Hunderttausende Klicks: „Anstalt“-Clip über Griechenland wird zum Viral-Hit

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Fernsehen Die aktuelle Folge der ZDF-Kabarett-Show "Die Anstalt" beschäftigt sich gewohnt spitzzüngig und intelligent mit dem Konflikt zwischen der Troika und Griechenland sowie mit den Problemen der Austeritätspolitik. Das Lachen bleibt dem Zuschauer dabei an vielen Stellen im Hals stecken. Ein besonders emotionaler Ausschnitt der Sendung wurde bei Facebook hochgeladen und schon knapp eine Millionen Mal angesehen.

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Die Troika (verkörpert von den beiden Kabarettisten Claus von Wagner und Max Uthoff sowie ihrem österreichischen Kollegen Klaus Eckel) besucht eine Wirtschaft in Griechenland und erinnert den Wirt (Serdar Somuncu) drastisch an die Regeln, die er aufgrund der Sparpolitik einzuhalten hat. Darüber hinaus zwingen sie ihn, die griechischen Gerichte auf seiner Speisekarte durch Maultäschle, Sauerkraut und Trollinger zu ersetzen. Auch soll der Name der Wirtschaft umbenannt werden: von Dionysos in Austeros – das sei griechisch für „schwierige Umstände“. Aber wer wolle denn schon in so einer Umgebung speisen und trinken, fragt der Wirt verzweifelt. Und wie soll er so jemals seine Schulden zurückzahlen können?

Die neue Ausgabe der Kabarett-Show „Die Anstalt“ setzt sich 50 Minuten lang mit der Griechenland-Problematik auseinander. Die Sendung sollte am vergangenen Dienstag ausgestrahlt werden, wurde aber aufgrund des Germanwings-Absturzes um eine Woche verschoben. Seit einigen Tagen ist sie in der Mediathek des ZDF und bei YouTube zu sehen.

Der Nachfolger von „Neues aus der Anstalt“ geht auch dieses Mal wieder gewohnt intelligent und mutig genau dorthin, wo es weh tut – und dennoch ist diese Folge etwas Besonderes: Wenn sich Uthoff und von Wagner gemeinsam mit ihren Gästen Serdar Somuncu, Klaus Eckel und Arnulf Rating mit Sketchen und Stand-up-Monologen daran abarbeiten, dass die Austeritätspolitik Griechenland nicht hilft und dabei Angela Merkel, Günter Jauch und natürlich die Bild-Zeitung („Wer Bild liest, um sich zu informieren, trinkt auch Schnaps, wenn er Durst hat“) auf die Schippe nehmen, zeigen sie nicht nur klug, wie komplex die Situation ist – sondern sorgen auch dafür, dass der ein oder andere Lacher im Hals stecken bleibt. Die Gesichter der Zuschauer im Studio zeigen: Das Publikum durchlebt offensichtlich ein emotionales Wechselspiel zwischen Belustigung, Rührung und Beschämung.

Höhepunkt der Folge bilden die letzten Minuten, in denen ein älterer Herr aus Griechenland den Kabarettisten einen Ouzo spendiert und erzählt, dass er einer der Überlebenden eines Überfalls der Wehrmacht in Griechenland sei. Eine Entschädigung der Deutschen dafür habe er nie gesehen. Die Sendung endet mit betretenem Schweigen.

Dieser Ausschnitt wurde mit griechischen Untertiteln auf der Facebook-Seite „Ich bin Grieche“ hochgeladen, über 900.000 Mal angesehen und über 35.000 Mal geteilt. Auch bei YouTube wurde der Clip mit dem Untertitel „Solidarische Grüße an unsere Freunde in Griechenland“ veröffentlicht und ebenfalls mehrere hunderttausend Mal geklickt.

Like &Share !German TV (ZDF) Τρόικα στην Ταβέρνα (greek subs)like us: Ich bin Grieche

Posted by Ich bin Grieche on Sonntag, 29. März 2015

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Alle Kommentare

  1. Ich hätte Priol gern zurück. Entsetzlich, diese hölzernen, völlig humorbefreiten Oberlehrer, die in der „Anstalt“ das Volk belehren.

    1. Offensichtlich hat ein Teil des Volkes solch hölzerne Belehrung nötig…

      13.000.000 Leser der Bild sprechen für sich. Es ist kein Vergnügen mit diesen zu sprechen und man muss es aushalten, dass man o-Ton die „Schlagzeilen“ ihrer Zeitung entgegengebrüllt bekommt (eigene Erfahrung).

      1. Vollkommen richtig und in Österreich ist die Krone (Bild im Kleinformat)das selbe Übel.

  2. Die beste „Anstalt“, die ich bisher gesehen habe. Schade, dass unsere Politiker sie nicht sehen wollen. Aber bei denen zählen nur die Banken, nicht die Menschen.

  3. Danke, die gradlinige Ironie schafft Vertrauen in das Konstrukt von Demokratie. Besonders junge Menschen werden ermutigt, sich Geschichte neu zu öffnen! Es ermutigt in der transkulturellen Zusammenarbeit.

  4. Comedy und Satire-Protagonisten als Nachfolger der Hofnarren, haben im Rahmen der heutigen Zwangsbespaßung schon einen kleinen Sympathiekredit
    und dürfen Missstandskritik auch ungestraft ein wenig übertreiben. Wenn die Fakten stimmen, dürfen auch unangenehme Tatsachen anprangert werden.
    Aber dass das öffentliche TV nun solche sozialistisch angehauchte Populisten mit unangemessenen Sendungsbewusstsein auch noch veröffentlicht, ist langsam unerträglich.

    Nicht mal die Tatsachen sind zutreffend. Nicht Deutschland, sondern Italien hat Griechenland überfallen. Einfach mal nachlesen. Hitler hat seinem Kriegspartner erst geholfen als englische und amerikanische Bomber von griechischen Flughäfen aus deutsche Stellungen bombardierten (Rumänien).

    Bevor 79% der Hilfsgelder an Griechenland nur für die Bankenrettung kritisiert werden, einfach mal nachdenken, wo die Ersparnisse der Griechen sich wohl befinden. Bankenrettung ist auch Rettung der griechischen Ersparnisse.

    Wo sind die 115 Millionen DM (rechnerisch 2 Milliarden €) vom 18. März 1960, die zweckbestimmt für griechische Opfer der NS-Herrschaft gezahlt wurden? Warum wurden die nicht an Destimo weitergereicht? Und dann stellt sich natürlich die Frage, wo die an Griechenland überwiesenen 300 Milliarden Euro (70 Milliarden allein aus Deutschland) aus der EU – Schatulle sind, samt bereits geschenkter 100 Milliarden (Schuldenschnitt). Unsere Kleinkünstler leiden wohl an selektiver Wahrnehmung.
    Warum haben die griechischen Regierungen (inkl Tsipras) nicht wenigsten einen Teil der Unsummen an Kriegsgeschädigte weitergereicht, statt sich im eigenen Edelpenthouse am Fuße der Akropolis hochglanzfotographieren zu lassen?

    Und dann ist es auch an der Zeit sich mal über den Umgang mit der Vergangenheit allgemeinverbindlich zu entscheiden. Sind Länder für unendliche Zeiten für die Missetaten ihrer verbrecherischen Ahnen verantwortlich, stellt sich die Frage, wieso Griechenland wegen der Perserkriege kein Geld an den Iran überweist. Oder ein wenig seriöser und näher für den Überfall auf die Türkei 1919, um ein Großgriechisches Reich (Megali Idea) zu gründen? Alles Vergangenheit? Gut dann aber auch bei Deutschland anwenden. Ich bin fast 70 Jahr alt. Meine steuerzahlende Generation hat weder ein Land überfallen noch Zivilisten umgebracht. Schuld ist nicht vererbbar!! Ich möchte endlich, dass meine Steuern in Deutschland verwendet werden. Armutsberichte gibt es auch in Deutschland.

  5. Sehr geehrter Herr Kurowski,

    sie fragen:
    „Warum haben die griechischen Regierungen (inkl Tsipras) nicht wenigsten einen Teil der Unsummen an Kriegsgeschädigte weitergereicht, statt sich im eigenen Edelpenthouse am Fuße der Akropolis hochglanzfotographieren zu lassen?“

    Könnte es sein, dass das Geld schon in den 60 Jahren zuvor aufgebraucht wurde, als man es an die jüdischen und nicht (!) die griechischen Opfer zu gezahlt hatte (Weil Griechen nunmal: -nicht-rassisch-begründete-Opfer der Kriegsführung waren – Juristendeutsch). [facepalm]

    Außerdem sehr schön, wie Sie die Bildzeitungskolumnen zitieren:
    „und sich Penthouse hochziehen…“
    Prof. Dr. Tsipras hat sein Geld nicht in der Politik verdient, sondern als international anerkannter Wirtschaftswissenschaftler, auch in den USA. Er gehört allerdings nicht Chicago-School an, die bis heute darauf wartet, dass auch nur eine einzige ihrer Prognosen zutrifft (z. Bsp. Wenn die Reichen reicher werden, fällt auch was für die Ärmeren ab! – selten so gelacht, schon mal in die USA geschaut).
    Das stört natürlich einige Quereinsteiger ins Fach des Finanzökonomen/ Finanzministers, und da man fachlich nicht rankommt (jenseits von FDP-Wahlsprüchen), wird arrogant von „Hausaufgaben“ getönt.
    Und der Deutsche weiß: Hausaufgaben macht man, wenn der deutsche Oberlehrer es sagt.

    Und natürlich ein Dieter Nuhr Zitat (wenn konservative versuchen intellektuell zu sein): „Perserkriege… = 2. WK in Griechenland“. Hier sei nur darauf hingewiesen, dass die Perser die Griechen überfallen haben und nicht umgedreht… Das kann man jetzt nicht wissen, wenn man sich nur nach dem Film richtet… Aber gerade, wenn man so kleinlich etwas kritisiert, was die Anstalt-Macher gar nicht gesagt haben, sollte man bei so etwas vielleicht korrekter sein. Für die Kriegsgräul waren im Übrigen SS und SD – nicht die Italiener zuständig.

    Beste Grüße von jemanden der viel jünger ist, als Sie es sind, die Bedenken der Griechen – jenseits alles dort ebenfalls betriebenen Populismus – verstehen kann.

  6. Satire soll durch Überspitzung Situationen , menschliches Verhalten etwas greller in ein Rampenlicht rücken und dort darstellen, Handlungen ins lächerliche ziehen und nach dem lachen zum Nachdenken anregen.

    Diese Satiresendung machte nun zu ihrem Ende sehr nachdenklich.

    Ich bin kein Freund der griechischen Reparationsforderungen und lehne diese auch in der seit kurzem vorgetragenen Form ab.

    Es ist gut dass dem deutschem Volk oft und permanent die Taten unserer Grossväter vorgehalten werden damit diese nicht in Vergessenheit geraten und solches nie wieder passiert. Dennoch erwarten wir aber von den Opfern der Taten unserer Grossväter Vergessen.

    Ich bin der Meinung dass es grundsätzlich richtig war das deutsche Volk nicht mehr mit Reparationsforderungen seit der Londoner Konferenz 1953 zu belasten. Wir sehen wohin dieses geführt hat dass wir nicht mit unübersehbaren Forderungen Millionen von Opfern, geschundenen Ländern und Völkern belastet wurden.

    Deutschland ist ein starkes, ökonomisch und politisch stabiles Land, ein sehr reiches Land geworden. Wir sind sehr stolz wie sich unser Land seit dem Ende des 2. Weltkrieges entwickelt hat und sind sehr überheblich geworden . Wir haben vergessen dass uns die geplünderten Völker, die Opfer damaliger Untaten die Hand gereicht haben, unseren Aufbau geduldet haben. Deutschland hat sich prächtig entwickelt, es hat sich wiedervereinigt, es hat mit einem Solidarfond die neuen Bundesländer wieder aufgebaut um das Leben im ‚Osten‘ dem ‚Westen‘ anzugleichen. Wir haben zusammengelegt und ernten seit langem die Früchte dessen. Und das freut uns Deutschen . Keinem europäischem Land geht es so gut wie uns.

    Ich lehne konkrete Reparationszahlungen auf den Groschen genau gerechnet ab. Dieses ist nicht praktikabel da es immer ungerecht sein wird und man immer unbekannte Opfer vergessen wird.

    Wir haben alles gut und solide erledigt in unserem Land. Nun sollen sich andere mit uns freuen. ich würde nach 25 Jahren Solidaritätsaufschlag nun sagen dass dieser vielleicht als Reparationsfond umgenutzt werden sollte. Noch lebende Opfer halbwegs gerecht daraus mit einer Rente entschädigt werden, ein Aufbaufond geschaffen wird der nicht den Banken Ihre Kredite an Staaten wie Griechenland absichert oder rückzahlt sondern den Binnenmärkten oder einem Sozialsystem zugute kommt. Wie wäre es denn wenn Anstatt einer Reparationszahlung an Griechenland eine Verbesserung im Sozialsystem unterstützt wird? Wenn eine Sozialversicherung eine geregelte Absicherung in Griechenland ähnlich Hartz IV schafft, die Leute ihre Grundbedürfnisse abgesichert bekommen, Miete, Strom, Kleidung, Essen?
    Das stärkt doch die Binnenkonjunktur, hilft den Leuten aus dem Elend und wieder auf die Beine. Uns täte es nicht weh wenn der Soli woanders hingeht, es täte es uns auch nicht sehr weh wenn die Mehrwertsteuer um 1% steigt und wir einfach einen kleinen Anteil unserer Wirtschaftskraft anstatt Reparation sinnvoll abgeben.

    Mir tut es sehr weh dass wir unsere Schuld vergessen, neue Schuld aufgebaut haben um bloß nicht das Reparationsproblem nackt und unbezahlbar auf dem Tisch zu sehen- aber nicht auf eine andere sinnvolle Idee kommen die für uns finanzierbar und umsetzbar wäre.

    Der kleine griechische junge hat mich sehr aufgerüttelt

    1. Eine angemessene Annäherung an das Thema, Herr Schomburg
      Allerdings : „Keinem europäischem Land geht es so gut wie uns“
      wird uns eingeredet, um uns weiter zu plündern. Richtig ist, wir haben einen hohen Außenhandelsüberschuss, der von der Arbeit eines Volkes abhängt. Wieviel Geld beim Volk hängen bleibt, ist was völlig anderes.
      Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte beläuft sich auf rund 51.400 Euro netto – und liegt damit weit unter dem in Griechenland (101.900 Euro), Frankreich (113.500 Euro), Spanien (182.700 Euro) oder Zypern (266.900 Euro), Luxemburg 366 000 €

  7. Endlich mal ein anderer Einblick in den Vorgang. Jan Bömermann hat beim ZDF wohl einige wachgerüttelt. Das hätte ich dem OMA Sender ZDF nicht erwartet..

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