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Frustrierte Jugendliche und ein hilfloser Kommissar: Der neue Kiel-Tatort im MEEDIA-Check

ARD/NDR Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden
© NDR/Christine Schroeder
ARD/NDR Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden © NDR/Christine Schroeder

In dem neuen Kieler Tatort "Borowski und die Kinder von Gaarden" ermitteln Klaus Borowksi und Sarah Brandt in einem Umfeld aus Armut und Gleichgültigkeit: Ein vorbestrafter Pädophiler wird erschlagen aufgefunden. Trotz des brisanten Themas kommt keine wirkliche Spannung auf. Das ändert sich jedoch kurz vor Ende des Films mit einem Paukenschlag.

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Die Story
In dem Kieler Brennpunktbezirk Gaarden wird der 60-jährige Onno Steinhaus erschlagen aufgefunden. Außer einer Gruppe Kinder scheint niemand Kontakt zu dem verwahrlosten Mann gehabt zu haben. Steinhaus war vorbestraft wegen Pädophilie, den Nachbarn scheint es jedoch egal gewesen zu sein, dass bei ihm ständig Kinder ein und aus gingen und wilde Partys feierten. Der für den Bezirk zuständige Polizeibeamte Torsten Rausch hat angesichts der sozialen Verwahrlosung des Viertels längst kapituliert. Brandts Ermittlungen fördern ein Video zu Tage, das den Jungen Timo Scholz in einer verfänglichen Situation mit Onno Steinhaus zeigt und außerdem eine Szene, in der Steinhaus von den Kindern getreten und verlacht wird. Wurde Steinhaus Opfer gewalttätiger Jugendlicher?

Die Story hinter der Story
„Borowski und die Kinder von Gaarden“ zeigt die Tristesse im Kieler Stadtteil Gaarden: Hier leben 58,4 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in einkommensarmen Familien. Der Kieler „Tatort“ zeigt immer wieder graue Bilder der grauen Häuser und Plätze und schafft es so, die Hoffnungslosigkeit und den Frust der Jugendlichen eindringlich zu verdeutlichen: Sie wollen raus aus Gaarden, wissen aber nicht, wie und wohin. Diese trübe Stimmung überträgt sich schnell auf Klaus Borowski, der mit zunehmender Hilflosigkeit versucht, die teilnahmslose Nachbarschaft zu durchdringen.

Was taugt das Drehbuch?
Die Drehbuchatoren Eva Zahn und Volker A. Zahn haben sich für den „Tatort“ von einem realen Fall inspirieren lassen: In einem Berliner Problembezirk haben sich vor ein paar Jahren Kinder und Jugendliche täglich in der Wohnung eines vorbestraften Pädophilen getroffen, Pornos geguckt, Alkohol getrunken, abgehangen und rumgealbert. Keiner der Jungs hatte Angst vor dem Mann, bis er sich irgendwann an dem stillsten und sensibelsten Teenager vergangen hat. Die Geschichte hat viel Potenzial – was leider nicht erschöpft wird. Der Einblick in den Problembereich ist gelungen, doch Borowksi als Moralapostel nervt („Das machen Mütter normalerweise so“) und der Spannungsfunken will und will nicht überspringen. Die Handlung ist schleppend und die Dialoge konstruiert („Die Keksdose fehlt. Oh, die Keksdose. Da war wahrscheinlich etwas drin, was den Täter verraten könnte.“). Zum Glück wird das Ruder in den letzten fünf Minuten noch einmal herumgerissen und der „Tatort“ endet mit einer schmerzhaften Auflösung, die den Zuschauer völlig überrumpelt zurücklässt: Rettung in letzter Minute.

Sind die Ermittler in Form
Sibel Kekili und Axel Milberg ermitteln als Sarah Brandt und Klaus Borowski in diesem Fall nebeneinander her. Beide verfolgen ihre eigene Spur und treffen erst am Ende zusammen.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Sowohl Sibel Kekili als auch Tom Wlaschiha (spielt in „Borowksi und die Kinder von Gaarden“ den Polizisten Thorsten Rausch) sind Darsteller der US-Erfolgsserie „Game of Thrones“. Kekili verkörpert hier Shae, die Geliebte von Tyrion Lannister, und Wlaschiha spielt Ayra Starks Auftragskiller.

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Der Satz zum Mitreden
„Ein Kinderschänder mit Erwachsenenpornos?“
Die Benutzung des Wortes „Kinderschänder“ ist umstritten, weil er laut Linguisten impliziert, dass ein Kind mit Schande bedeckt werde.

Eher peinlich
Klaus Borowksi betritt die offensichtlich durchsuchte Wohnung und sagt: „Hier hat jemand was gesucht.“

Fazit
Zum Glück gibt es die letzten Minuten!

Einschaltempfehlung auf einer Skale von 1 bis 10
7

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