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Zwischen Bergamotte und Elektro-Euro: die überraschend zahme Bild-Troika in Griechenland

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V.l.: Kai Diekmann, Julian Reichelt, Paul Ronzheimer (Foto: Bild.de), Griechenland-Flagge (Foto: Fotolia)

Weil die neu gewählte griechische Regierung die so genannte Troika (Vertreter von Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission) nicht mehr im Land haben will, schickte die Bild-Zeitung nun eine eigene Bild-Troika nach Athen: Chefredakteur Kai Diekmann, Bild.de-Chef Julian Reichelt und Krisenreporter Paul Ronzheimer. Das ließ Schlimmstes befürchten, das Ergebnis ist allerdings erfreulich zahm geraten.

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Fast scheint es, als zeigte die massive Kritik an der Bild-Berichterstattung in Sachen Griechenlandkrise Wirkung. Wenn man hört, dass die Bild eine „Troika“ nach Athen schickt, tauchen vor dem inneren Auge recht schnell neue Hetz-Artikel auf. Unvergessen ist zum Beispiel jener Tiefpunkt, als Paul Ronzheimer 2010 in Athen mit Drachmen-Scheinen wedelte. Zuletzt wurde die Bild massiv für ihre Nein-Kampagne kritisiert. Die Zeitung titelte kurz vor der Bundestags-Abstimmung über weitere Griechenland-Hilfen „Nein – Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen“ und forderte Leser dazu auf, sich mit der Schlagzeile zu fotografieren und die Bilder einzusenden.

Michael Konken, der Vorsitzendes des Deutschen Journalisten Verbands erklärte, die Aktion überschreite „die Grenze zur politischen Kampagne“ und sei „medienethisch bedenklich“. Im Vergleich mit solchen Bild-Aktionen wirkt der aktuelle „Troika“-Artikel geradezu handzahm. Die Bild-Chefs Diekmann und Reichelt sitzen gemütlich in Ledersesseln bei einem griechischen Verleger und begrabbeln knollige Bergamotte-Früchte. Eine „Mischung aus Zitrone und Bitterorange“, wie der Leser aus der Bildunterschrift erfährt. Weitere Stationen der Bild-Troika waren eine Sonntagszeitung, ein Lunch mit Journalisten einer Athener Tageszeitung und ein Treffen mit dem gerade recht präsenten griechischen Sonderbotschafter und ehemaligen FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis. Der erzählte der Bild-Troika von seiner Idee, in Griechenland einen „Elektro-Euro“ auf Plastikkarten als Parallelwährung einzuführen. Selbst bei einer solch offenkundigen Ouzo-Idee, fällt die Kritik der Bild-Mannen überraschend milde aus: „Wir hören viele Pläne in Athen. Aber sie alle scheinen nicht auf Stein gebaut.“

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„So tickt Athen“ haben sie bei der Bild über die Story drübergeschrieben, die der sonst auch eher leicht erregbare Bild-Politik-Chef Béla Anda in seinem Newsletter als „differenzierte Reportage“ anpreist. Und weil es vergleichsweise differenziert und ruhig zugeht, schaffte es die Bild-Troika auch nicht auf die Titelseite. Dort wird der Ehestreit eines Schlagersängers ausgeschlachtet. Sollte die Bild-Troika einen Wendepunkt in der Art der Bild-Berichterstattung über Griechenland darstellen (was man noch abwarten muss), dann wäre das durchaus zu begrüßen.

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Alle Kommentare

  1. Ach ne, diesmal mit Recherche?
    Es wird ja auch Zeit, dass die »Haudraufpresse« endlich mal ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommt und recherchiert, wo das Geld geblieben ist, dass angeblich die »faulen und doofen« Griechen für Party verheizt haben. Das ist sicher die interessantere Geschichte!

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