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„Burda ist für das digitale Publishing der bessere Eigentümer“

Abschied nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten: Tomorrow Focus-Vorstand Christoph Schuh
Abschied nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten: Tomorrow Focus-Vorstand Christoph Schuh

Der Verkauf der Publishing-Sparte von Tomorrow Focus an die Hubert Burda Media bedeutet eine Zäsur: Traffic-starke Nachrichtensites wie Focus Online oder Huffington Post werden demnächst vom Medienhaus betreut; die AG konzentriert sich auf ihr renditestarkes Transaktionsgeschäft. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung um mehr als 6 Prozent. ToFo-Vorstand Christoph Schuh über die Gründe für Trennung vom Inhalte-Geschäft und die Strategie für die Zukunft.

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Was war das wichtigste Motiv der Trennung des Geschäftsbereiches Publishing von den Transaktionsgeschäften?

Die Tomorrow Focus AG vereinigt heute rund 15 Tochtergesellschaften und mindestens ebenso viele erfolgreiche Digital-Marken. Für jedes unserer Geschäfte haben wir in den letzten Monaten die weitere Wachstumsstrategie festgelegt. Gleichzeitig ist uns klar, dass wir nicht alle Expansionspläne mit eigenen Finanzmitteln und Management-Ressourcen begleiten können. Das kann als logische Folge auch die Abgabe eines Geschäftsbereiches haben, wenn wir uns zukünftig nicht als der beste Owner für die notwendige Weiterentwicklung sehen. Diese Fokussierung unserer Geschäfte haben wir im letzten Jahr bereits mit dem Verkauf der B-to-B-Dienstleister Cellular und TFT begonnen.

Der Publishing-Bereich mit derzeit 18 % Umsatzanteil innerhalb der AG hat einerseits große Wachstumspotenziale. Er erfordert andererseits aufgrund der sehr dynamischen Entwicklungen u.a. in den Bereichen mobile, social und Programatic Buying neben finanziellen Ressourcen auch die Ermöglichung von Wachstumssynergien innerhalb eines starken Medienunternehmens. Somit sehen wir mit Burda den perfekten und natürlichen Eigentümer für die aggressiven Pläne unserer Publishing-Unit.

Wir werden uns zukünftig folgerichtig auf die bereits jetzt umsatz- und ergebnisstärksten digitalen Transaktions-Geschäfte konzentrieren. Dabei werden die Reiseaktivitäten den klaren Schwerpunkt ausmachen und von Subscriptionsgeschäften wie jameda und ElitePartner ergänzt. Die Börse hat bereits positiv auf die stärkere Fokussierung der Tomorrow Focus AG reagiert, worin wir eine Bestätigung der eingeschlagenen Strategie sehen.

 

Wie beurteilen Sie die Chancen für die Inhalte- und Vermarktungs-Angebote beim neuen Eigentümer Hubert Burda Media?

Wir übergeben unser erfolgreiches Publishing-Team in gute und kraftvolle Hände und haben mit Burda aufgrund der inhaltlichen Nähe und den existierenden Verbindungen in Redaktion und Vermarktung den idealen Partner gefunden: Gleichzeitig sichert die organisatorische Verankerung als selbständige Publishing- und Vermarktungseinheit bei Burda Digital unternehmerisches Handeln und Geschwindigkeit. Alle Mitarbeiter der Tomorrow Focus Publishing werden von Burda übernommen, und die beiden Geschäftsführer Oliver Eckert und Martin Lütgenau leiten weiter die Teams und sorgen für Kontinuität. Die Chefredakteure Daniel Steil und Sebastian Matthes bleiben ebenfalls an Bord und begrüßen den Schritt.

 

Weshalb konzentrieren Sie sich bei der Tomorrow Focus AG künftig auf digitale Transaktionsmodelle und hierbei im Schwerpunkt auf Travel?

Neben der Tatsache, dass Burda für das digitale Publishing zukünftig der bessere Eigentümer ist, brauchen wir einen klareren Fokus für unsere Aktivitäten, um gegen die zunehmende international und sehr kapitalstark agierende Konkurrenz erfolgreich zu sein. Die digitalen Transaktions-Geschäftsmodelle erzielte bereits in den letzten Jahren die höchsten Wachstums- und Ergebniszahlen innerhalb der AG.

Mit HolidayCheck und Zoover verfügen wir im Travel-Segment über starke und etablierte Marktführer. Wir sehen uns hier als der richtige Owner, um die sich bietenden Wachstumsperspektiven in einem der größten Internetmärkte optimal zu nutzen. Daher haben wir uns entschlossen, unsere Ressourcen innerhalb der Transaktions-Geschäfte in Zukunft schwerpunktmäßig auf den Bereich Travel zu konzentrieren.

Für die starken Marken des Segmentes Subscription, also ElitePartner und jameda sowie das neue Start-Up organize.me sehen wir ebenfalls eine exzellente Wachstumsperspektive. Wir werden aber auch prüfen, ob wir die vorhandenen Potenziale aufgrund des jeweiligen Wettbewerbsumfelds gemeinsam mit strategischen Partnern noch besser und schneller zur Entfaltung bringen können: EliteMedianet plant rund um die erfolgreiche Marke ElitePartner noch in diesem Jahr weitere Wachstumsinitiativen, die in einer Partnerkonstellation schneller umsetzbar wären. Jameda als profitabler und stark wachsender Marktführer der Arztbewertungsportale mit über einer Million Bewertungen und mehr als fünf Millionen Unique Usern wird seine Produktangebote ebenfalls zukünftig deutlich erweitern. So wurden beispielsweise über die neue Terminbuchungsplattform schon über 10.000 Arzttermine koordiniert.

 

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Ist die Kombination aus Transaktionsgeschäft und hochwertigem Bewertungscontent wie bei Holiday-Check und jameda eine strategische Chance, potenzielle Rivalen wie Google auf Distanz zu halten?

Mit unseren Bewertungsportalen HolidayCheck, Zoover und jameda ist es uns in der Tat gelungen, unseren Kunden einen nachhaltigen Mehrwert zur Verfügung zu stellen, auf dessen Qualität und Unabhängigkeit sie vertrauen können und den sie bei ihrer Produktentscheidung aktiv nutzen. Mehr als 70 Mitarbeiter sind ausschließlich damit beschäftigt, die hohe Qualität der Bewertungen auf den verschiedenen Portalen sicherzustellen.

Hochwertige Bewertungen lassen sich nicht einfach weltweit standardisieren und sind aufgrund von länderspezifischen Gesetzmäßigkeiten auch nicht kopierbar. Im Markt der Bewertungsportale ist eine klare Marktführerschaft wichtig. Diese haben wir bei allen drei Marken erreicht.

Die Kombination aus Reisebewertungen und direkter Buchungsmöglichkeit von Pauschalreisen einerseits und Arztbewertungen und kostenpflichtigen Listingeinträgen andererseits macht unsere Bewertungsportale in der Tat zu starken, nachhaltigen Assets, die keine Konkurrenz fürchten müssen.

 

Mit dem Abschied von Traditionswebsites wie Focus Online und dem Vermarkter TF Media geht nicht nur für die ToFo AG, sondern auch für Sie selbst eine Ära zuende. Sehen Sie den Verkauf deshalb auch mit Wehmut?

Natürlich ist auch einiges an Wehmut dabei, wenn man ein solches Top-Publisher-Team, mit dem es in den letzten Jahren sehr viel Spaß gemacht, in die Burda-Hände übergibt. Ich bin ungeheuer stolz auf die Mannschaft und freue mich über die Erfolge der letzten Jahre: Mit Marken wie Focus Online, HuffingtonPost, NetMoms, Finanzen100 und natürlich auch dem Digitalvermarkter TF Media konnte der Umsatz in den letzten Jahren sehr deutlich gesteigert und eine zweistellige Umsatzrendite erreicht werden. Andererseits braucht das digitale Publishing-Geschäft für den nächsten Wachstumsschritt einen Eigentümer, für den das digitale Publishing auch in Zukunft Kerngeschäft ist und der die Stärken eines internationalen Medienunternehmens einbringen kann. All das kann Burda bieten.

Wir werden auch zukünftig eng mit der Publishing-Unit zusammenarbeiten: Die Vermarktungsverträge für unsere Portale HolidayCheck und jameda wurden erst kürzlich verlängert und auch im Content-Bereich sind Kooperationen angedacht. Außerdem sind wir nach wie vor nur ein Stockwerk entfernt und arbeiten innerhalb von Burda auch in verschiedenen Gremien weiter eng zusammen.

 

 Wie definieren Sie in der neuen Konstellation Ihre Unternehmensziele, vor allem auch im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Wir werden anlässlich des Capital Markets Days Ende Mai 2015 ausführlich über unsere zukünftige Strategie berichten. Bis dahin bitten wir um Geduld.

 

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