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Nur “Tipps” gegeben: “Newtopia”-Produzent John de Mol weist Fake-Vorwürfe zurück

John de Mol
John de Mol

TV-Produzent John de Mol hat sich im Bild-Interview zu den Vorgängen bei der Sat.1-Reality-Show “Newtopia” geäußert. Wie schon seine Produktionsfirma Talpa und Sat.1 weist auch de Mol von sich, “Newtopia” sei gescripted. Die Produktion gebe den Kandidaten lediglich “Tipps und Hinweise”.

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In der Nacht zum Montag sendete eine Live-Kamera von “Newtopia” versehentlich eine Geheim-Besprechung zwischen der Executive Producerin der Show und den Kandidaten. Dabei wurde geraucht, getrunken und es wurde überdeutlich, dass die Produktionsfirma massiven Einfluss auf das Geschehen bei “Newtopia” nimmt. Die Kandidaten wurden zum Beispiel angehalten, Kühe zu verkaufen und stattdessen ein Restaurant zu eröffnen. Während der gesendeten Besprechung wurde auch klar, dass einige Kandidaten bereits zuvor solche Anweisungen in einem Technikraum erhalten hatten, in dem sich keine Kameras befinden.

Die Enthüllung sorgte für einen Sturm der Entrüstung bei Zuschauern und Fans der Sendung, das Schlagwort von “Faketopia” machte die Runde, die Forderung, die Show abzusetzen wurde immer wieder erhoben. Talpa und Sat.1 behaupteten, die gesendete Besprechung sei eine Einzelaktion der Producerin gewesen, eine – Zitat – “doofe Aktion”. Die Kandidaten bei “Newtopia” würden lediglich “beraten und betreut”.

Produzent John de Mol fährt im Interview mit Bild ähnliche Argumente auf (kostenpflichtiger Plus-Inhalt): “Jeden Tag müssen einmal die Batterien für die Mikrofone ausgetauscht werden. Dies passiert in einem Technikraum, wo selbstverständlich geredet wird. Es kann passieren, dass dort Tipps gegeben werden oder Hinweise. Die Pioniere werden auf ihre Vorbildfunktion hingewiesen, darauf, dass sie tatsächlich etwas tun müssen, um zu reüssieren: ,Vergesst nicht, mit welchen Zielen wir dieses Projekt angefangen haben. Macht etwas draus – nutzt eure Chance‘!“

Von allen Reality-Projekten sei ,Newtopia‘ am wenigsten beeinflusst. “Es ist also real”, so de Mol in einem argumentativen Purzelbaum. Allerdings wurde vor dem Start der Show etwas ganz anderes erzählt: Nämlich, dass es keinerlei Einfluss auf das Geschehen bei “Newtopia” von Seiten der Produktion geben würde. Das, so hieß es, sei ja gerade das Neue an Newtopia. Immerhin leugnet de Mol nicht, dass in dem ominösen Technikraum “Tipps oder Hinweise” an die Kandidaten gegeben werden. Das Verhältnis zwischen Talpa und Sat.1 bezeichnet der TV-Produzent als “ungetrübt”. Das fällt freilich schwer zu glauben. Immerhin ist für Sat.1 eine extrem teure und wichtige Produktion und hatte schon vor dem Fake-Skandal mit deutlichen Quoten-Problemen zu kämpfen.

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Es darf auch nicht vergessen werden, dass es bei alldem nicht nur um ein paar Kühe geht oder darum, ob die “Pioniere” sich nackig machen oder ein Restaurant eröffnen: Es stehen viele Millionen Euro auf dem Spiel. Der britische TV-Konzern ITV hat gerade de Mols Produktionsfirma Talpa übernommen. Über die Hälfte des maximal möglichen Kaufpreises von 1,1 Mrd. Euro hängt von der Gewinn-Entwicklung von Talpa ab und davon, dass de Mol dabei bleibt. In der Pressemitteilung zur Übernahme wurde von ITV explizit der erfolgreiche Start von “Newtopia” bei Sat.1 erwähnt. Sollte die Show bei Sat.1 kollabieren, geht es um richtig viel Geld für den Sender und für den TV-Produzenten.

Darum ist es auch wenig glaubhaft, wenn de Mol der Bild in die Feder diktiert, er habe “noch fast gelacht”, als er zuerst von dem nächtlichen Vorfall hörte. Anschließend schiebt er in bewährter Manier den Medien die Schuld in die Schuhe. Die deutsche Presse sei sehr streng, meint John de Mol.

Als weitere Konsequenz aus dem Skandal würde nun überlegt, ob den Zuschauern eine größere Rolle bei “Newtopia” eingeräumt werden soll. Zuschauer sollen vielleicht “am Bildschirm mitentscheiden und Impulse geben können, ob Pioniere rein oder raus müssen oder Vorschläge machen für Projekte, die dann erfüllt werden können.“ “Newtopia” würde dann also nicht länger von der Produktionsfirma beeinflusst, sondern von den Zuschauern. Ein netter Trick. Und falls die Produktion dann doch mal den einen oder anderen “Tipp oder Hinweis” parat hat, könnte man dies ohne große Probleme als Zuschauerwillen deklarieren.

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Alle Kommentare

  1. Durch ihre ständigen cut und das abschalten bei Gesprächen der pioniere wird newtopia immer unglaubwürdiger und die Fan verlieren den spass zu schauen .wir wissen das einige wie delza Kalle und andre sich die option zu gehen offen gelassen haben wir die den livestream gekauft habe machen das um auf dem neusten Stand zu sein und nicht ausgeschlossen zu werden wir wissen auch das Information zu den Pionieren kommen das ist nicht schlimm nur das sie es zu verheimlichen versuchen ist schon heftig, da sollte eine Änderung gefunden werden LG ute

  2. Für mich ein Sturm im Wasserglas. Kein Medienschaffender, der es nicht beruflich muss, guckt sich so etwas an. Diejenigen, welche Unterschichtenprogramme glotzen, interessieren sich nicht dafür, ob irgend ein Bauernopfer entlassen wird bzw. ein Produzent oder Pressesprecher Stellung nimmt.

  3. Spätestens seit der angebliche Friseur bei Newtopia aufgetaucht war, um 5000 Euro für den Biberschwanz von Candy auf den Tisch zu legen, war klar, dass das von der Produktionsfirma eingestielt war, die ein bisschen Schwung in die Kiste bringen wollte.

  4. Sorry John, schreib die Kohle ab. „Nur Tipps gegeben“ macht es nicht wirklich besser. Diese Sendung hat sich selbst erledigt. Warte 5 Jahre und bring eine optimierte und bessere Version raus.

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