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„Ich darf das, weil ich Chefredakteur von Bild bin“- Kai Diekmann über Selbstinszenierung von Führungspersonen

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Ratschläge vom Medien-Experten an Business-Profis: In einem Interview mit der Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld rät Bild-Chefredakteur Kai Diekmann Top-Managern zu einem offensiven und kommunikativen Umgang mit den Medien. Seinem eigenen CEO empfiehlt er gleichsam eine gesunde Distanz zur Öffentlichkeit und warnt Unternehmer vor zu starker Selbstinszenierung.

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Das Interview ist Teil des im März erschienenen Buchs „Der CEO im Fokus – Lernen von den Besten für den richtigen Umgang mit der Öffentlichkeit“ von Ursula Weidenfeld und Jan Hiesserich und ist seit Mittwoch als Auszug auf dem Management-Blog von Claudia Tödtmann zu lesen.

Pflicht, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren

Diekmann rät Unternehmensführern darin, sich der Öffentlichkeit zu stellen und proaktiv mit den Medien zu kommunizieren: „Wenn ein neuer Chef an die Spitze der Deutschen Bank oder der Lufthansa tritt, wollen die Mitarbeiter, die Kunden wissen, wohin die Reise geht. Wofür steht der Neue, wohin führt er das Unternehmen? Mein Rat ist immer, sich diesen Fragen und Erwartungen einer Öffentlichkeit offensiv zu stellen.“

Denn von dem, was in Unternehmen passiert, seien letztlich viele Menschen betroffen. Konzerne müssten sich daher aktiv an gesellschaftlichen Diskussionen beteiligen, um Vertrauen zu schaffen. „Es gibt bestimmte Unternehmen, die haben ein besonderes Image. Das ist die Deutsche Bank, das ist die Deutsche Lufthansa. Die gehören doch gefühlt irgendwie uns allen. Dort hat man dann auch eine Pflicht, oder zumindest eine Verantwortung, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.“

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Das Problem sieht der Bild-Chefredakteur jedoch in der Unfähigkeit vieler Unternehmer, ihre Vorhaben überzeugend zu vermitteln. Statt dafür zu werben, wollten viele lieber „anordnen“. Entscheidend sei aber gerade die Art der Kommunikation. Als positives Beispiel führt er unter anderem Bahn-Chef Rüdiger Grube an: „Der ist in der Form, wie er kommuniziert, gut. Er ist ruhig, geht auf seine Gesprächspartner zu, sucht einen echten Austausch.“ Wirtschaftsführern allgemein rät Diekmann daher: „Kommuniziert doch! (…) Am besten, bevor es ernst wird.“

Ein CEO gehört nicht in jede Talkshow

Gleichzeitig mahnt der Öffentlichkeitsliebhaber aber auch vor einem Drang zur Selbstinszenierung. Ein CEO, so Diekmann gehöre nicht in jede Talkshow: „Talkrunden sind doch auch nur Inszenierungen, wo bestimmte Rollen festgelegt werden, wo nicht ernsthaft diskutiert wird. Es geht nicht um Lösungen, sondern um Darstellung. Ein CEO braucht aber nur begrenzt Darstellung.“ Stattdessen gehe es darum, seinen Mitarbeitern gegenüber ein klares Profil zu zeigen, damit diese ihm auch in Krisensituationen Vertrauen schenken. Während die Bild-Zeitung selbst meist großes Interesse an dem Privatleben von Managern zeigt, so empfiehlt Diekmann diesen eine gesunde Distanz zur Öffentlichkeit: „Ich kann nicht die Scheinwerfer der Öffentlichkeit anknipsen, wenn ich mich darin sonnen will, und ausknipsen, wenn ich was zu verbergen habe.“

Auch seinem eigenen CEO rät Diekmann, der selbst gerne die Bühne der Öffentlichkeit bespielt, von der Selbstdarstellung ab. Die eigene Inszenierung jedoch empfindet der Bild-Chef als legitim und angemessen: „Auch das gehört natürlich dazu, dass der Mann an der Spitze auch die Marke verkörpern muss, wenn er seine Arbeit erfolgreich und glaubwürdig tun will. (…) Ich darf das, weil ich Chefredakteur von Bild bin und weil das zur Marke gehört. So wie der RTL-Chef mehr darf als der Intendant des ZDF, darf ich mehr als ein Herausgeber der FAZ.“

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Alle Kommentare

  1. Ach so. Nunja, das ist sicher Geschmackssache, aber ich fand ja, dass Herr Blome die Marke BILD sehr viel besser repräsentiert hat.
    Ich war jedes Mal positiv überrascht.

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