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Merkel und die Nazis in Athen: Kritik am „German Übermacht“-Spiegel

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, provokantes Cover zur Griechenland-Krise: Kanzlerin neben Nazi-General
Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, provokantes Cover zur Griechenland-Krise: Kanzlerin neben Nazi-General

Samstag ist neuerdings Spiegel-Tag, und so tobte bereits am Wochenende – mal wieder – ein Twitter-Sturm um das Nachrichtenmagazin. Drei Wochen nach dem umstrittenen Internet-Titel über „Die Weltregierung“ aus dem Silicon Valley stehen die Hamburger diesmal in ihrer Kernkompetenz im Kreuzfeuer: Politik. Das Cover: Nazis vor der Akropolis in schwarzweiß. Farbig hineinmontiert: Bundeskanzlerin Merkel. Dass der Spiegel darüber berichtet, "Wie Europäer auf die Deutschen blicken", hat offenbar nicht jeder verstanden – in den Netzwerken hagelt es Kritik, Chefredakteur Klaus Brinkbäumer bemüht sich, die Wogen zu glätten.

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Jan Böhmermann hängt irgendwie allen nach dieser Woche noch nach. Ob das Grund für den neuen Spiegel-Titel war, der am Ende ja auch so etwas wie Satire ist?

Doch der Reihe nach. Der neue Spiegel, der seit Freitagabend um 18 Uhr als E-Paper und iPad-Version zum Download und seit Samstag am Kiosk bereitsteht, kommt mit einem Cover daher, das provoziert. Zu sehen: Ein historisches Schwarzweiß-Foto vom Mai 1941 – Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch und Wehrmachtsoffiziere vor der Akropolis in Athen. Sichtbar grobschnittig farbig hineinmontiert: die Bundeskanzlerin.

Man kennt den Reflex der Geschichtsverzerrung aus unzähligen Demonstrationen: Amtierende Staatschefs  werden mit Herrschern der Vergangenheit vermengt, die böse Botschaft ist schnell transportiert. Über dieses Phänomen geht es eigentlich im neuen Spiegel: Über die Frage, wie uns Europa, vor allem Hellas, in der unendlichen Griechenlandkrise sieht.

„Nazi-Karikaturen, Kriegsmetaphern und Reparationsforderungen – in der Griechenland-Krise wird Deutschland wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert“, erklärt der Spiegel im Aufmacher. Das Netz nimmt davon (und von den restlichen 12 Seiten) indes wenig Notiz – allein das neue Cover schlägt auf Twitter reflexartig hohe Wellen. Die Erregungsmaschine auf 140-Zeichen springt sofort an. Ein paar Kostproben:

Sogar international wird Der Spiegel sofort kommentiert – vom Business Insider bis zu Zero Hedge.

So weit, so vorhersehbar. Natürlich wird auch unter den Branchenkollegen sofort gezwitschert. So glaubt Bild-Chefredakteur Kai Diekmann die Handschrift von seinem einstigen Mitstreiter Nikolaus Blome zu erkennen:

Giftig wird die Sache, als Branche Kollegenkrititik übt: „Hitler muss sein“, kantet etwa die FAZ.

Und unterstellt: „Der „Spiegel“ hat ein Ironiedefizit. Wie wäre es mit etwas Nachhilfe vom „Economist“?“

Die SZ.de stellt entsetzt fest: „Spiegel“ stellt Merkel in eine Reihe mit Nazis“

Und auch die Springer-Kollegen treten beherzt zu. Erst mit einer Analyse in der Welt („Der Versuch in Selbstironie scheitert“), dann noch mal Bild-Mann Julian Reichelt, der seinem Namen als „meistgehasster Journalist Deutschlands“ (Newsroom) auf 140 Zeichen alle Ehre macht.

Man könnte das Ganze abtun und argumentieren: Dies ist die übliche Keilerei in aller Eitelkeit: Die einen riskieren eine Kontroverse, die anderen schlagen nach Herzenslust zu. Und die dritten sehen nur das Cover und schaffen es nicht mal bis zum Anlauftext, ehe in voller Erregung der nächste Tweet herausgejagt werden muss. So sieht die Diskussionskultur im BuzzFeed-Zeitalter aus: Pose schlägt Reflexion, Buzz schlägt Inhalt.

Eine ernsthafte Diskussion auf Metaebene ist längst nicht mehr möglich, weil Twitters Pausenclowns auf 140 Zeichen mehr auf den Retweet und einen Fav schielen, als sie an einer Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert sind. Das ist so weit bekannt. Interessant wird es nun sein zu sehen, wie die langjährigen Spiegel-Leser und -Abonnenten auf den Titel reagieren. Und immerhin hat es die Redaktion an der Ericusspitze in die „Post von Wagner“ geschafft. Der Bild-Kolumnist behauptet: „Man sieht das Titelbild. Man sieht es, man liest es nicht, Man nimmt diesen Spiegel-Titel im Unterbewusstsein mit. Bilder sind kräftiger als Worte.“ Folgerung: „Der aktuelle Spiegel bringt unsere Kanzlerin in die Nähe der Nazis.“

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Alle Kommentare

  1. Nein- kaufen Sie den Spiegel nicht ( mehr) . Dann erledigt sich das dümmliche Milchbubi-Grinsen des Chefredakteurs K.Brinkbäumer von alleine.

  2. Die Deutschen wissen nicht im geringsten wer sie tag für tag führt und jeder kauft sich die Bild Zeitung oder den Spiegel und denkt das alles wahr ist was dort steht sie wissen nicht einmal das die BND von der CIA gegründet wurde.
    Viele regen sich auf das Ihre Kultur verloren geht weil es hier ein paar Millionen Ausländer gibt sie sehen aber nicht Das sie schon halb Amerikaner geworden sind schaut euch die Fernsehe Sendungen an nur Englisch Amerikanische sprachen alles 1 zu 1 kopiert aus den USA und neu geborene Deutsche Kinder Namen Justin Kevin Marry die Deutschen heißen schon lange nicht mehr Franz Detlef Hildegard weil sie das uncool finden Europa wird nicht von den Deutschen regiert die Deutschen werden von Zionisten regiert ……

  3. „Es insinuiert, Merkel habe eine mörderische NS-Vergangenheit.“

    Was ein Blödsinn.

    Hier gilt wirklich: „Nein, missverstehen kann ihn nur, wer ihn missverstehen will.“

  4. langjähriger Spiegelleser hier: ich verstehe das Theater um das Cover nicht. Albern wird das ganze, wenn bei Twitter tausende irgendeinen blöden Kommentar dazu ablassen, aber keiner überhaupt mal eine Zeile des Artikels liest. Aber gut: man muss das ja nicht ernst nehmen.

    Achja: das Putin-Cover vor einigen Monaten fand ich auch vollkommen daneben.

  5. Das Spiegel-Titel-Foto wirkt im Ausland weltweit als journalistischer Rufmord an Deutschlands Kanzlerin. Es insinuiert, Merkel habe eine mörderische NS-Vergangenheit. Der Spiegel kann sich jetzt nicht schon wieder rausreden, er habe das nicht gewusst.

    Dabei hätte Spiegel-Gründer Rudolf Augstein viel besser ins Nazi-Foto gepasst. Augstein beteiligte sich als NS-Soldat drei Jahre lang am Feldzug gegen die Ukraine, erlebte Morde an Kriegsgefangenen, und wie die Juden „plötzlich verschwunden“ waren. Über die Judenverfolgungen auch in der Ukraine behauptete er wörtlich: „Ich habe es nicht gewusst“. Siehe Archiv-Spiegel 5/79, Titel-Foto.

    Auch unter den Ressort-Chefs der frühen Spiegel-Jahre waren hochrangige Ex-Nazis. Liebe Spiegel-Redakteure: Guckt erst mal bei Euch nach, bevor ihr nachgeborene Kinder von NS-Gegnern – wie hier Angela Merkel – per Titelbild weltweit als Nazi-Kanzlerin denunziert. Oder hat auch Ihr das „nicht gewusst“?

  6. Merkel und Athen, das ist halt medial ausgelutscht- und was macht man da in Good Old Germany? Man gibt eine Prise Nazithema dazu. Funktioniert immer!
    Furchtbar. Für die Verwendung des Bildes möchte ich mich am liebsten sofort bei den Holocaust-Opfern entschuldigen.

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