So können sich stern, Focus, ProSieben & Co am Adblocker vorbei tricksen

adp_grunar-jahr_HBM_pro7.jpg

Die Software Adblocker Plus sorgt dafür, dass Webseitenbesuchern keine Werbeanzeigen mehr angezeigt werden – für Medienunternehmen ist das ein echtes Problem. Wie die Online Marketing Rockstars berichten, setzen einige deutschen Medien offenbar eine Technologie ein, die trotz Blockade Werbung ausspielt.

Anzeige

Adblocker sind für Medienunternehmen ein großes Problem, schließlich generieren sie über Werbeanzeigen auf ihren Internetangeboten oftmals einen Großteil der Online-Einnahmen. Adblocker, deren Technologie als digitale Schere bezeichnet werden kann, schneiden diese Werbeanzeigen aus; die größte und meistgenutzte Schere ist dabei „Adblock Plus“ der Kölner Firma Eyeo. Das Problem bei der Software: Sie blockiert zunächst alle Anzeigen, einzelne Unternehmen können sich jedoch von der Blockade freikaufen. Firmen wie Amazon, Microsoft oder Google sollen bereits hohe Beträge an Eyeo gezahlt haben, um die Werbe-Blockade zu umgehen.

Zahlreiche deutsche Medien sehen darin einen unzulässigen Eingriff in ihre Online-Angebote, unter anderem klagen bereits die Axel Springer SE und Zeit Online gegen Eyeo. Der Süddeutsche Verlag kündigte an, eine Klage einzureichen. Im März vertagte das Landgericht Köln das Verfahren in der Klage von Springer: Die Praxis des Freikaufens bezeichnete der Richter zwar als „in hohem Maße bedenklich“, das generelle Blockieren sei allerdings möglicherweise nicht unzulässig.

Doch offenbar haben einige Medienunternehmen einen Weg gefunden, den unliebsamen Adblocker zu umgehen: Wie das Internetmagazin Online Marketing Rockstars am Montag berichtete, setzen Gruner+Jahr, Hubert Burda Media und ProSiebenSat.1 auf „Addefend“, eine Technologie, die Werbung trotz Blockade ausspielt: Der Dienst erkennt, wenn der Seitenbesucher einen Adblocker nutzt und blendet ihm andere Werbung ein. Die Technologie wird von Veeseo vertrieben, Veeseo gehört zu der Performance-Marketing-Agentur Ligatus, die wiederum eine Tochter von Gruner+Jahr ist.

Im Gespräch mit den Online Marketing Rockstars erklärt der Geschäftsführer von Veeseo, Jan Andresen: „Das Produkt existiert seit etwa drei Jahren, hat aber erst im vergangenen Jahr wirkliche Verbreitung erfahren.“ Wer zu seinen Kunden gehört, behält Andresen zwar für sich. Die Online Marketing Rockstars haben das Prinzip jedoch getestet und festgestellt, dass ihnen unter anderem bei den Webseiten von Stern, Focus und auf ProSieben.de trotz installiertem Adblock Plus Werbung angezeigt wurde.

Update vom 17.03.2015 um 15:40
Eine Sprecherin der G+J Vermarktung bestätigt gegenüber MEEDIA: „Ja, es ist richtig, dass das über Ligatus zur G+J Vermarktung gehörende Unternehmen veeseo interessierten Publishern eine Technologie zur Umgehung von Abblocken anbietet. Diese Technologie kommt teilweise auch auf Webseiten des G+J Portfolios zum Einsatz.“ Dies sei für die User von Adblockern auch ersichtlich. Die bisherigen Erfahrungen hätten jedoch gezeigt, dass sich „deren Reaktionen auf die Werbung nicht von denen von Usern ohne Adblocker unterscheiden und die Werbeakzeptanz damit auf ähnlichem Niveau liegt“.

Update vom 19.03.2014 um 09:50
Auch Hubert Burda Media bestätigt die Information gegenüber MEEDIA: „Auch wir testen die Technologie Addefend auf einzelnen Publishern. Hinsichtlich der Werbeakzeptanz können wir die Erfahrungen von G+J bestätigen. Die Reaktionen unterscheiden sich nicht von Usern, die keinen Adblocker nutzen.“

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Hmm die Technik ist mir noch gar nicht aufgefallen… Aber in der Tat bei prosieben.de wird weiter Werbung angezeigt… Aber im netten unauffälligen Format ohne großes Blingbling.

    Wenn man die Seite aber häufiger nutzt und tatsächlich an der Werbung noch stören sollte kann man mit einem klick den Filter anpassen und diesen Filter hinzufügen: „http://www.prosieben.de/static/*.gif“.
    P7 hat das Thema ein bissle arg einfach „gelöst“ Aber ehrlich das bissle Werbung stört wirklich nicht mehr…

    Das Pop-Up wurde im übrigen entw. f. Scriptblock oder Firefox direkt blockiert.

  2. Dann fügt man eine eigene Regel hinzu und schon ist das auch kein Thema mehr.
    Wenn deren Inhalte besser wären, müssten die sich auch keine Gedanken um Erlöse aus Bannerwerbung machen.
    Ist schon etwas trollig, wenn ich sagen muss, dass Springer, SevenOne und Co. echt armselig sind, aber wirklich Professionell und mit Rückgrat kommt das nicht gerade rüber

  3. Viel Spaß dabei, am Ende ist das nicht zu gewinnen. Solange die Werbung getrackt wird, kann man sie auch blocken.

    Und sollte das irgendwann nicht mehr gehen, gibt es aufwändigere Anti-Werbung Lösungen. Dann wird die Werbung abgerufen aber in einer virtuellen Umgebung aufgerufen – will sagen: Sie läuft, nur sieht und hört sie der Nutzer nicht.

    Sehe da technisch keine Lösung. Und rechtlich: Im Kern ist das doch ein Ip Blocker wie eine Kindersicherung – wie will man das verbieten

  4. Technisch lässt sich das mit Erweiterungen wie GreaseMonkey et al. recht trivial lösen (spezifisch für die aktuellen Veeseo, Addefender und Ligatus AdBlock-Umgehungen), einfach Userscript ohne Domaineinschränkung anlegen:

    // ==UserScript==
    // @name _Replace select javascript on a page
    // @require https://gist.github.com/raw/2620135/checkForBadJavascripts.js
    // @run-at document-start
    // @grant GM_addStyle
    // ==/UserScript==
    checkForBadJavascripts ( [
    [ false,
    /UABP/,
    function () {}
    ]
    ] );

    1. Vielen Dank! Das Script für Grease Monkey funktioniert wunderbar. Endlich ist diese überaus lästige Dauerwerbung bei FOCUS ONLINE verschwunden, die neuerdings auch bei GAMESTAR nervte. Damit gemeint ist die Dauerwerbung (oben, seitlich, unten) bei denen die Besucher mit unnützen Tipps und kostenpflichtigem Mist zum Thema Altersversorgung, Finanzen und Immobilien usw. geködert werden sollen. Also die Werbung, bei denen die AdBlocker nichts ausrichten und nutzlos sind.

  5. Hallo an alle,

    habe heute erst Zeit gehabt mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das es so etwas gibt ist ja toll und macht mir auch keine Sorgen mehr für die Zukunft 🙂

    Die große Frage aber ist für mich, wie nutz ich das ???
    Habe eben mal auf der Englisch sparachigen Seite von Adddefend das Anfragenformular ausgefüllt, mal sehen was als Antwort kommt.
    Hat jemand Erfahrung mit dem Tool ? Kostet das Geld oder wie besteht die Partnerschaft ?

    Gruß Daniel

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige