Anzeige

Dieter Hallervordens Facebook-Zoff mit dem Focus und seine geschmeidige Entschuldigung

wochenrueckblick1.jpg

Der Focus und Dieter Hallervorden lieferten sich eine kleine Facebook-Fehde. ExBamS-Vize Nicolas Fest ist neuer Poster-Boy der rechten Junge Freiheit und der Spiegel hat in Sachen Henri Nannen einen kapitalen Dok-Bock geschossen. All das in diesem MEEDIA-Wochenrückblick.

Anzeige
Anzeige

Es muss nicht immer eine Katastrophe wie der Absturz der Germanwings-Maschine sein, der die Empörten im Netz auf den Plan ruft. Manchmal reicht auch ein harmloses Porträt über einen Schauspieler in einer Zeitschrift. Vergangenen Samstag erschien im Focus ein Porträt über Dieter Hallervorden, der mit dem Til-Schweiger-Film „Honig im Kopf“ einen großen Kino-Erfolg feiern konnte. Auf seiner Facebook-Seite „warnte“ Hallervorden seine Fans vor dem Artikel. Er habe zu seinem „Entsetzen“ erfahren, „dass im Focus ein sogenanntes Interview mit mir erscheinen wird“. Die Zitate darin seien von ihm nie freigegeben worden. Hallervorden: „Die so viel gepriesene journalistische Sorgfaltspflicht wird wieder einmal mit Füßen getreten. (…) Meine ohnehin nicht übergroße Lust, mich Journalisten anzuvertrauen, hat einen deutlichen Dämpfer bekommen…..“

Ich erfahre zu meinem Entsetzen, dass im „FOCUS“ ein sogenanntes Interview mit mir erscheinen wird.Ich weise in aller…

Posted by Dieter Hallervorden on Samstag, 4. April 2015

Die Focus-Redaktion reagierte schnell und kommentierte das wütende Facebook-Posting Hallervordens mit dem Hinweis, dass bereits vor einem Monat Zitate mit der Bitte um Änderungswünsche an Hallervordens Management gegangen seien. Dreimal sei nachgefragt worden, aber es wurden keine Änderungswünsche mitgeteilt.

Trotzdem dauerte es nicht lange, bis sich die „Lügenpresse“-Rufer unter Hallervordens Facebook-Eintrag versammelten wie virtuelle Mistgabel- und Fackelträger. Mittlerweile ist das ein eingeübtes Ritual: Öffentlich werden via Social Media Vorwürfe gegen Medien und/oder Journalisten geäußert und los geht’s mit dem Bashing. Ob Vorwürfe tatsächlich berechtigt sind – egal. Am Ostermontag legte Hallervorden nochmal nach und veröffentlichte einen Screenshot des Focus-Kommentars auf sein erstes Posting inklusive seiner Antwort darauf, in der er den Focus des „Wortbruchs“ bezichtigte.

Kommentar des „Focus“ auf meinen Post und meine Antwort:

Posted by Dieter Hallervorden on Montag, 6. April 2015

Am Donnerstagabend dann ruderte Hallervorden auf Facebook zurück. Es habe sich „herausgestellt“, dass die Redaktion von Focus mehrfach eindringlich auf die bevorstehende Veröffentlichung hingewiesen und um eventuelle Änderungswünsche an den Zitaten gebeten habe, so Hallervorden. „Ich habe dem Focus und insbesondere dem Autor des Porträts, Tim Pröse, bitter Unrecht getan. Es tut mir besonders deshalb Leid, weil das erschienene Porträt das feinfühligste ist, das ich je über mich gelesen habe. Dazu ist es stilistisch so gut geraten, dass ich mich bei Herrn Pröse nur ganz herzlich bedanken kann“, so Hallervorden nun ganz geschmeidig. Er werde weiter Focus lesen. In den Kommentaren darunter wird Hallervorden großer Respekt für seine Entschuldigung bekundet. Die Vorwürfe gegen den Focus werden dagegen kaum noch erwähnt.

Anzeige

An alle! Ich gehöre zu den Menschen, die sich entschuldigen können. Deshalb muss und möchte ich in Sachen „FOCUS“ ganz…

Posted by Dieter Hallervorden on Donnerstag, 9. April 2015

Dass Dieter Hallervorden sich öffentlich entschuldigt hat, ist anständig. Aber wäre es nicht noch anständiger gewesen, wenn er vor seinen Facebook-Postings den direkten Kontakt zur Focus-Redaktion oder seinem Management gesucht hätte?

Nicolas Fest, früher mal stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, ist publizistisch endgültig am ganz rechten Rand angekommen. Bei der BamS war er wegen eines radikal-islamfeindlichen Kommentars negativ aufgefallen, seither betätigt er sich als Blogger mit viel Sympathie für Pegida-Gedöns. Die Rechts-Zeitung Junge Freiheit machte Fest jetzt zum Testimonial mit einem Spruch, der keinen Zweifel mehr an seiner Gesinnung lässt:

Bildschirmfoto 2015-04-10 um 14.37.20

Sprach-Papst und Journalisten-Schleifer Wolf Schneider hat die Spiegel-Titelstory zum Germanwings-Absturz offenbar super gefallen. Jedenfalls hat er der Redaktion einen begeisterten Leserbrief geschrieben in dem er wortreich gratulierte. Wäre da nur nicht dieser fiese Dok-Bock gewesen.

FullSizeRender

Henri Nannen mit „y“. Und das bei einer Wortmeldung von Mister Henri-Nannen-Schule himself. Und man kann es noch nicht mal auf die schludrigen Onliner schieben. Aua! In den Digital-Versionen wurde der peinliche Fehler korrigiert. Aber Print beweist auch hier seine bleibenden Qualitäten. Wenn der Spiegel Größe hat, könnte er den Lapsus in der neuen Ausgabe in den „Hohlspiegel“ reinnehmen, in dem sonst die Fehltritte anderer Redaktionen aufgespießt werden.

Schönes Wochenende!

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Will uns Herr Winterbauer andeuten, dass er nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht?

  2. Ich dachte immer, der rechte Rand sei etwas abgefahren-schlechtes.
    Zeigt sich jetzt, dass er nichts weiter als die bloße Vernunft und Logik ist?
    Ein klareres Bekenntnis zu einer wehrhaften Demokratie ist schwer zu denken.

    1. Ihre Denke ist mir total fremd.
      Ich habe also ihr Plazet, Schlichtingfeindlichkeit zur?
      Das wäre aus meiner Sicht das klarest denkbare Bekenntnis zu Vernunft und Logik. Und geradezu gesellschaftliche Pflicht.

  3. Ich davhte immer, der rechte sei etwas abgefahren-schlechten.
    Zeigt sich jetzt, dass er nichts weiter als die bloße Vernunft und Logik ist?
    Ein klareres Bekenntnis zu einer wehrhaften Demokratie ist schwer zu denken.

    1. Ich dachte immer, der rechte Rand sei etwas abgefahren-schlechtes.
      Zeigt sich jetzt, dass er nichts weiter als die bloße Vernunft und Logik ist?
      Ein klareres Bekenntnis zu einer wehrhaften Demokratie ist schwer zu denken.

  4. In den Hohlspiegel sollen aber nur – möglichst – irgendwie lustige Fehlleistungen, bei denen sich der Witz nicht ausschließlich Journalismus-Branchenkennern erschließt, daher passt es dort leider nicht hinein. Und das hat auch nichts mit „Größe“ zu tun: Es werden immer mal wieder, ein paarmal im Jahr, Hohlspiegel gedruckt, die aus dem Spiegel stammen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*