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„Himmel und Hölle Preis“ der Freischreiber: Gruner + Jahr, taz und Zeit Online für die Hölle nominiert

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Wer ist der fairste Auftraggeber für freie Journalisten – und wer der fieseste? Auch in diesem Jahr vergibt Freischreiber, der Berufsverband freier Journalisten, wieder den "Himmel und Hölle Preis" an deutsche Redaktionen. In der Kategorie "Hölle" sind unter anderem Gruner + Jahr, die taz und Zeit Online nominiert.

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Welcher Auftraggeber bezahlt Rechnungen erst nach Ewigkeiten? Wer ignoriert Themenvorschläge? Und wer zeichnet sich hingegen durch faire Bezahlung und einen respektvollen Umgang aus? Der Berufsverband Freischreiber setzt sich für die Wertschätzung freier Journalisten und ihrer Arbeit ein – und vergibt auch in diesem Jahr wieder den „Himmel und Hölle Preis“ an deutsche Redaktionen: Freie Journalisten können ihre Auftraggeber bewerten und entweder für den Himmel oder die Hölle nominieren. Eine Jury, bestehend aus der freien Journalistin Julia Friedrichs, den Medienwissenschaftlern Volker Lilienthal und Michael Haller sowie zwei Vorstandsmitgliedern, kürt aus den Vorschlägen den Himmel- und den Hölle-Kandidaten.

Um den „Himmel“ kämpfen in diesem Jahr Eltern, das Manager Magazin, Free Men’s World, Reportagen und WDR 5 Leonardo. Als unfairste Auftraggeber sind in der Kategorie „Hölle“ die Badische und Aargauer Zeitung, Gruner + Jahr, die taz und Zeit Online nominiert. Die Preisverleihung findet am 28. März 2015 statt.

Zur Negativ-Nominierung eines ganzen Verlages im Fall Gruner + Jahr erklärt der Verband auf seiner Webseite: „Wie wenig Wertschätzung Gruner tatsächlich seinen Freien entgegenbringt, kann man etwa bei der Zahlungsmoral des Verlages sehen. Schon seit Jahren zahlt der Verlag nur selten innerhalb der üblichen Zahlungsfristen, sondern oft erst nach Wochen. Manchmal kann sich das Begleichen der Rechnung auch über mehrere Monate hinziehen. Beim Verlag erhält man auf Nachfrage die Auskunft, die ausgelagerte Buchhaltung sei überfordert. Solche Auskünfte lassen Schlimmes ahnen für die künftige Zusammenarbeit mit dem House of Content.“ Von der taz fordert Freischreiber ein Umdenken bei Spesen und Honoraren und der Grund für die Nominierung von Zeit Online sei, dass der Chefredakteur Jochen Wegner Anfang 2014 die Zusammenarbeit mit einem freien Russlandkorrespondenten öffentlich über Twitter beendet hat, „so dass auf einmal die ganze Branche dabei zusehen konnte“.

Jochen Wegner reagierte via Twitter auf die Negativ-Nominierung:

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Die Chefredaktion der Zeit hatte zuletzt neun von zehn Punkten des „Code of Fairness“ der Freischreiber unterzeichnet. „Damit bekennt sich die Wochenzeitung als erste große Redaktion zu verbindlichen, wiewohl juristisch nicht einklagbaren Kriterien für einen fairen Zusammenarbeit mit freien Autoren“, verkündete der Verband am Mittwoch. Der Code soll die Zusammenarbeit zwischen festen Redakteuren und freien Autoren regeln und umfasst journalistische Grundsätze, faire Honorierung, Zahlungstermine und den transparenten Umgang mit Themenideen. Die Vereinbarung gilt jedoch nur für die Printausgabe. Zuvor hatten bereits die Krautreporter den „Code of Fairness“ unterschrieben.

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Alle Kommentare

  1. Mit viel Verspätung lese ich hier den Artikel. Ich schreibe seit vielen Jahren als Freie für drei verschiedene Magazine von Gruner+Jahr. Über Jahr liefere ich 12-16 Beiträge. Ich generiere dort etwa 50% meines Jahreseinkommens. Vor meiner Zeit als Freischreiberin war ich sehr lange bei Gruner „fest-frei“ beschäftigt. Ich saß also 20 Tage/Monat dort wie eine Angestellte, habe aber Tagessätze abgerechnet und war selber für meine Versicherungen zuständig. Kurzum: Ich kenne die Zahlungskultur von G+J seit mehr als einem Jahrzehnt.

    Die normale Wartezeit zwischen Absenden der Rechnung (heutzutage per Mail) und Eintreffen des Geldes auf meinem Konto beträgt etwas über 4 Wochen. Es waren auch schon mal 7 Wochen, aber auch schon mal 3 Wochen. Unter den großen Hamburger Verlagen ist Gruner in Sachen Bezahlung meiner Erfahrung nach der langsamste Arbeitgeber. Und um das Gesamtbild komplett zu machen: Die Tagessätze in meinem Themenbereich liegen bei G+J momentan 10% über denen der anderen Verlagshäuser, jedoch etwa 30% unter dem, was ich noch 2010 pro Tag verdient habe.

  2. Ist „Psychologie heute“ vielleicht auch in der Hölle-Kategorie? Auch dort werden Themenvorschläge inzwischen ignoriert

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