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„Publizistische Vielfalt bedroht“: Frankenberger Zeitung soll eingestellt werden

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Hessen verliert ein weiteres publizistisches Erzeugnis: Wie der Gewerkschaftsverband ver.di hessen mitteilt, soll die "Frankenberger Zeitung" des Bing-Verlags zum 30. September eingestellt werden. Rund der Hälfte der Verlagsbelegschaft droht damit die Kündigung. Der Bing-Verlag gehört zur Ippen-Gruppe. Ver.di wirft ihr vor, damit die publizistische Vielfalt zugunsten höherer Renditen zu beschneiden.

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Derzeit erscheint die Zeitung mit einer durchschnittlichen Auflage von rund 5.300 Exemplaren. Von dem Vorhaben wären rund 40 Redakteure und Verlagsangestellte betroffen. Insgesamt beschäftigt der Bing-Verlag 80 Mitarbeiter.

Im Januar erst hatte sich das Verlagshaus Madsack vom Verlag getrennt, der neben der Frankenberger Zeitung auch die Waldeckische Landesleitung (beide in Korbach) herausgibt. Neuer Eigentümer wurde die zur Ippen-Gruppe gehörende Medien Beteiligungsgesellschaft (MBG) in Bad Hersfeld. Nur einige Wochen später stellte die ebenfalls unter dem Ippen-Dach erscheinende Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) die Kassler Ausgabe Waldeckische Allgemeine ein.

Die HNA gehört dem Verleger Dirk Ippen und ist direkt an der MBG beteiligt, die von Ippens Neffen Daniel Schöningh geführt wird. Sie stellt den Mantelteil der in der MBG erscheinenden Blätter Hersfelder Zeitung und Werra-Rundschau bereit. Auch die Waldeckische Landeszeitung aus dem Bing-Verlag soll laut ver.di künftig keinen eigenen Mantelteil mehr produzieren, sondern den überregionalen Teil ebenfalls von der HNA beziehen.

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Ver.di Hessen sieht dadurch die publizistische Vielfalt in Hessen bedroht. Bereits im Januar konstatierte Manfred Moss, Fachbereichsleiter Medien im ver.di-Landesbezirk Hessen: “Ganz Nordhessen ist jetzt zeitungstechnisch Ippen-Land.” Nun kritisiert Moos das Vorgehen der Medienhäuser erneut und wirft ihnen das Beschneiden der publizistischen Vielfalt zugunsten höherer Renditen vor: „Offenbar sieht man bei Ippen aber jetzt auch keine Notwendigkeit mehr, wenigstens ein Minimum an Zeitungsvielfalt zu erhalten. Von den bisher jeweils zwei miteinander im Wettbewerb stehenden Zeitungen wird die jeweils kleinere einfach vom Markt genommen“, so Moos. „Einmal mehr werden Arbeitsplätze und publizistische Vielfalt den Renditeerwartungen der Ippen-Gruppe untergeordnet.“

Der Gewerkschaftsverbund sieht die Pressevielfalt in in weiten Teilen Hessens bereits als verloren an: Nordhessen werden von der Ippen-Gruppe dominiert, in Süd- und Mittelhessen ist die Verlagsgruppe der Mainzer Allgemeinen weiter auf dem Vormarsch und kündigte an, den Darmstädter Echo zu übernehmen. In der engeren Rhein-Main-Region wiederum dominiere die FAZ-Gruppe den Markt der Abo-Zeitungen.

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Alle Kommentare

  1. Eine tragische Entwicklung – nicht nur für die Region, sondern ganz besonders für die Kolleginnen und Kollegen, die nun den Preis für eine jahrelange Misswirtschaft des Hauses Madsack bezahlen müssen. Ohne Verständnis für die regionalen Besonderheiten, ohne Sachkenntnis des ebenfalls seit Jahren offenkundigen demographischen Wandels in Nordhessen und ohne Gespür für kreative, neue Wege des Lokaljournalismus haben die Hannoveraner eine der größten publizistischen Chancen der Nach-Wendezeit vollständig in den Sand gesetzt. Zumindest einen Rekord dürfen sich Geschäftsführung und Chefredaktion jetzt auf die Fahnen schreiben: nämlich verantwortlich für größte Geld- und Werbeverbrennung bei einer Lokalzeitung in Deutschland zu sein.

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