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Die Apple-Watch ist das erste Apple-Produkt, das mich nicht im geringsten interessiert

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Die wichtigste Frage wurde auf der Verkaufsveranstaltung zur Apple Watch nicht beantwortet: Wer zum Teufel braucht dieses Ding? Dass man bei Twitter-Berichten auch ein bisschen zu voreilig sein kann, zeigte die SportBild am Beispiel Kevin Prince Boateng, Schalke 04 und Jung von Matt Sports. Eine anonyme Teilnehmerin deckt auf, wie es bei "Germany's next Topmodel" angeblich wirklich läuft und der Axel Springer Betriebsrat nimmt sich ein Beispiel an der Bild-Zeitung. All dies im MEEDIA-Wochenrückblick.

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Nun ist also bekannt, was diese ominöse Apple Watch kosten wird: zwischen 399 und 18.000 Euro. Nicht gerade wenig für ein Produkt, das um die 18 Stunden Akkulaufzeit haben soll, von dem nicht ganz klar ist, ob und wie wasserdicht es ist und für das man ein auch nicht eben billiges iPhone besitzen muss, damit es funktioniert. Es ist ja allgemein eine Krankheit von digitalen Produkten, dass sie eine geringe Lebensdauer bei maximaler Preisspanne haben. So ein Smartphone ist nach wenigen Jahren schon wieder altes Eisen und spätestens beim zweiten Betriebssystem-Update fängt die Performance an zu ruckeln. Bisher waren Uhren, teure Uhren zumal, eher etwas Beständiges. Eine Uhr für mehrere hundert Euro oder gar für über 1.000 Euro hält ein ganzes Leben und darüber hinaus. Um eine analoge Uhr muss man sich nicht groß kümmern. Die Dinger ziehen sich in der Regel selbst auf oder haben Batterien, deren Laufzeit in Jahren gemessen wird und nicht in Stunden. Jetzt will Apple uns also eine Uhr verkaufen, die vieles so ein bisschen kann, was auch ein iPhone kann, dafür aber trotzdem noch ein iPhone braucht und einen Haufen Geld kostet … Ich glaube da nicht recht dran. Ich fand das iPhone schon immer toll, nutze gerne ein iPad und die Computer aus dem Hause Apple. Das neue, flache MacBook finde ich auch reizvoll, wenn auch teuer. Aber die Uhr? Die Apple Watch ist in der Tat seit ganz langer Zeit, das erste Apple-Produkt, das mich überhaupt nicht interessiert.

Fragen Sie sich auch manchmal, wie es hinter den Kulissen von „Germany’s next Topmodel“ WIRKLICH zugeht? Im jungen Highflyer-Medium Vice versucht eine anonyme Autorin darauf eine Antwort zu geben. Sie ist – Achtung investigativ – eine Kandidatin der aktuell bei ProSieben laufenden Staffel:

Ich werde derzeit als eine der neuen Kandidatinnen der Jubiläumsstaffel der Show im Fernsehen präsentiert. Ich hatte mich bei GNTM beworben, weil ich weiß, dass sich viele Zuschauerinnen schlecht fühlen und manche sogar essgestört werden. Darum wollte ich mir aus der Nähe ansehen, was von all den Behauptungen über die Show tatsächlich wahr ist. Aber bis dahin war es allerdings bereits ein langer Weg.

Was das anonyme Topmodel in spe dann enthüllt ist aber nicht wirklich spektakulär oder überraschend. Die Kandidatinnen müssten ewig lange warten und die Jury einstudiert bejubeln. Es gibt für die „Määädchen“ nur kalte Jause, während dem Filmteam warme Speisen kredenzt werden. Die Kandidatinnen werden nach bestimmten Rollen ausgewählt: Küken, Dramaqueen, Zicke usw. Man könnte auch sagen: Der Artikel prangert an, dass „GNTM“ ein klischeehaftes Frauenbild vermittelt, indem er alle bereits im Umlauf befindlichen „GNTM“-Klischees nochmal frisch aufbrüht.

Ein Tweet und seine Nicht-Folgen: In unserer ultra-vernetzten Medien-Welt muss ein 140-Zeichen-Nachricht auch mal als Beweis für etwas hinhalten, was gar nicht da ist. Ein aktuelles Beispiel dafür findet sich in der SportBild. Dort öffnet die Springer-Redaktion „Die Akte Boateng“. Es geht um das schwierige Verhältnis zwischen Verein, Öffentlichkeit und dem Star-Spieler. Unter anderen erweckt der Text den Eindruck, dass Schalke die Zusammenarbeit mit der Agentur Jung von Matt Sports wegen eines Tweets des JvM-Managers Raphael Brinkert im kommenden Sommer beenden würde. Der Werber, der wie Schalke-Kapitän Benedigt Höwedes und Ex-Profi Christoph Metzelder den TuS Haltern als Heimatclub unterstützt, hatte am 7. Dezember, während des Sport1 Doppelpasses getwittert: „Für mich die S04-Frage der Saison: Boateng braucht Schalke. Aber braucht Schalke auch Boateng?“.

Für die SportBild war der Tweet ein gefundenes Fressen: „Boateng war irritiert. Schalkes Verantwortliche waren verärgert, stellten Brinkert zur Rede. Dieser drückte sein Bedauern aus“, schreibt die Zeitschrift. Der Artikel erweckt den Eindruck, Schalke habe der Agentur JvM Sports wegen dieses Tweets den Laufpass gegeben. Dass ein Mitarbeiter oder eine Agentur wegen eines Tweet Ärger bekommt, ist mittlerweile ein gelerntes und allzu gerne genommenes Erzählmuster im Journalismus 2.0. Auf Nachfrage widersprechen sowohl Schalke als auch Jung von Matt Sports der Darstellung der SportBild. Die Zusammenarbeit sei ohnehin lediglich projektbezogen. Aus solchen Tweets sind halt schnell Geschichten und Geschichtchen gezimmert. Manchmal zu schnell.

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Betriebsräte können auch witzig sein. Bild-Chef Kai Diekmann verbreitete via Twitter diese Einladung des Springer-Betriebsrats zu einer Betriebsversammlung am kommenden Mittwoch.

Ganz interessant was unter den Rubriken „Gewinner“ und „Verlierer“ notiert ist. Man kann das auf dem Bild schlecht lesen, darum hier der Text:

Gewinner N24 Die Welt

Wäre das Ausgründen und Zukaufen von Firmen olympische Disziplin, Axel Springer hätte mit über 160 Töchtern Chancen auf einen Medaillenplatz. Arbeitnehmerfreundlicher Nebeneffekt der Ausgründeritis: Die Anzahl der Betriebsräte hat sich verdreifacht. Die neue Welt wählt ihren eigenen Betriebsrat im Mai. BR meint: Glückauf Kollegen!

Verlierer Axel Springer

Die Welt, jetzt WeltN24, ist seit 1. Januar eine 100%ige Springer-Tochter. Mit der Ausgründung verlor die SE auf einen Schlag über 300 Mitarbeiter an die neue GmbH. Deswegen dürfen die Welt-Kollegen nun auch nicht mehr an der Betriebsversammlung des Verlagshauses Berlin teilnehmen. BR meint: Schade, aber nicht weinen. Den „Gewinner“ lesen.

MEEDIA meint: Wenn Journalisten im Betriebsrat sitzen, ist das auf jeden Fall ein Gewinn. Auch was die Gestaltung von Einladungen zu Betriebsversammlungen betrifft.

(Den SportBild-Absatz in diesem Wochenrückblick steuerte Alexander Becker bei)

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