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Apple-CEO Tim Cook: Anruf bei Wall Street-Ikone James Cramer

Damit hatte CNBC-Star James Cramer nicht gerechnet: Zum zehnten Geburtstag seiner Börsensendung "Mad Money" bekam der Lautsprecher der Wall Street ungewöhnliche Glückwünsche übermittelt – vom CEO des wertvollsten Unternehmens der Welt. Tim Cook hatte mehr als nur Smalltalk zu bieten: Der Apple-Chef deutete an, wo er die nächsten Wachstumsmärkte sieht – im Smart Home-, im Auto- und vor allem im Gesundheitsbereich.

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Praktisch auf den Tag sechs Jahre ist es her, dass James Cramer die Abreibung seines Lebens bekam. Der frühere Hedgefondsmanager konnte bis zu jenem Märztag 2009 auf eine ziemlich erfolgreiche Wall Street-Karriere zurückblicken – als Fondsmanager, aber auch als Gründer einer der erfolgreichsten Finanzwebseiten bis heute: TheStreet.com.

Seit 2005 arbeitet der streitbare Wall Street-Kenner an seiner dritten Karriere: der im TV. Als Börsenkommentator gibt Cramer bei CNBC in seiner Sendung „Mad Money“ den marktschreierischen Finanzmarktkenner, der jeden Tag eine neue Meinung zu Dow Jones, Nasdaq und von allem immer einer neuen Lieblingsaktie hat.

Auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise 2009 wurde Cramer dann plötzlich zum Sündenbock: „Daily Show“-Showgastgeber Jon Stewart grillte Cramer in unnachahmlicher Weise und machte den Wall Street-Guru in einer gnadenlosen Abrechnung zum Gesicht der Krise. Cramer gab später zu, dass ihn der Auftritt für ein Jahr verfolgt habe.

„Hey Jim, hier ist Tim aus Cupertino“

Cramers Karriere hat die TV-Blamage nicht geschadet: „Mad Money“ läuft bis heute und zählt schon im zehnten Jahr zu den beliebtesten Börsensendungen der USA. Grund genug also für Glückwünsche zum Jubiläum. Die kamen Ende vergangener Woche von niemand Geringerem als dem CEO des wertvollsten Unternehmens der Welt.

„Hey Jim, hier ist Tim aus Cupertino“, meldete sich der prominente Gast am anderen Ende der USA in der beliebten Anrufer-Runde: „Tim Cook von Apple.“ Cramer gab sich sichtlich Mühe, beim einstudierten Stunt überrascht zu wirken und überschüttete Cook mit Höflichkeiten – kein Wunder, schließlich empfiehlt Cramer die Apple-Aktie offen mit einem Kursziel von 150 Dollar.

„Der Gesundheitsbereich könnte der größte Markt der Zukunft sein“

Interessant wurde es im siebenminütigen Gespräch dann, als Cramer Cook zur weiteren Entwicklung bei Apple befragte. „Das Auto und der Smart Home-Bereich?“ versuchte der 60-jährige TV-Moderator Cook angesichts der jüngsten Gerüchte um ein iCar und einen Apple-Fernseher aus der Reserve zu locken. Der Apple-Chef reagierte ungewohnt offen: „Das sind die großen Bereiche. Der Gesundheitsbereich könnte aber der größte von allen sein.“

„Seit Jahren haben sich Menschen darauf verlassen, dass jemand anderes ihre Gesundheit analysiert. Jetzt aber ermöglichen es neue Geräte, die eigene Gesundheit und Fitness zu verfolgen und verwalten“, spielt Cook auf ein Nutzungsszenario der Apple Watch an. „Ich glaube daher, dass der Gesundheitsbereich aktuell wahrscheinlich der am meisten unterschätzte Markt ist.“

Tim Cook: „Aktionäre, die uns über zehn Jahre die Treue gehalten haben, werden sehr glücklich sein“

Der Anruf beim bekanntesten Börsenfachmann der USA ist mehr als eine Geste. Entsprechend zog Cooks Auftritt bei „Mad Money“ in US-Medien große Kreise, schließlich ist es das erste Mal, dass sich Tim Cook explizit gegenüber einem Börsenmedium zur Aktien-Entwicklung äußert. „Als Sie vor zehn Jahren mit ‚Mad Money‘ begonnen haben, notierte unsere Aktie splitbereinigt bei 6 Dollar“, erinnerte Cook.

„Aktionäre, die uns bis heute die Treue gehalten haben, werden sehr glücklich sein“, machte der Apple-CEO klar. Apple markierte bekanntermaßen erst Ende Februar bei 133 Dollar neue Allzeithochs und ist aktuell bei 123 Dollar 720 Milliarden Dollar wert. Am Mittwoch nach Handelsschluss wird Apple nach 34 Jahren an der Wall Street neu in den Leitindex Dow Jones aufgenommen.

„Der ‚Mad Money‘-Anruf ein Zeichen, dass Cook die Entwicklung der Apple-Aktie wichtig ist“

Vor allem gegenüber seinem Vorgänger Steve Jobs, der die Wall Street bekanntermaßen nach Herzenslust ignorierte und allenfalls mal Jim Goldman von CNBC nach Keynotes Interviews gewährte, ist Cooks Verhalten bemerkenswert.

„Das Überraschungs-Interview zeigt, dass Tim Cook die Entwicklung der Apple-Aktie wichtig ist“, merkte Vermögensverwalter Eric Jackson an.  „Cook möchte, dass die Aktie steigt und Aktionäre verstehen, wie sich Apples Geschäfte entwickeln. (…) Warum sollte Cook sonst mit einem Finanzmedium sprechen, wenn er bisher  nur der Tech- oder Mainstreampresse Interviews gewährt hat?“ fragt sich Eric Jackson.

Tim Cooks erstaunliche öffentliche Wandlung

Was für einen Unterschied zwei Jahre machen können! Zur selben Zeit vor 24 Monaten glich Apple in der öffentlichen Wahrnehmung einem Kreuzfahrtschiff der Luxuskategorie ohne Steuermann. Der Gewinn gab erstmals seit einer Dekade nach, die Apple-Aktie ging in den freien Fall über, Hedgefondsmanager schossen sich auf den Apple-CEO ein, Börsenkommentatoren forderten öffentlich den Rücktritt von Tim Cook. Und was machte der Nachfolger von Steve Jobs? Er schwieg beharrlich und ließ zu, wie die Aktie sturmreif geschossen wurde.

Seitdem hat nicht nur die Apple-Aktie eine 180-Gradwende hingelegt – sondern auch der CEO eine steile Lernkurve bewiesen. Anno 2015 können die Geschäfte dank des ungebremsten Booms des iPhone 6 und 6 Plus und des baldigen Launchs der Apple Watch nicht besser laufen,  doch Apples Vorstandschef ist sichtlich bemüht, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.

Größte PR-Tour seit Amtsantritt 2011

Nie ist Tim Cook in den fast vier Jahren als Apple-CEO selbstbewusster, engagierter, agiler und kommunikationsbereiter aufgetreten als in den letzten Wochen. Das Schaulaufen vor dem Apple Watch-Launch begann mit einem Auftritt vor Investoren bei Goldman Sachs vor einem Monat.  „Die Leute werden überrascht sein, was man mit der Apple Watch alles anstellen kann“, lockte der Apple-Chef. „Ich glaube, Sie werden nicht mehr ohne sie leben können“, verbreitet der Apple-Chef Optimismus.

Es folgte die Deutschland-Tour mit einem Besuch bei der Bundeskanzlerin, wenige Stunden später dann die Stippvisite bei der Bild-Zeitung inklusive Fotobeweis im 16. Stock des Springer-Hauses mit Chefredakteur Kai Diekmann. Beim anschließenden Besuch im Apple Store gab Cook weitere Einzelheiten zur Anwendung der Apple Watch zum Besten.

Öffentliche Auftritte fast im Tagesrhythmus

Damit nicht genug mit den öffentlichen Auftritten des Marathon-Manns Tim Cook: Nur einen Tag nach der zweiten Apple Watch-Keynote im vergangenen Monat folgte der Auftritt vor Investoren bei der Aktionärsversammlung, auf der ein gut gelaunter Apple-CEO Fragen zur weiteren Kapitalverwendung in Form einer möglichen Tesla-Übernahme souverän parierte.

Nur zwei Tage darauf zirkulierten Schlagzeilen zur neuen Steve Jobs-Biografie, in der auch Tim Cook einen gewichtigen Part spielt. Fest steht: Nie war Tim Cook präsenter als heute. Selten hat ein CEO in seiner öffentlichen Rolle eine drastischere Wandlung vollzogen als der 54-jährige frühere IBM-Manager.

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