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Das neue Frauenmagazin „Weiberkram“: eine blattgewordene Männerfantasie

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Weiberkram ist ein Frauenmagazin, das ausschließlich von Männern produziert wird. Verpackt in einer hochwertigen Aufmachung wirkt es wie ein hilfloser Versuch, Frauen zu verstehen – und gleichzeitig wie eine völlig überzogene Männerfantasie.

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Seit Donnerstag gibt es mit Weiberkram ein neues Frauenmagazin am Kiosk. Das Besondere daran: Das Heft wird ausschließlich von Männern gemacht. Nach klassischen Männermagazinen wie ramp und rampstyle, wagt sich Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz mit Weiberkram auf neues Terrain. Das Magazin ist hochwertig produziert und besticht mit wunderschönen Bildern. Es soll „ein Heft wie ein Flirt sein“, verkündet Köckritz – und dennoch liest es sich wie eine einzige, überzogene Männerfantasie.

Es geht schon mit dem Cover los: Ein Gisele-Bündchen-Lookalike im kleinen Schwarzen und High Heels liegt im Arm eines Astronauten. Ja wirklich, eines Astronauten! Über diesem Foto steht: „Die wunderbare Welt der starken Frauen.“ Ist das Satire? Oder Ironie? Das kann aber doch eigentlich nicht sein – bei einem Hochglanz-Magazin mit 248 Seiten.
Im Vorwort von Michael Köckritz heißt es dann: „Also wünschen wir allen Frauen, die wir auf unsere Art lieben, begehren, verehren und schätzen (aber glücklicherweise nicht wirklich immer verstehen) wahnsinnig viel Vergnügen mit diesem Heft. Seht es einfach mal als kleines Geschenk.“ Okay, die Spannung steigt: Wer sind denn diese Damen wohl? Aber gleichzeitig kommen auch die ersten Zweifel auf: Wollen Frauen wirklich auf so vielen Seiten lesen, was Männer über sie denken?

Eine missglückte Liebeserklärung

Nach den ersten Seiten scheint klar: Dieses Heft soll eine Liebeserklärung sein. Das ist rührend und funktioniert stellenweise ganz gut, zum Beispiel wenn „Briefe großer Männer an die Frauen“ abgedruckt werden. Oder wenn die Redakteure in der Kategorie „Kreischalarm“ geschmackvolle Fundstücke präsentieren.

Aber warum fühlt es sich an den meisten anderen Stellen so falsch an? Vielleicht weil sie Serienstar Kaley Cuoco-Sweeting („The Big Bang Theory“) mit den Worten vorstellen, sie sei „auch ohne rote Schleife um ihren kurvigen Körper ein Geschenk an die Welt“ oder weil die Fotostrecke „Helden und wir“ suggeriert, dass jede auch noch so erfolgreiche Businessfrau von Superman, Zorro oder Jack Sparrow gerettet wird (Oder werden will? Oder wollen die Männer sie retten? Oder wollen Männer, dass Frauen wollen, dass sie gerettet werden?). Oder wenn sie über Julia Roberts sagen: „Ein Blowjob im Aufzug? Man würde es ihr sofort zutrauen.“ Oder weil sie bei einem Artikel über Frauen, die Berufe wie Renn- oder Baggerfahrerin ausüben, schreiben, dass sie die „dicksten Dinger mit zarter Hand an die richtige Stelle bewegen“. Ach ja, ein Interview mit einer Porno-Produzentin gibt es auch noch. Weiberkram ist eine blattgewordene Männerfantasie.

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Für wen ist das Magazin wirklich?

Zum Großteil werden „Sex and the City“-Ladies abgebildet, die sich für schöne Kleider, viele Schuhe und Handtaschen interessieren. Das ist gut und das ist schön – aber auch das ist einseitig. Ziemlich am Schluss gibt es dann – endlich – ein wenig Platz für Gespräche mit der Unternehmerin Catharina Bruns sowie mit Tennisspielerin Maria Sharapove und auch das Interview mit Joëlle Cioccio („Das Problem heutzutage ist, dass man aus dem Altern eine Krankheit macht“) sorgt für einen kurzen Erfrischungsmoment. Aber dann geht es weiter mit Kategorien wie „Pipi Hunger Kalt“, in denen die Herren Ratschläge geben à la „Wie sie ihn anrufen, ohne mit ihm reden zu müssen“ oder „Die Formel für das perfekte Frauenbein“. Und dann zitieren sie auch noch Chris Rock: „Es gibt nur drei Dinge, die Frauen im Leben brauchen: Nahrung, Wasser und Komplimente.“ Autsch.

Wenn Weiberkram ein Magazin für Frauen ist, warum wirkt es dann so, als wollten Männer anderen Männern erklären, wie das andere Geschlecht tickt? In der Fotostrecke „Das gewisse Etwas“ zum Beispiel werden weibliche Vorbilder gezeigt, darunter Romy Schneider, Angelina Jolie, Jane Birkin und Kate Moss. Für die Leserinnen ist das nun wahrlich nichts Neues – aber vielleicht ja für die Redakteure?

Am Ende bleibt die große Frage: Was will das Magazin denn nun eigentlich? Leider wird sie nicht beantwortet.

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Alle Kommentare

  1. Dass ‚Frauenmagazine‘ (also Magazine, die es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht haben, die Schulpflicht für Mädchen dadurch zu neutralisieren, dass sie uns mit Pipikram wie Kosmetik, Mode, Diäten, Beziehungs’tipps‘ etc. verblöden und auf den Mann dressieren) auch schon früher und bis dato von Männern (mit)gemacht wurden, hat die Autorin vermutlich übersehen. Geschenkt – danke für die gelungene Warnung vor dieser neuen und offenbar besonders dreisten Zumutung!

  2. Mir scheint, dass so mancher Kommentator eher „hirntot“ ist. Dieses unreflektierte und mantraartige Runterbeten von einer Pseudo-Allerweltsweisheit, die keine ist, soll wohl suggerieren, dass man eine Universallösung für alle Themen hat. Nur Online ist das Wahre. Und dabei kommt es doch eher auf die vielen Schattierungen von Grau an. Aber dafür reicht es rein vom Intellekt wohl bei manchem nicht. Ich halte es darum gerne mit einem Spruch von Dieter Nuhr: „Wenn man von nichts ne Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.“

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