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Zwei neue Kommissare und ein großes Problembündel: Der Berlin-Tatort „Das Muli“ im MEEDIA-Check

ARD/rbb Tatort: „Das Muli“
© rbb/(M)/Frédéric Batier
ARD/rbb Tatort: "Das Muli" © rbb/(M)/Frédéric Batier

Der Berliner "Tatort" hat zwei neue Ermittler und damit eine Menge neuer Probleme. "Das Muli" überzeugt – trotz stellenweiser Überladung – mit der horizontalen Erzählstruktur einer aufwühlenden Drogen-Geschichte. Berlin glänzt in einer Hauptrolle – und macht sich dadurch beim Zuschauer gleichermaßen beliebt wie gehasst.

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Die Story
Die 13-jährige Jo irrt weinend durch die Stadt, ihr älterer Bruder Ronny lebt in einer geschlossenen Einrichtung für straffällige Jugendliche. Der panische Anruf seiner Schwester lässt Ronny keine Wahl: Obwohl er kurz vor der Entlassung steht, bricht er aus. Am selben Tag beginnt Robert Karow den ersten Arbeitstag mit seiner neuen Kollegin Nina Rubin an einem blutigen Tatort in einer Berliner Ferienwohnung. Von der Leiche fehlt jede Spur. Karow ist sich schnell sicher, dass es sich um einen Fall aus der Drogenszene handelt. Nina ist skeptisch, nicht zuletzt, weil ihrem Kollegen Karow ein fragwürdiger Ruf vorauseilt. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ronny und Jo fliehen vor ihren Verfolgern und auf einer Müllkippe wird eine zerstückelte und ausgeweidete Leiche gefunden.

Die Story hinter der Story
„Das Muli“ ist der Pilot, ein Auftakt für eine länger erzählte Geschichte aus Berlin – ganz so, wie es Til Schweiger im Hamburger „Tatort“ eingeführt hat. Deshalb setzen Drehbuchautor Stefan Kolditz („Unsere Mütter, unsere Väter“) und Regisseur Stephan Wagner („Tatort: Gegen den Kopf“) beim ersten gemeinsamen Einsatz von Robert Karow und Nina Rubin ganz auf eine horizontale Erzählweise – die Vorstellung der beiden Kommissare steht im Vordergrund, ihre Annäherung sowie ihr Konflikt.

Was taugt das Drehbuch?
Mit „Das Muli“ ist Stephan Wagner gemeinsam mit Stefan Kolditz ein beachtenswerter Krimi gelungen. Vieles stimmt: das Drehbuch, das Tempo, die Schnitte. Und die beiden jungen Haupdarsteller Emma Bading und Theo Trebs überzeugen als Geschwisterpaar auf der Flucht. Stellenweise ist die Geschichte allerdings zu überladen: Viel zu viel soll erzählt werden – und wird dabei doch nur gestreift. Im Piloten zu einer wöchentlichen Serie funktioniert dies sehr gut, beim „Tatort“ ist es schwer, da die Spannung bei den wenigsten bis zum nächsten Fall anhalten dürfte. Ansonsten spielt – wie auch schon bei „Gegen den Kopf“ – die Stadt Berlin eine weitere Hauptrolle, was in „Das Muli“ ebenfalls gut funktioniert: Wenn die 13-jährige Jo in der Anfangsszene blutüberströmt durch die lauten Straßen irrt und ihr niemand hilft, löst das beim Zuschauer eine Angst vor der anonymen Großstadt aus, eine Beklemmung, die sich auch im weiteren Verlauf des Films nicht lösen will. Die Expressionisten hätten ihre wahre Freude gehabt.

Sind die Ermittler in Form?
Beide Kommissare, Nina Rubin und Robert Karow, tragen einen ganzen Sack an Problemen mit sich herum: Rubin steht vor den Trümmern ihrer Ehe und muss sich von ihrem pubertierenden Sohn als „Hure“ beschimpfen lassen und um Karow und seine Vergangenheit im Drogendezernat wird ein riesiges Geheimnis gemacht: Was ist mit seinem Kollegen passiert? Trägt er womöglich einen Teil der Verantwortung? So richtig funkt es allerdings noch nicht – weder zwischen den beiden Hauptdarstellern noch zwischen Kommissaren und Zuschauern.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Der letzte „Tatort“-Streich von Stephan Wagner, „Gegen den Kopf“, rangiert seit seiner Ausstrahlung vor fast zwei Jahren durchgängig in den Top 3 der beliebtesten Fälle (www.tatort-fundus.de).

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Der Satz zum Mitreden
„Wenn meine Freundin Spaghetti Bolognese kocht, sieht die Küche danach auch so aus.“ (Spurensicherung am blutigen Tatort)

Eher peinlich
Karows erster Auftritt am Tatort, bei dem er als hochintelligenter Kommissar mit erstaunlichem visuellen Gespür eingeführt werden soll. Sein Instinkt und wie er ihn äußert, wird viele Serienfans an Will Graham aus der US-Serie „Hannibal“ erinnern. Hier sind Regie und Schauspiel über das Ziel hinausgeschossen: Leider zu gewollt.

Offene Fragen
Eine von vielen: Wer hat geschossen?

Fazit
Obwohl „Das Muli“ an einigen Stellen zu überladen ist und die Geschichte zu viele Stränge erzählen will – was ihr nicht immer ganz glückt –, ist der neue „Tatort“ aus Berlin ein guter Krimi und kann mit Wagners „Gegen den Kopf“ durchaus mithalten. Veredelt wird er vor allem durch den Hauptdarsteller Berlin.

Einschaltempfehlung auf einer Skala 1 von 10
8

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Alle Kommentare

  1. Ein Krimi sollte neugierig machen, Spannung halten, interessante Menschen skizzieren und zum Finale nach Möglichkeit auch noch eine Überraschung in petto haben. Dieser Krimi machte nur die ersten 15 Minuten neugierig, dann fragte man sich, was sonst noch im TV-Programm anzubieten ist. Nun, ich habe durchgehalten. Aber dieser Krimi war ein Mix aus Wollen, aber nicht Können. Der nächste sollte sollte für Zuschauer gemacht werden, die sich unterhalten wollen, um dann sagen zu können: Der hat sich gelohnt.

  2. Vielleicht haben wir da einfach einen anderen Tatort gesehen. Ich habe nach 30 Minuten wegen gähnender Langweile, einfallslosem, klischeeüberfrachteten Charakteren und lauwarmaufgewärmtem Drehbuch ausgeschaltet.

    Es ist eine Sache so kurz nach dem Abendessen eine Sexszene mit Meret Becker ertragen zu müssen (die zwar keinen Sinn gemacht hat, dafür aber einfallslos inszeniert war), aber dann diese ganzen 1000mal gehört/gelesen/gesehen Ideen mal wieder aufgekocht zu sehen – nein danke. Dann lieber Sebastian Puffpaff

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