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Doku-Reihe „Do Not Track“: Zuschauer-Überwachung in Echtzeit

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"Do Not Track" ist eine Doku-Reihe von Upian/BR/Arte/NFB

Mit "Do Not Track" hat die französische Produktionsfirma Ubian gemeinsam mit dem BR, Arte und dem National Filmboard of Canada ein außergewöhnliches Fernsehformat geschaffen: In der Doku-Reihe sieht der Zuschauer in Echtzeit, was mit seinen Internet-Daten passiert. Bei MEEDIA verraten die Projektleiterinnen des Bayerischen Rundfunks erste Details.

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Ein Status-Update bei Facebook, die Momentaufnahme bei Instagram oder eine Ortsangabe bei Twitter: Für Internetgiganten wie Google oder Facebook und Data-Broker wie Axciom sind unsere Daten im Netz ein Milliardengeschäft. Doch was machen sie eigentlich genau damit? Und wer kann uns wie überwachen? Die Dokumentarfilmreihe „Do Not Track“ nimmt sich dem Thema Internet-Tracking an. Zunächst ist das nicht unbedingt etwas Neues, doch das Besondere an dem Format: Jeder Zuschauer kann anhand seiner eigenen Daten sehen, wer ihn gerade im Internet überwacht und welche Folgen das hat.

do not track

Wer überwacht wen?

„Do Not Track“ ist eine internationale Gemeinschaftsproduktion und wird von der französischen Produktionsfirma Upian in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk, Arte und dem National Filmboard of Canada (NFB) umgesetzt. Das Projekt will nach eigenen Angaben „dem Nutzer die Kontrolle zurückgeben“, es soll für ihn erfahrbar werden, wie ein zweites digitales Ich entsteht – das nicht mehr von ihm selbst, sondern durch einen Algorithmus kontrolliert wird. „Die einzelnen Episoden bestehen aus klassischen Filmsequenzen und Interviews, der Einbindung animierter GIFs und interaktiven Elementen“, erklären die beiden Projektleiterinnen des Bayerischen Rundfunks (BR), Christiane Miethge und Sandra Marsch, im Gespräch mit MEEDIA. „In der ersten Episode wird der Nutzer zum Beispiel aufgefordert, seine Lieblings-Nachrichtenseite einzugeben. Dann wird ihm mit der technischen Unterstützung von Disconnect me angezeigt, welche Tracker ihn auf dieser Seite überwachen. Bei Meedia.de waren es zum Beispiel heute Vormittag 15 Tracker – teilweise für statistische Zwecke aber auch von Unternehmen wie Google.“

In einer anderen Episode kann der Zuschauer sich mit seinem Facebook-Profil einloggen. „Er bekommt dann ein Profil, in dem dargestellt wird, was man selbst aus harmlosen Likes und Posts alles über ihn herausfinden kann. Mehr Details können wir aber noch nicht verraten, denn es soll ja auch eine Überraschung sein“, so Miethge und Marsch. Die Zusammenarbeit mit Datenhändlern und Spionagesoftware lehnen sie dabei konsequent ab: „Viel wichtiger als dem User ein umfassendes Profil zurück zu melden ist uns die spielerische Auseinandersetzung mit den Daten.“

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Richard Gutjahr, Netzpolitik.org und Golem.de sind dabei

Die Doku-Reihe besteht insgesamt aus sieben Folgen, die vom 14. April bis zum 9. Juni 2015 im Abstand von zwei Wochen auf donottrack-doc.de veröffentlicht werden. Auf eine Ausstrahlung im TV verzichten die Verantwortlichen. „Das hängt auch damit zusammen, dass jede Episode Elemente, wie zum Beispiel die GIFs, beinhaltet, die live aus dem Netz gestreamt werden und je nach User auch variieren“, so Miethge und Marsch. „Do Not Track ist eine Web-Doku-Reihe aus dem Internet für das Internet. Im Juni wird die achte Episode schließlich in einer halbstündigen TV-Ausstrahlung im Bayerischen Fernsehen gesendet. Darin werden die Inhalte der sieben Webepisoden zusammengefasst.“

Zusätzlich werden auf donottrack-doc.de aktuelle Forschungsergebnisse und Artikel gesammelt. Die Nutzer können sich selbst aktiv einbringen und in Live-Chats und Kommentaren mit Experten, Politikern und Aktivisten diskutieren. Der BR wird begleitend auf allen Ausspielwegen – Online, Fernsehen, Hörfunk – über das Thema berichten. „Wir betreiben auch Facebookseite und einen Twitteraccount„, erklären die beiden Projektleiterinnen. „Außerdem werden sowohl BR als auch Arte und NFB das Projekt mit ihren Social-Media Accounts begleiten. Wie genau – auch das bleibt bis zum 14. April eine Überraschung.“

Regisseur ist der kanadische Internetspezialist Brett Gaylor („RiP!: A Remix Manifesto“). Unterstützung bekommt er in Deutschland von Richard Gutjahr. „Mit dabei sind auch die französische Journalistin Zineb Dryef und die Wissenschaftlerin Virginie Raisson“, erklären Miethge und Marsch. „Im Do Not Track-Conversation-Bereich werden zudem Blogs wie netzpolitik.org oder golem.de Beiträge zu den unterschiedlichen Themenbereichen der Webepisoden veröffentlichen.“

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