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„Bezahlter Journalismus first“: Der Spiegel entwickelt neue Pay-Konzepte

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Es herrscht ein neues Selbstbewusstsein beim Spiegel. Das zeigt sich in der klaren und vor allem schnellen Reaktion, mit der Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die – teils harsche – Kritik am neuen Titel konterte. Aber auch im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt, in dem der Blattmacher zusammen mit SpOn-Chefredakteur Florian Harms laut über die Einführung neuer Online-Bezahlmodelle nachdenkt.

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Das Interview ist so etwas wie eine kleine Regierungserklärung der beiden Chefredakteure. So streifen die Fragesteller Alexander Josefowicz und Maike Schiller alle wichtigen Themenkomplexe. Dabei geht es weniger um Details, als um das große Ganze.

Zur Never-Ending-Daily-Soap, die den Machtwechsel beim Spiegel im vergangenen Jahr begleitete, merkt Harms nur an, dass es „ein schwieriges Jahr für uns alle im Haus“ gewesen sei und nicht jeder seine Enttäuschungen schon verdaut hätte. Brinkbäumer ergänzt, dass die Marke durch den Konflikt mit dem geschassten Chefredakteur Wolfgang Büchner langfristig jedoch keinen Schaden genommen habe. Zudem gebe es keine Gräben zwischen Print und Online: „Der Konflikt, den wir hatten, war einer zwischen einer leidenschaftlichen, selbstbewussten Spiegel-Redaktion und ihrem Chefredakteur und keiner zwischen Print und Online.“

Brinkbäumer: „Der Spiegel wird aber nicht kuschelig, eher markanter“

Nur eine einzige kleine Spitze gönnt sich der neue Chef gegen seinen Vorgänger. Als es um die Debatte um den aktuellen Spiegel-Titel geht, meint Brinkbäumer, dass es immer darum gehe, „kraftvolle“, „originelle“ und  „emotionale Titel“ zu liefern. „Das haben wir in den vergangenen Jahren nicht immer geschafft.“ Kämpferisch fügt er jedoch gleich an: „Der Spiegel wird aber nicht kuschelig, eher markanter“.

Zudem könnte der Spiegel im Netz bald teurer werden – zumindest teilweise. In dem Gespräch kündigen die beiden einen Wechsel im des alten Credos an, dass immer zuerst das Magazin komme. Künftig soll es „bezahlter Journalismus first“ heißen. „Das meint im Moment noch immer vor allem das Heft, aber das gilt eben auch für eine Bezahlwelt, die sich irgendwann auf Spiegel Online öffnen wird“, sagt Brinkbäumer.

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Harms ergänzt, dass man noch in diesem Jahr erste Konzepte ausprobieren wolle. Dazu müsse man aber „Bezahlangebote smarter konzipieren: Mit welchen Produkten können wir die spezifischen Bedürfnisse von unterschiedlichen Zielgruppen passgenau bedienen, einen echten Mehrwert bieten? Für die Nutzer muss es so einfach wie möglich sein.“

Harms: „Selbstverständlich haben wir Online-Redakteure ein gutes Recht, an entscheidender Stelle mitzureden

Zusammengefasst: Konkret ist nichts, noch befinden sich die Hamburger in der Konzeptphase. Oder sie wollen noch nicht konkret darüber sprechen. Das gilt auch für eine mögliche Gleichstellung von Online- und Print-Redakteuren. Brinkbäumer hält das Ansinnen der Web-Kollegen für „nachvollziehbar“. Versieht es jedoch gleich mit einem großen Aber. Denn das sei nichts, „was die Chefredakteure mal eben herbeiführen können; es sind rechtlich komplizierte Gesellschafterfragen. Dass wir uns Redakteure wünschen, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wissen die Kollegen.“

Wenig überraschend, dass Harms dem Sachverhalt etwas offensiver, aber immer noch recht diplomatisch angeht: „Selbstverständlich haben wir Online-Redakteure ein gutes Recht, an entscheidender Stelle mitzureden. Dieses Ziel zu erreichen beschäftigt uns.“

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Alle Kommentare

  1. „Smarte Bezahlkonzepte“ Warum nicht einfach ein gestaffeltes Bezahlkonzept mittels Paypal-Buttons: Basic gratis, dann weiter (nach Interessen) sortierte, aktuelle Artikel für 1-2 Euro (quasi eine customized Ausgabe) plus zusätzlich Monatsabo (per Paypal, jederzeit kündigbar, gekoppelt mit Updates auf alle mobil devices)… ?

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