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Wo bleiben Nähe und Intimität? Die deutsche People aus Sicht einer Frau

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Die meisten Rezensionen der deutschen People wurden von Männern geschrieben. Die Zielgruppe sind aber Frauen. Zeit wird's, dass auch die Zielgruppe mal einen kritischen Blick auf den Kiosk-Neuzugang wirft. "Wir verbreiten keine Gerüchte": Dieses Motto hat sich Tom Junkersdorf, Chefredakteur der deutschen People, groß auf die Fahnen geschrieben. Das Magazin soll eine "Marke des Vertrauens" sein; die Redaktion will ganz nah an die großen Stars. Doch ein Gefühl von echter Nähe oder Intimität kommt nicht auf.

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Positiv und seriös soll sie sein, die deutsche Version der People. Tatsächlich sind alle Themen vertreten, die ein Society-Magazin braucht – und zwar ganz ohne die Bösartigkeit von Closer oder InTouch. People zeigt nicht die Dramen, sondern das Schöne. Bei Herzogin Catherine wird nicht über Schwangerschaftsprobleme oder Gewicht spekuliert, sondern das Outfit gelobt. Auch gibt es gibt nur die Kategorie „Best Dressed“, auf das „Worst Dressed“, wie es bei der Konkurrenz häufig im Programm ist, wird verzichtet. Diese Ausrichtung dürfte vor allem Leserinnen freuen, die zwar ab und zu in die Welt der Reichen und Schönen entfliehen möchten, aber keine Lust auf offensichtlich aufgebauschte und reißerische Gemeinheiten haben.

Zwar wurde durchaus auch Platz für ernste Geschichten geschaffen, an dieser Stelle mutet die Redaktion ihren Lesern doch etwas viel zu. Die traurige Geschichte über eine 19-Jährige, die ihrem mit dem Flugzeug MH370 verschollenen Vater bis heute Tweets schickt, steht zwischen einem Artikel zu Rihannas verrücktem Outfit und einem über die Märchenverfilmung „Cinderella“. Diese harte Zäsur irritiert – obwohl durchaus lesenswert, ist die Geschichte an dieser Stelle völlig fehl am Platz.

Das Versprechen von Nähe wird nicht eingehalten
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Ansonsten deckt die erste Ausgabe alles ab, was die weibliche Zielgruppe erwartet: Stars, Mode, Beauty- und Stylingtipps, ein wenig Kunst und Kultur, Rezepte, Einrichtung und Ernährung. Wirklich neu ist das alles nicht. Catherine ist also eine Stilikone? Ach was. Auch Stars brauchen Privatleben? Nicht wirklich! Das große Interview mit Lena Gercke wurde im Inhaltsverzeichnis mit „Warum sie ihr Leben ändern will“ angekündigt, strotzt aber vor Allgemeinplätzen („Ja, mir ist meine private Zeit total wichtig“). Das Versprechen, ganz nah an den ganz großen Stars zu sein, wird nicht eingehalten, ein wirkliches Gefühl von Nähe oder gar Intimität kommt nicht auf. Beim Betrachten der trotz des süßen Babys kühl wirkenden Bilder von Christina Aguilera und ihrer Tochter, sehnt man sich nach den ersten Fotos der Jolie-Pitt-Zwillinge in der US-Version von People: Herzerwärmende Aufnahmen, an denen man sich nicht satt sehen kann, die die Leser wirklich mit ins heimische Wohnzimmer genommen haben.

Der Anspruch, klassisch und hochwertig zu sein, steht im Vordergrund. Dabei bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Obwohl genau das von Tom Junkersdorf als Alleinstellungsmerkmal angekündigt wurde. Intimität und Nähe sehen anders aus – wie der Blick zur amerikanischen Version zeigt.

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