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Lieber „Dr. House“ statt „Homeland“: RTL will neue internationale Serien entwickeln

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Die RTL Mediengruppe will neue Serien produzieren. In einer Kooperation mit dem französischen Partner TF1 und der Produktionsfirma NBC Universal (NBCU) sollen in den kommenden zwei Jahren drei neuartige Formate entstehen. In die Fußstapfen von Serienhypes wie "Homeland" oder "House of Cards" werden sie dabei wohl nicht treten.

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Starten soll die Produktion bereits im Frühjahr 2016, die ersten Episoden der neuen Kreationen sollen Ende desselben Jahres verfügbar sein. Geschrieben und umgesetzt werden sie in Nordamerika – um „ein breites  internationales und damit auch europäisches Publikum“ zu anzusprechen. Die Mediengruppe RTL und TF1 werden im Folgenden die Rechte für ihre Sendegebiete (Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich) halten; NBCU übernimmt die Lizenzierung in den USA.

Es ist die erste Kooperation dieser Art, zwischen zwei europäischen Sendern und einem führenden US-Major-Studio zur Produktion und Finanzierung fiktionaler Inhalte. NBCU gehört zu Comcast, dem größten Medienkonzern der Welt. Das Unternehmen arbeitete bereits in der Vergangenheit mit der RTL Mediengruppe zusammen: Aus ihren Federn stammt beispielsweise das US-Serienformat „Dr. House.“ Erst kürzlich verlängerten die Partner zudem einen großvolumigen Output-Deal, der den Sendern der Mediengruppe RTL Zugriff auf NBCU Top- Serien und Spielfilme wie „50 Shades Of Grey“ garantiert.

Abgeschlossene vs. offene Erzählstruktur

Nach dem Vorbild von „Dr. House“ sollen nun drei neue Formate entstehen. Das internationale Dreiergespann setzt dabei auf die Abgeschlossenheit der einzelnen Episoden. Der deutsche Sender RTL konzentriert sich darauf seit Jahren. US-Krimiserien wie „CSI“, „Monk“, „Bones – Die Knochenjägerin“, „White Collar“ oder „Psych“ und „Royal Pains“ – sie alle vereint die Möglichkeit, in die Staffel einzusteigen, wann immer es dem Zuschauer beliebt, denn jede Episode erzählt eine in sich geschlossene Geschichte. Die Hintergrundgeschichten dienen lediglich zum Verbinden der einzelnen Elemente.

Dieses Merkmal steht in Kontrast zum Trend der sogenannten Serials: Serien, die eher horizontalen Erzählsträngen folgen und deren Geschichte von Episode zu Episode fortgeschrieben wird. Ein Beispiel für dieser Art Serie ist „Homeland“: Statt in jeder Episode einen bestimmten Fall abzuhandeln, der am Ende gelöst wird, schließen die Folgen stets mit offenem Ausgang, meist auf dem Weg zu einem neuen Höhepunkt. Dadurch will der Zuschauer direkt weiterschauen, will wissen, wie es weitergeht – ein Merkmal, das unter anderem zu dem verbreiteten Phänomen des „Binge-Watching“, umgangssprachlich auch Komaglotzen genannt, beigetragen hat, bei dem Zuschauer mehrere oder gar alle Folgen einer Staffel hintereinander schauen.

Suchtpotenzial, aber nicht im deutschen TV
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Serien ohne episodische Abgeschlossenheit haben daher Suchtpotenzial. Während man meinen könnte, TV-Sender täten gut daran, solche Formate ins lineare Programm zu heben, statt den Erfolg nur Streaming-Plattformen wie Maxdome oder Netflix zu überlassen, spricht die Realität bisher eine andere Sprache: US-Serienerfolge wie „Homeland“ oder „House of Cards“ blieben in Deutschland zumindest quotenmäßig hinter den Erwartungen zurück. Im Netz stellten sich Nutzer gar die Frage: Sind die Zuschauer zu doof für gutes Fernsehen? Allerdings muss man hierbei auch berücksichtigen, dass viele Fans ihre Lieblingsserien vor der Ausstrahlung im Free-TV schon längst im Pay-TV oder auf DVD oder im Netz gesehen haben.

Bei RTL ist man eher der Meinung, dass deutschen Zuschauer der Charakter solcher Formate schlicht nicht zusagt – zumindest nicht im Fernsehen. In der Pressemitteilung heißt es daher: „Wir sind überzeugt, dass das deutsche Publikum internationale und episodisch abgeschlossene Serien weiterhin stark nachfragt.“

Abgeschlossene Episoden verleihen Unabhängigkeit

Dabei muss man aber auch beachten: US-amerikanische Serienerfolge wie „Homeland“ oder „House of Cards“ waren in ihrem Ursprungsland zwar sehr erfolgreich. Ersteres lief in den USA aber lediglich auf dem Pay-TV-Sender Showtime und „House of Cards“ ist eine reine Webserie, bereitgestellt vom Streaming-Anbieter Netflix. Sie bedienen damit letztlich einen Nischenmarkt, der sich nicht an die breite Masse richtet. Für Mainstream-Sender wie RTL, deren Geschäft nach wie vor auf einer hohen Reichweite basiert, wäre es mitunter schwierig auf solche Formate zu setzen – auch, weil sie damit in direkter Konkurrenz zu Streaming-Portalen stehen würden.

Episodische abgeschlossene Erzählungen wie „Dr. House“ oder „Law & Order“ wiederum verkörpern die Zapping-Mentalität des linearen TV: Sie bedienen dort, wo der Zuschauer ohne Agenda einschaltet, wo er sich berieseln lassen will, ohne Vorkenntnisse und ohne zu entscheiden, wie es Online nötig wäre. Und plant er das TV-Programm doch in seinen Tagesablauf ein, so ist es kein Beinbruch, wenn er mal eine oder mehrere Folgen verpasst. Obwohl die Formate also linear ausgestrahlt werden und den Zuschauer damit an bestimmte Zeiten binden – ein Argument, dass Online-Video-Anbieter gerne gegen das klassische Fernsehen verwenden – verleiht die Abgeschlossenheit einzelner Folgen dem Publikum eine gewisse Unabhängigkeit. Die ist auch für die Sender selbst von Vorteil, weil Episoden mehrfach und asynchron ausgestrahlt und Serien dadurch vielfach wiederverwertet werden können.

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