjenigen, die ihn zahlen, eigentlich niedrig, weil sie dadurch in den Genuss von Informationen kommen, die sie ganz dringend brauchen, aber sich auf anderem Wege nicht zusammenstellen könnten“, erklärt Keese.

Sein Auslandschef umreißt gegenüber MEEDIA noch einmal ganz klar die angepeilte Abonnenten-Gruppe: „Politische Kreise, Lobbygruppen, und Firmen, die direkt auf diese tiefen Fachinformationen angewiesen sind“.

Bereits heute gibt es erste Eingänge auf dem Firmen-Konto

Damit ist aber auch klar, dass die ersten Einnahmen aus dem Abo-Bereich nicht vor Herbst eingehen werden. Trotzdem gibt es bereits heute erste Eingänge auf dem Firmen-Konto. So verrät Büchi gegenüber MEEDIA, dass zumindest in der Launch-Woche alle Web-Werbeplätze ausgebucht sind.

In einem Jahr rechnet Büchi mit einer fünfstelligen Abonnenten-Zahl für die jeweils ersten drei Vertical-Letter. Wie lange das gesamte Projekt braucht, um in die schwarzen Zahlen zu kommen, können die Macher noch nicht seriös abschätzen. „Wir glauben an dieses Konzept und sind deshalb auch bereit, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die Politico benötigt.“

Neben dem morgigen Dienstag folgt am Donnerstag der nächste große Launch-Schritt: Dann startet die wöchentliche Printausgabe. Dazu übernahm das Joint-Venture extra die European Voice vom Economist. Zum Start gibt es die erste Ausgabe mit einer Auflage von annähernd 30.000 Exemplaren in Brüssel und anderen wichtigen Städten wie Paris, London, Berlin und Frankfurt. Auch hier setzt Politico auf eine Hybrid-Strategie. Vermeintlich wichtige Entscheider bekommen die Zeitung kostenlos. Der Rest muss ein Abo kaufen. Preis: 199 Euro pro Jahr.

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