BZ-Chefredakteur zum Germanwings-Absturz: „Nur Emotionalität kann eine solche Katastrophe vermitteln“

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Während am gestrigen Mittwoch die Kanzlerin noch die Absturzstelle besuchte, lief hierzulande schon die erste Welle der Meta-Diskussion, wie Medien eigentlich über die Katastrophe berichten sollten. Der Presserat und der DJV hatten bereits gemahnt. B.Z.-Chefredakteur Peter Huth ist der Meinung, dass die Medien-Diskussion "zur Unzeit kommt, weil es jetzt eigentlich erst einmal um die Tragödie selbst und nicht um Manöverkritik geht.“

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Der Blattmacher hält die Debatte, ob man grundsätzlich Angehörige der Opfer des verunglückten Germanwings-Fluges zeigen darf, für „nicht zielführend und realitätsfern“. Wenn Journalismus seiner Aufgabe nachkommen soll, die Dinge, so wie sie sind, zu zeigen und zu erklären, brauche es einfach Emotionen. Und diese würden nun mal über Menschen transportiert. „Nur über Emotionalität kann man eine solche Katastrophe vermitteln. Wenn ein Medium nur Pressemitteilungen drucken würde, wäre es dem Leser unmöglich, eine solche Tragödie zu verstehen.“, erklärt Huth gegenüber MEEDIA.

Schließlich sei es „unsere Aufgabe, die Wirklichkeit abzubilden, und die ist leider nicht immer nur schön.“

Tatsächlich ist es interessant, dass bereits 24 Stunden nach der Katastrophe sich sowohl der Presserat als auch der Deutsche Journalistenverband gezwungen sahen, Erklärungen abzugeben, in denen auf den besonderen Schutz von Opfern und deren Angehörigen hingewiesen wird.

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Die aktuellen Titelseiten von Bild, Hamburger Morgenpost, der tz und der B.Z.

Nach Einschätzung von Huth ist das Social Web mitverantwortlich für die „übertrieben hitzige Diskussion“. „Wenn das Internet schon vor 14 Jahren derart omnipräsent gewesen wäre, wäre es bei 9/11 unmöglich gewesen, die ikonographischen Bilder von Feuerwehrmännern, Überlebenden und Angehörigen zu drucken. Dabei sind es gerade diese Fotos, die sich in das kollektive Gedächtnis gebrannt haben und uns dabei geholfen haben, das Leid und das Ausmaß der Katastrophe zu verstehen. Sonst berichten wir am Ende nur über Gebäude und Maschinen“.

In den Zeiten vor dem Internet wäre eine ähnliche Empörung noch undenkbar gewesen. „Zum einen, weil den Menschen die Plattform fehlte, aber auch, weil das Web für einen Schneeballeffekt sorgt. Wut und Empörung teilt und streut sich heute in einer rasenden Geschwindigkeit.“ Zusammenfassend merkt Huth an: „Wir hatten noch nie den Fall, dass die Presse nur für die Ausübung ihrer Tätigkeit derart scharf kritisiert und vehement angegriffen wird.“

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Alle Kommentare

  1. Hoffentlich komme ich niemals in die Gelegenheit, von solchen Schmierern wie Ihnen – Herr Huth – zu einem solch tragischen Ereignis befragt zu werden. Meine Antwort würde handgreiflich und schmerzhaft. Sie und Ihre Schmierer von der BILD beklagen heuchelnd-wiederlich den Werteverfall in der Gesellschaft und die Verrohung – und betreiben sie selber um Ihre und die Sensationsgeilheit des Mobs zu befriedigen. Zum Erbrechen.

  2. Ich halte es für einen schlechten Witz, wenn Huth meint, solch eine Katastrophe könne man nur über Emotionalität vermitteln. Für wie dumm und gefühllos hält er eigentlich seine Leser? Derzeit werden (manche) Medien nicht „für die Ausübung ihrer Tätigkeit“ kritisiert, sondern wie das passiert. Die Angehörigen der Opfer jetzt nicht auf die Pelle zu rücken, geböte allein schon der menschliche Anstand. Es ist traurig, dass Presserat und DJV dazu aufrufen müssen.

    Und dem journalistischem Kerngeschäft, der Information, täte es wirklich gut, wenn manche mal einfach die Klappe halten würden, statt – wie in den letzten Tagen geschehen – in der zigsten Liveschalte zu erklären, dass man noch nichts Genaues weiß und dass sich Spekulationen zum derzeitigen Zeitpunkt verbieten. Um dann gleich anschließend genau das zu tun. Mit solchem Overkill an Faktenlosigkeiten stellt sich Journalismus bloß.

  3. Einfach nur zynisch. JETZT ist also nicht die Zeit für Manöverkritik? Also düfen JETZT hemmungslos Witwen geschüttelt, Minderjährige belästigt und eine ganze Stadt in ihrer Trauer gestört werden? Und später, wenn längst die nächste Sau durchs Boulevard-Dorf gejagt wird, lädt Herr Huth zur großen Germanwings-Konferenz und gelobt Besserung? Wie lächerlich ist das denn?

  4. Ich finde die Reporter / Medien / Presse hat sehr viel dazu gelernt und zeigt hier schon einen Respekt und Anstand gegenüber den Trauernden usw. Alle meinen die Medien zu kritisieren , hängen aber wie gebannt an den Berichterstattungen . Es sind auch nicht die Reporter die bei einem Unfall langsam vorbeifahren um ja alles zu sehen – statt zu helfen. Auch schaffen es Medien Mitarbeiter FREI und ohne vom Blatt abzulesen – ihre Betroffenheit zu äußern – wo gegen unsere Politiker – auch an höchster Stelle – ihre Trauerbekundungen – vom Blatt ablesen – was wohl alles andere als Glaubwürdig und echt ankommt. Herr Gauck und 2 Damen aus der Politik kamen mir persönlich bisher als WIRKLICH betroffen vor – der Rest unserer Politiker und Landervertreter fand ich beschämend. Sie hätten sich besser ganz zurück gehalten. Reporter sollen sich fernhalten von den Trauernden – und was machen die Politiker. Wer von diesen Herrschaften hat den nötigen Abstand gehalten ?! – diejenigen die ihre Trauer vom Blatt ablesen – wollen anderen Trost spenden ? Das jeder sich Aufklärung wünscht über diese Tragödie ist gut – zeigt das es uns nicht egal ist – dazu brauchen wir auch die Medien – aber nicht Politiker die sich ins Rampenlicht stellen. Die Trauenden brauchen provessionelle Hilfe und kein Schaulaufen.

  5. Dass Peter Huth zwischen Emotionalität und dem Abdrucken von Pressemitteilungen keinen Spielraum sieht, erklärt sich aus seiner Biographie. Der Mann hat doch außer Boulevard nie was anderes gemacht.

  6. Man sollte Opfer oder Angehörige zeigen dürfen, ja.
    Aber muss man Leuten, die gerade von einem grausamen Schicksal erfahren haben, mit nem Objektiv vor der Nase rumfuchteln und das Produkt direkt auf die Titelseiten knallen? Man sieht auf zahlreichen Fotos, dass diese Menschen das nicht wollen. Sie ziehen ihre Kapuzen vors Gesicht. Sie verdecken ihre Gesichter mit den Händen. Sie starren zu Boden. Vermutlich gibt es noch viel mehr Fotos, die eine noch viel größere Abwehr-Reaktion zeigen. Die werden von Fotografen aber gelöscht oder werden nicht veröffentlicht.
    Es geht um das WIE, nicht um das OB!

  7. Huth-Bullshit :

    Solange die Presse ihre Tätigkeit ANSTÄNDIG ausübt, wird sie
    auch nicht angegriffen.

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