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Neue E-Commerce-Strategie: Wie ProSiebenSat.1 zum Web-Riesen werden will

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Das Geschäft mit dem Online-Shopping hat bei vielen Medienhäusern immer ein etwas schmuddeliges Image. So muss sich Burda seit Jahren anhören, dass der Verlag im Netz auch mit Hundefutter (Zooplus) sein Geld verdiene. Vor solcherlei Spott scheint ProSiebenSat.1 keine Angst zu haben. Mit der Übernahmen des Erotik-Versenders Amoreli und des Parfüm-Händlers Flaconi steigen die München jetzt offensiv in den E-Commerce ein. Alles für das Ziel möglichst schnell eine Milliarde Euro im Web umzusetzen.

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Tatsächlich ist die bisherige Netz-Strategie der Münchner eine erstaunliche Erfolgsgeschichte, bei der alles mit Zalando anfing. In der Starphase des Schuhhändlers, der längst selbst ein E-Commerce-Riese ist, entstand die Idee TV-Werbezeit bei ProSiebenSat.1 gegen eine Umsatzbeteiligung beim Startup zu tauschen. Immerhin verfügen die Privat-Sender seit jeher über einen gewissen Anteil an Werbeplätzen, die sie nicht vermarkten können. „Zur Zeit liegt dieser Anteil an freien Werbeplätzen bei rund einer Milliarde Euro“, erklärte Vorstand Christian Wegner gerade auf einem Presse-Event in Berlin.

Alles fing mit Zalando an

Die Zusammenarbeit mit Zalando verlief so gut, dass die Münchner daraus ein eigens Investitionsmodel konstruierten, das längst ein wichtiges Standbein in der hauseigenen Online-Strategie geworden ist. Mittlerweile beteiligen sich die Münchner so an über 60 Startups. Wichtigstes Kriterium dabei: Die Web-Unternehmen müssen in Märkten aktiv sein, die sich mit Hilfe von Fernseh-Reichweiten besser und schneller erschließen lassen.

Die zweite Säule der P7S1-Strategie besteht aus Startups oder eigenen Gründungen, die komplett oder mehrheitlich dem TV-Konzern gehören. Diese kamen bislang aus den Bereichen werbegetriebenes TV (MyVideo), Pay-TV (Maxdome), Games und dem Reisemarkt. Bei letzteren fassten die Münchner ihre Zukäufe von Billiger-Mietwagen, MyDays.de, Weg.de und Tropo in dem Cluster 7Travel zusammen.
Jetzt baut Wegner unter der operativen Leitung von Daniel Raab und Claas van Delden die neue Tochterfirma 7Commerce auf. Mit der Ausgründung will sich Raab „als Investor klarer am Markt positionieren und innerhalb des stetig wachsenden strategischen Beteiligungsportfolios weitere Synergien heben“.

Wichtigste Bausteine des neuen „Clusters“, wie die TV-Profis die neue E-Commerce-Einheit nennen, sind gleich drei Übernahmen:
–    7Commerce übernimmt zu 100 Prozent Flaconi. Bereits im vergangenen Mai hat SevenVenture in einer zweiten Finanzierungsrunde seinen Anteil auf 47 Prozent erhöht.

–    7Commerce stockt seinen Anteil an Amorelie von 23 auf 75 Prozent auf. Die restlichen 25 Prozent halten weiterhin die Gründer Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollock. Der „Online-Lifestyle-Shop für das Liebesleben“ verzeichnet seit Jahren hohe Wachstumsraten und konnte offenbar in den vergangenen Monaten noch einmal massiv von dem Hype um „50 Shades of Grey“ profitieren. Für Raab ist Amorelie eine große Erfolgsgeschichte. Die Gründer hätten es geschafft, „ein neues Marktsegment zu etablieren, das mit TV-Werbung hervorragend korreliert“. Anhaltende zweistellige Wachstumsraten im Monat zeigten, „welche nachhaltige Wirkung die Werbepräsenz auf die Business-Performance ausübt“.

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–    7Commerce kauft sämtliche Anteile des Sixt-e-Ventures Preis24.de, der führenden Preisvergleichsplattform für Mobilfunkgeräte und Smartphones. Die Münchner halten dadurch 85 Prozent an dem Startup.

Am Anfang steht meist ein Tausch von Werbeplätzen gegen Anteile

Alle drei Deals sind exemplarisch für das Vorgehen von ProSiebenSat.1. Am Anfang stand erst ein Tausch von Werbeplätzen gegen Anteile. Zum Schluss nahm der TV-Gigant dann noch einmal Geld in die Hand, um jeweils die Mehrheit zu übernehmen. Aber erst nachdem man nachhaltig mithalf das Business durch eine hohe Fernsehpräsenz gut zu positionieren und aufzubauen.

Die Preise, die Wegner dafür bereit ist zu zahlen sind nicht sonderlich hoch. Der Vorstand spricht von „niedrigen zweistelligen Millionenbeträgen“. Damit gelang es den Münchnern ein System zu etablieren, bei dem sie mit geringem finanziellen Einsatz, erheblich ihren eigenen Umsatz steigern können. In diesem Jahr sollen bereits rund 600 Millionen Euro aus dem Online- und Venture-Geschäft in die Konzernbilanz fließen. Spätestens für das Jahr 2018 wird Marke von einer Milliarde Euro angepeilt.

Es halten sich allerdings Gerüchte, dass Wegner seinen Weg der geringen Cash-Investitionen verlassen könnte und für jeweils mehrere hundert Millionen Euro Unister und Verivox kauft. Die entsprechende Kaufkraft hätte der TV-Konzern.

Nächster logischer Schritt in der langfristigen E-Commerce-Strategie ist allerdings erst einmal der Sprung nach Europa. Hier wollen die Münchner gerne eine europäische Allianz von TV-Companys schmieden, die jeweils zusammen jungen Web-Unternehmen Werbeplätze und Infrastruktur bieten. Diese neuen Partner dürfen dabei dann auch gerne aus den USA kommen, denen ProSiebenSat.1 dann beim Einstieg in den EU-Markt hilft. Bis auf Beteiligungen bei Jawbone oder Shopkick ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Erst einmal soll Amorelie den Sprung über die DACH-Grenzen hinweg bewerkstelligen. Wobei niemand bei P7S1 beispielsweise die Marktchancen für Erotik-Artikel in Frankreich bezweifelt.

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