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Süddeutsche Zeitung: Am Dienstag soll die Paywall kommen

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Die Webseite der Süddeutschen Zeitung ändert sich noch in dieser Woche grundlegend – unter anderem wird ein neues, digitales Abomodell eingeführt. Stefan Plöchinger erklärt in einem Blogbeitrag, dass dabei die Flexibilität des Modells im Vordergrund stünde. Er könne den Erfolg noch nicht absehen, will aber bei Fehlern schnell reagieren können.

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Es ist soweit: In dieser Woche senkt sich auf Süddeutsche.de die Bezahlschranke: Nach 10 freien Artikeln werden die Leser zur Kasse gebeten. Dann müssen sie entweder das Digital-Abo “SZ Plus” für knapp 30 Euro pro Monat abschließen oder einen Tagespass für zwei Euro kaufen. Besonders exklusive Inhalte, wie zum Beispiel die Lesestücke der Seite drei, werden immer den zahlenden Lesern vorbehalten bleiben.

In einem Blogbeitrag nimmt sich Stefan Plöchinger am Montag der Frage an, wie in Deutschland Abo-Modelle für Zeitungen durchzusetzen sind: „Niemand kann diese Frage beantworten, bevor man sich an Abo-Modellen versucht hat. Deshalb schrecken so viele davor zurück. Trial and error ist noch unbeliebt. Dabei ist es hier wohl der beste Lösungsansatz.“ Um flexibler auf mögliche Probleme reagieren zu können, setze man bei der Süddeutschen auf das Metered-Modell: „Man kann auch ein Metered Model mit Freemium kombinieren, und man kann die Logik des permanenten Justierens in viele Stellschrauben eines Paid-Content-Modells hineinübertragen. Wir werden genau das tun. Wir wissen natürlich nicht, wie viel Erfolg wir mit unserem Abo-Modell haben werden – aber wir wissen wenigstens, dass wir bei Fehlern schnell reagieren können“, so Plöchinger.

Gegenüber Horizont erklärte Süddeutsche-Geschäftfsführer Detlef Haaks Ende Januar, es werde unter der Marke „Süddeutsche Zeitung“ im Netz drei Bereiche geben: die komplette Zeitung, sz.de als 24/7-Kanal und das SZ-Magazin mit einem erweiterten Lifestyle-Angebot.

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Doch die Bezahlschranke ist nicht die einzige Änderung in der SZ-Digitalstrategie, es wurde außerdem ein neuer Umgang mit Leserkommentaren eingeführt und mit „Langstrecke“ erscheinen einmal im Quartal lange Lesestücke gebündelt als E-Book, Magazin oder Taschenbuch. Im Vordergrund all dieser Änderungen steht das Zusammenwachsen von Print und Online. Plöchinger erklärt: „Die Print-Online-Integration wurde bei uns als Entwicklungsaufgabe in elf Arbeitsgruppen gegeben: eine Gruppe für Politik, eine für Sport, für Wirtschaft, für Kultur.“ In manchen Bereichen entstünden nun tatsächlich komplett integrierte Ressorts – Newsdesk, Sport, Wirtschaft, München/Bayern –, andere seien zu dem klärenden Punkt gekommen, dass eine Integration den (strukturell unähnlichen) Lesern von Print oder Online wenig brächte.

Darüber hinaus glaubt er fest an Storytelling-Projekte, weil sie Medien unterscheidbarer machen würden: „Wir haben eine Untersuchung mit unseren Stammlesern abgeschlossen, das spannende Ergebnis: Unsere größte Nutzergruppe sind Menschen, die gerne vornedran sind bei digitalen Entwicklungen. Auf die Frage, wofür sie bezahlen würden, haben sie sinngemäß geantwortet: für eine verlässliche Analyse des Weltgeschehens, für kompetente Kommentierung – und tatsächlich auch für digital gut erzählte Geschichten.“

Noch steht der Starttermin für die Paywall nicht offiziell fest, gegenüber MEEDIA kündigt Stefan Plöchinger jedoch an, „mit etwas Glück“ solle es am Dienstag Vormittag soweit sein.

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Alle Kommentare

  1. Nachdem ich die 10 Artikel ausgeschöpft hatte durfte ich feststellen, daß tatsächlich nahezu alle der neuen Artikeln nicht mehr gelesen werden können. Es gibt also kaum mehr normal zugängliche Artikel und ohne Abo lohnt die Seite gar nicht mehr (es ist vorher nicht ersichtlich, ob der Artikel weiter geht oder das SZPlus Logo erscheint, ich tippe auf 80% mit Schranke). Allerdings ist die Werbung auf der Seite auch nicht weniger geworden, aber seis drum. Mal sehen ob sich das Modell rechnet, mir ists egal, da aus den Favoriten geworfen.

  2. Dann ist halt eine überflüssige Zeitung weniger auf dem Markt. Für solchen „Qualitätsjournalismus“ würde ich auf keinen Fall bezahlen. Und hoffe die gehen so schnell wie möglich pleite. Es gibt zu viele Propagandamedien auf dem Markt. Bild ist ein klarer Gewinner im Battle, die haben zumindest RTL2-Sendungen Analyse :D.

  3. Seitdem die SZ die Möglichkeit zu Leserkommentaren weitgehend abgeschaltet hatte, war sie bei mir ohnehin „unten durch“.

  4. Ich hoffe, das wird ein Erfolg. Ich zahle sehr gern dafür, dass solche Trolle wie die obigen in Zukunft den Kommentarabteilungen fernbleiben. Die können sich dann unter Ihresgleichen bei PI News und beim Jahrestreffen des Kopp Verlags austauschen.

    1. Na ist doch schön. Die Eliteleser unter sich. Gott erhalte mir meine SZ. Einfalt statt Vielfalt ist wohl der neue Trend bei den Edelfedern und ihren Rezipienten.

  5. Richtig. So geht es mir auch. Habe ich den Spiegel, FR und die SZ schon bei den Favoriten gelöscht, fällt man doch immer wieder mal in alte Gewohnheiten zurück. Das hat jetzt auch ein Ende. Für das „Storytelling“ (schon allein dieses Dumpfbayrisch lässt die geistigen Höhenflüge erahnen) der Selbstgerechten, werde ich natürlich nicht zahlen und die die zehn freien Artikel, die man den Leuten zum Anfüttern vorwirft, sind ja auch schon wieder eine Vorauswahl. Neues Deutschland ist das.
    Gut ist aber, dass durch die Gier der Leserkreis kleiner wird. Durch das Glaubwürdigkeitswaterloo mit dem Stigma der Lügenpresse, sind kritische Leser sowieso schon abgewandert oder noch kritischer geworden. Hier hat Pegida ganze Arbeit geleistet. Wenn andere nachziehen, beim SPON scheint es ja auch bald zu kommen, freuen sich die Blogs. Wenn dann RT noch umsonst bleibt (hihi), hat man doch was man braucht, da ist die Alpenprawda dann überflüssig , weil teuer und dazu noch mit Werbung vollgestopft.

  6. „Verlässliche Analyse des Weltgeschehens“ – die gibt es doch in Deutschland massenhaft, bei Spiegel, Bild, Welt, Zeit, FAZ, ARD, ZDF, T-Online, Focus.
    Warum soll man so ein me-too-Produkt für Geld bei der SZ kaufen?
    Die SZ braucht dringend einen Jan Böhmermann, nicht noch mehr Chorsänger gegen Putin und für die selbstzufriedene Klassenpolitik in München.

    Eine Analyse des Weltgeschehens, noch dazu eine auf Tagesbasis, kann wohl kaum „verlässlich“ sein – es sei denn sie ist so vorhersehbar wie die politische Berichterstattung der SZ.

    Eine Analyse des Weltgeschehens, so man sie ergänzend zur eigenen Weltsicht ordert, ist überraschend und ungewohnt, provokativ oder wenigstens witzig.

    Die SZ ist aber nur eine bebilderte dpa von Journalisten, die Anpassung und Crowdschreiben für die beste Strategie halten.

    1. Verlässliche Analyse des Weltgeschehens bei BILD, T-ONLINE und FOCUS? In welcher Welt leben Sie denn?

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