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Qualitätskontrolle durch die Crowd? So funktioniert „Blasting News Deutschland“

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Die Plattform "Blasting News Deutschland" will allen Bürgern eine Stimme geben: Publizieren kann hier demnach jeder, ein festes Redaktionsteam gibt es nicht – und die Qualitätskontrolle erfolgt durch Crowdsourcing und einen Algorithmus. Dass es sich hier um Bürgerjournalismus handelt und wofür die Autoren stehen, ist auf den ersten Blick jedoch nur schwer erkennbar.

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Als Student wollte Andrea Manfredi Journalist werden und arbeitete als Reporter für die italienische Zeitung La Nazione. Dabei empfand er die italienische Medienlandschaft als weitaus undemokratischer als er ursprünglich gedacht hatte – und wandte sich zunächst vom Journalismus ab, bis er mit Blasting News die Möglichkeit sah, einen alternativen Weg im Journalismus einzuschlagen.

2013 gründete er die journalistische Crowdsourcing-Plattform Blasting News und verfolgt damit einen ehrgeizigen Plan: „Wir wollen die Medienlandschaft nachhaltig verändern“, heißt es auf der Webseite des Portals. Jeder Mensch soll hier als sogenannter Blaster die Möglichkeit haben zu publizieren – und zwar ganz ohne eine Redaktion im Rücken. Mehr als 200 Blaster würden bereits für Blasting News schreiben und die Webseite weltweit mehr als 12 Mio. Unique User pro Monat haben, verkünden die Verantwortlichen stolz. Seit der Gründung sei das Unternehmen stetig gewachsen und mittlerweile in 33 Ländern aktiv.

Redaktionsrichtlinien müssen eingehalten werden

Die Hürde zur Publikation ist bei Blasting News tatsächlich gering: Mit einem Klick ist via Facebook-Login ein Profil erstellt und der Nutzer kann auswählen, ob er einen Artikel schreiben, eine Audio-Nachricht hochladen oder eine Fotogalerie erstellen möchte. Demnächst soll auch die Produktion von Videos unterstützt werden. „Das einzige Kriterium ist, dass die Artikel einmalig sind und den allgemeinen Richtlinien entsprechen“, erklärt Andrea Manfredi im Gespräch mit MEEDIA. Diese „allgemeinen Richtlinien“ muss der Nutzer akzeptieren, bevor er veröffentlichen darf. Sie sind allerdings auf Englisch formuliert und nach dem ersten Zustimmen schwer wiederzufinden, da sie ganz unten auf der Seite „versteckt“ sind.

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Die Inhalte auf der Seite sind unterteilt in die Kategorien Politik, Wirtschaft, Sport, Lifestyle, Mode, Wohnen, Gesundheit und Entertainment. Außerdem gibt es die „News aus aller Welt“, in der auf weltweite Blasting-Seiten verlinkt wird.

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Für die Autoren gibt es verschiedene Stufen der Mitarbeit: Die Junior Blaster schreiben eigenständig Artikel und reichen diese zur Veröffentlichung ein. Diese werden dann von den Senior Blastern geprüft. Die Senior Blaster können somit nicht nur Artikel schreiben und diese eigenständig veröffentlichen, sie geben auch die Arbeit der anderen Blaster frei. „Dadurch nehmen die Senior Blaster eine Schlüsselrolle in unserem Modell ein, da diese maßgeblich für die Qualitätskontrolle auf der Seite verantwortlich sind“, so Manfredi. Außerdem werde diese Kontrolle durch einen Algorithmus unterstützt.

Keine Redaktion, kein Chef

Blasting News basiert auf den Prinzipien des Crowdsourcing, es gibt weder ein festes Redaktionsteam noch einen Chefredakteur. Trotzdem bekommen zumindest Junior Blaster ein Feedback von den Senior Blastern mit eventuellen Verbesserungsvorschlägen. „Zudem sind wir momentan auf der Suche nach Certified Blastern“, sagt Manfredi. „Das werden erfahrene Journalisten sein, die auf unserer Homepage den täglichen Aufmacher verfassen. In dem Aufmacher-Package, bestehend aus Text-, Foto-, und Videoinhalten, werden dabei tagesaktuelle Themen behandelt.“

Bis zu 150 Euro sollen die Autoren pro veröffentlichtem Artikel verdienen. Zumindest locken die Verantwortlichen so ihre Autoren. Die Vergütung wird jedoch anhand der Klicks gemessen: „Blasting News funktioniert nach dem Leistungsprinzip“, so Manfredi. „Dementsprechend ist der Verdienst in sehr starkem Maße abhängig von dem Blaster selbst und besteht im Wesentlichen aus zwei Faktoren: 1. Der Anzahl der veröffentlichten Artikel und 2. Die erreichten Klickzahlen.“ Darüber hinaus würden die Senior Blaster zusätzliche eine Vergütung für alle korrigierten Artikel erhalten und hätten darüber hinaus die Möglichkeit, Live-Reporter zu werden. Einige Blaster sollen so tatsächlich schon ihren Lebensunterhalt bestreiten können, sagt Manfredi gegenüber MEEDIA.

Blasting News zählt in Deutschland bisher circa 2.000 registrierte Blaster. Andrea Manfredi ist zufrieden: „Unter Anbetracht der Tatsache, dass wir erst Anfang Januar in den deutschen Markt eingetreten sind, ist das ein sehr gutes Ergebnis.“

Dass prinzipiell jeder publizieren kann und Blasting News so allen Menschen eine Stimme geben will, ist zunächst natürlich ein interessanter Ansatz. Allerdings macht sich das Fehlen eines festen Redaktionsteams beziehungsweise eines Chefredakteurs vor allem in deutlichen Qualitätsunterschieden bei den einzelnen Beiträgen bemerkbar. Darüber hinaus überwiegen Entertainment-Themen, was bei einer Bezahlung über Klicks letztendlich auch nicht verwunderlich ist. Das größte Problem ist allerdings: Die Leser erkennen nicht auf den ersten Blick , dass es sich bei Blasting News um keine Nachrichtenseite mit festen journalistischen Regeln handelt, sondern um Bürgerjournalismus – der in den meisten Fällen mehr Hobby als Profession sein dürfte.

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Alle Kommentare

  1. Ich bin mir gar nicht sicher, ob nicht so manche online-Ausgabe von Magazinen in Deutschland ähnlich funktioniert, wenn ich mir deren abnehmende Qualität anschaue. Letztendlich geht es immer nur darum, Clicks zu bekommen, um Werbung verkaufen zu können.

  2. Leider haben die Artikel dort wenig mit Journalismus zu tun. Und weil es nur nach Klicks geht, fehlen gut recherchierte Artikel völlig. Der Ausdruck ist oft katastrophal. Die Inhalte im Entwertainmentbereich sind nahezu alle von Promi-Klatschseiten kopiert und nur etwas umgestellt, damit es nicht so auffällt. Erinnert an Bravo für etwas Ältere. Hier verdient nur der Seitenbetreiber, denn die Schreiberlinge machen fast alles selber.

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