„Übelster Kampagnenjournalismus“: NZZ am Sonntag fordert Aus für „Günther Jauch“

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Fernsehen Das aus dem Zusammenhang gerissene Stinkefinger-Video von Yanis Varoufakis in der ARD-Talkshow von Günther Jauch brachte dem Moderator und seiner Redaktion viel Kritik ein. Die NZZ am Sonntag fordert von der ARD nun sogar Jauchs Entlassung. Dessen "Kampagnenjournalismus" würde das Verhältnis zwischen Berlin und Athen zusätzlich belasten.

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Vor einer Woche war der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis in der ARD-Talkshow von Günther Jauch zu Gast. In der Sendung zeigte die Redaktion ein Video aus dem Jahr 2013, in dem Varoufakis den Deutschen den Mittelfinger zeigt. Dazu sagt er, er sei dafür gewesen, Griechenland pleite gehen zu lassen; damit hätte man Deutschland den Finger gezeigt und gesagt, nun könnt ihr das Problem selbst lösen. Obwohl Varoufakis zu diesem Zeitpunkt noch nicht Finanzminister war, entstand durch den kurzen Ausschnitt in Kombination mit einem Off-Kommentar der Eindruck, er habe über die aktuelle Situation geredet.

Für Günther Jauch und seine Redaktion hagelte es dafür ordentlich Kritik. Die FAZ schrieb zum Beispiel über eine „böswillige Verkürzung eines Themas auf ein Bild“ und stellte fest: „Dass Varoufakis‘ Finger echt ist, macht ihn nicht weniger falsch“.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) fordert nun Konsequenzen: Die ARD solle Jauch entlassen. Varoufakis‘ obszöne Geste reflektiere nicht seine Meinung über Deutschland und das könne jeder nachvollziehen, der sich im Internet die komplette Aufnahme (von 2013, bevor Janis Varoufakis griechischer Finanzminister wurde) ansieht, heißt es in der Sonntagsausgabe der Zeitung. Und weiter: „Auch Starjournalist Jauch hätte das tun können und müssen. Sein Beitrag ist darum kein Coup, sondern übelster Kampagnenjournalismus, der das verkorkste Verhältnis zwischen Berlin und Athen zusätzlich belastet. Die ARD sollte darum Jauch vor die Tür setzen, weil er gegen fundamentale journalistische Standards verstoßen hat. Nebenbei würde das helfen, die deutsch-griechischen Beziehungen zu verbessern.“

Mit Material von dpa.

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Alle Kommentare

  1. Für einen wirklichen „Kampagnenjournalismus“ halte ich offen gestanden Jauch eine ganze Ecke für zu gutherzig und moderat. Das Desaster beruht mE auf einem viel gewohnheitsmäßigeren Motiv – „Quotenjournalismus“. Die Verfehlung war nicht Kampagne, sondern der Routine geschuldet.
    Wirklich zu diskutieren und in meinen Augen skandalös ist, dass Jauch im Grunde Privatfernsehen im Mantel des Öffentlichen-Rechtlichen-Rundfunks betreibt und betreiben darf. Typsich dafür ist das Primat der Quote, der tiefer und tiefer geschleusten inhaltlichen Ansprüche, der Vorherrschaft der Bebilderung vor den Sachlagen, der Emotion vor der vernünftigen Klärung, der Verkürzung vor der Vertiefung etc. Die Legitimation der Gebührenfinanzierung beruht gerade im Bereich der politischen Information darauf, solchen Informationsstrategien etwas entgegenzusetzen. Trotzdem knicken immer mehr ganz oben in der ARD vor dem Quotenjournalismus ein, weil seit dem Triumphzug des Privat-TV sich die ARD glaubt, sich auch über Zuschauerzahlen Sympathien erhalten zu müssen. Von mir aus, vielleicht ist das so. Aber die Quotenfängerei darf doch auf keinen Fall im Bereich von politischen Informationssendungen dominant werden.
    Wenn Jauch das nicht selbst begreift (schafft er vermutlich nicht, weil er sein eigener geistiger Horizont auch etwas niedrigschwellig zu sein scheint), dann sollte man ihm tatsächlich trotz seiner „eigentlichen“ Gutherzigkeit den Sendeplatz entziehen. Er und seine Redaktion wären dann schlicht überfordert. Außerdem sollte die ARD politische Sendungen prinzipiell nicht so wie irgendwelche Entertainment-Shows extern produzieren lassen. Ich glaube, die Gründe, die dagegen sprechen, sind hier mal wieder evident geworden.

  2. Vermutlich wird sich Günther Jauch beim „Stinkefinger-Skandal ähnlich rechtfertigen wie damals als Chef von „Stern TV“ beim „Born-Skandal“. Jauch hatte ein Dutzend gefälschter TV-Dokumentationen seines Autors Michael Born nicht entdeckt und sie – angeblich unkontrolliert – in Stern-TV senden lassen.. Wikipedia: „Der damalige Chefredakteur von stern TV, der ausgebildete Journalist Günther Jauch, verteidigte sich bei seiner Vernehmung gegen den Vorwurf mangelnder Sorgfalt mit der Begründung, er habe nie im Schneideraum gearbeitet.“
    Stinkefinger – schon damals!

    1. Ausgezeichnet bemerkt, Herr Kurz, manchmal ist ein gutes Gedächtnis nützlich. Auch ich habe mich schon damals über diesen Showmaster geärgert.

  3. Ein minderbegabter Rateonkel und Journalistendarsteller, der bereits als Stern-TV-Chefredakteur seine Inkompetenz bis zur Kotzgrenze medial zelebrierte. (siehe Kommentar Herr Kurz) Für die ARD der Quotenbringer, selbst wenn er stundenlang und zur besten Sendezeit mit zwei schwulen Parkuhren über deren Wetterfühligkeit plaudert. Für die Deutschen der nächste Bundespräsident. Für Frauen mit schwer erziehbaren Töchtern der ideale Schwiegersohn. Und fürs Finanzamt ein Goldesel. Die Millionen (Euro und Fans) seien ihm von Herzen vergönnt. Aber der gemeine Bürger meint: Eigentlich höchste Zeit für die Rente

  4. Der „Übelste Kampagnenjournalist“ ist doch letztlich „nur“ eine Auftragskomposition der Groben Koalition und somit auch nur eine Galionsfigur der „Leid“-Medien.
    Er macht doch nur das, was er soll und ist dabei noch- na ja fast- everybodys Darling (siehe Sylvio Verfuert).
    Originell und auch nur da ansehbar ist er eigentlich in Switch reloaded 🙂
    Noch besser aber die Jauch- Imitation von Jan Böhmermann:
    Ein Blick sagt mehr als tausend Worte…

  5. Mit Jauch sollte auch gleich die ganze Redaktion gehen. immerhin verdächtig ist, dass Jauch ein notorischer Nullchecker ist, was seine journalistische „Ausbildung“ beim Stern, natürlich in ein besonderes Licht rückt. Was darf sich beim Stern und bei der ARD alles Journalist nennen?

  6. Meine volle Zustimmung zur differenzierten Begründung von Fritz lv, warum Jauch nicht in die ARD gehört und die NZZ recht hat. „Jauch(e) Günther“ sollte bei seinen Quiz-Sendungen bleiben und uns am Sonntagabend mit seinem Dackelblick verschonen.

    Dass eine Mehrheit der Deutschen ihn für präsidiabel hält, ist schon erstaunlich und passt zur Beliebtheit von Angela Merkel. Offensichtlich befähigen eine weiße Weste, ein treuherziger Blick und eine unprätentiöse Art für die höchsten Ämter unseres Staates.

  7. Schon der Ausdruck „Starjournalist Jauch“ entlarvt den NZZ-Kommentator. Hier möchte jemand gerne einem Großen ans Bein pinkeln, die Not ist groß, er hat ja auch eine Woche gebraucht, um seinen flammenden Kommentar abzusondern.

    Ähnlich krude die Leute, die meinen, sie müssten jetzt an den Fälscher Born erinnern. Ist denn der Finger unecht? Bitte vortreten, ihr Bühnenauftritt sei Ihnen zugesichert.

    Komisch nur, dass Varoufakis selbst die ganze Chose heraufbeschworen hat durch sein hartnäckiges Dementi. Aber wo man sich gerade wieder bequem im Sessel der eigenen Vorurteile (böse Banken, böse Merkel, böser Jauch – guter Varaoufakis, gutes Hau-die-Kohle-raus-Denken) gefläzt hat, will einfach keine Lust auf Differenzierung aufkommen.

    Man lästert über Leser der Bild-Zeitung und betrachtet die eigenen Scheuklappen noch als Solidarität den Eseln gegenüber.

    1. Varoufakis hat es nicht dementiert, dass er den Mittelfinger gezeigt hat. er hat gesagt, das video ist „edited“, was schlicht und einfach bedeutet, dass es bearbeitet wurde. auch Schnitt gehört dazu. Es wurde ja nachweislich so geschnitten, dass es ein schlechtes Licht auf Varoufakis werfen sollte.

      Aber die Hauptsache ist doch, dass du schön alles verallgemeinerst und die Banken und Merkel da mit ins Boot wirfst.

  8. 1.Ein guter character mit starker persönlichkeit gibt auch seine fehler zu.
    2.zu grosser egoismus deutet auf schwäche.
    3.wenn man das grab eines anderen schaufelt fehlt man selber rein.
    4.bei einer debate wenn der gegner überlegen ist sollte man nich giftig und beleidigent sein.
    5.innerlich weiss die ard redaktion und jauch dass Sie sich total blamiert haben!!
    aber was sollts … mia sam mia

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