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„Es bräuchte keine Quote“ – Eckart von Hirschhausens Abrechnung mit ARD und ZDF

Eckart von Hirschhausen
Eckart von Hirschhausen

In der am morgigen Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Zeit, geht es u.a. um die Relevanz von Einschaltquoten für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. In dem Stück übt der Fernseh-Moderator und Komiker Eckart von Hirschhausen deutliche Kritik an der Quotenfixiertheit von ARD und ZDF: "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird über Gebühren finanziert, es bräuchte überhaupt keine Quote und keine Werbung."

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Eckart von Hirschhausen hat fünf Jahre lang die NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“ co-moderiert. Für das Erste präsentiert er regelmäßig große Shows wie „Hirschhausens Quiz des Menschen“ oder „Frag doch mal die Maus“. In dem Zeit-Artikel „In der Quotenfabrik“ äußert sich Hirschhausen auch zur Gästeauswahl für die Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“, deren Co-Moderation er Ende 2014 auf eigenen Wunsch abgegeben hat: „Ein klassisches Argument bei der Auswahl der Gäste lautet: Ist der Mensch gesichtsbekannt? Als Komiker muss ich natürlich zurückfragen: Für welchen Körperteil kann man denn noch im Fernsehen bekannt werden? Immerhin ist es mir gelungen, in vielen Sendungen jemanden aus dem Bereich Wissenschaft oder Medizin zu platzieren, relevante Themen, die sonst kaum vorkommen.“

Er würde sich wünschen, dass Fernsehmacher wieder dem Prinzip des Geschichtenerzählens vertrauen würden, so Hirschhausen in der Zeit. Er stellt die Quote für öffentlich-rechtliche Sender sogar ganz in Frage: „Die Quote wurde als Instrument für die Werbewirtschaft eingeführt. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird über Gebühren finanziert, es bräuchte überhaupt keine Quote und keine Werbung.“

Statt auf die Quoten sollten ARD und ZDF „unabhängige Recherchen“ liefern, die in Wissenschaft, Dokumentation und Politik „elementar für die Demokratie“ seien. Für seinen Geschmack laufen im TV offenbar auch zu viele Krimis: „Warum wird im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so viel ermittelt und immer weniger vermittelt? Programm mit Anspruch zu machen bedeutet, auf ein paar Tagessiege zu verzichten, aber das traut sich keiner.“ Diese Entwicklung des Fernsehen hält von Hirschhausen für gefährlich. Menschen, die sich vom Fernsehen abgewendet haben, würden durch die Quoten gar nicht mehr erfasst: „Quote heißt Prozent, aber wovon? Alle, die sich schon lange vom Fernsehen verabschiedet haben, kommen darin ja nicht vor!“

Vor allem jüngere Zuschauern, die weniger oder kaum noch fernsehen, fallen so durchs Quotenraster. Die Folge ist, dass sich die Sender um gute Quoten zu erzielen immer stärker auf Programme für ältere Zielgruppen fokussieren.

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Alle Kommentare

  1. Es ist nicht zu fassen, es ist Samstag Abend und es läuft gefühlt eine 6std. Spielshow und gefühlt auch immer mit den gleichen Gästen. Umgeschaltet guten Film geschaut, umgeschaltet, Show läuft immer noch. Ich schau diesen Müll nicht mehr!! Und dafür Gebühren, Frechheit, sechs setzen!!

  2. Hirschhausen kritisiert die Zustände beim ö/r Fernsehen zu Recht – und er ist mutig. Allein es wird nicht viel nützen. Änderungen erzwingen gegen die Quotengeilen Entscheidungsträger bei ARD und ZDF können nur die Politiker. Aber leider fehlt es an ´Volksvertretern`, die ihr Eigeninteresse zurückstellen und für Millionen Zwangsgebührenzahler durchsetzen, dass Werbung im ö/r Rundfunk und Fernsehen verboten wird. Die Folge wäre eine Rückkehr zu qualitativ gutem Programm, was wiederum auch jüngere Zuschauer vor den Schirm zurückbringen würde. Die immer gleichen seit Jahren ´innovativen ´Programmmacher` wären in den vorzeitigen Ruhestand zu entsorgen.

  3. ich mag ihn auch nicht aber seine Meinung teil ich. ARD und ZDF wollen nur Quote und wenn Sie mal was gutes senden dann erst mitten in der Nacht. Und ansonsten müsste man auch Kerner und Co Rausschmeißen und auch die Berichterstattung bei groß Ereignissen muss sich ändern. Warum sind bei Olympia oder Wahlen immer beide Sender dabei? Einer reicht doch vollkommen aus. So könnten kosten gesenkt bessere Inhalte gefördert werden und beide Sender würden sich abheben vom Privatfernsehen.

  4. Ich zitiere aus dem Leserforum der Ruhr-Nachrichten, Frau C.V., vom 12.03.2015:
    „Schlechtes Programm für Ältere“:
    „Wieder einmal wird eine Senung abgesetzt, die gerade wir Älteren gerne sehen. Ich finde es langsam an der Zeit, dass wir den Fernseher mal aus lassen sollten und uns abmelden.
    Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender, die wir ja bezahlen, machen, was sie wollen. Wir sind doch in der Zwischenzeit in der Mehrzahl und sollten mal den Mund aufmachen. Wenn ich mir das Programm einer Woche angucke – was gibt es da schon Gescheites für uns ? Fast auf jedem Programm Krimis, die immer brutaler werden. Kann man sich das jeden Tag anschauen ? Dann irgendwelche Kochsendungn oder andere Shows. Haben wir nichts anderes?“

    Ich bin auch der Meinung! Klasse anstelle Masse! Keine brutalen Krimis mehr, meistens gezielt gegen das weibl. Geschlecht.
    Senden Sie ein eigenes Programm für ältere Zuschauer, aber bitte nicht erst um Mitternacht!

  5. Was ist passiert – wurde Hirschhausen, dem größten Selbstvermarkter der Branche, von den Öffis der Vertrag nicht verlängert? Ich finde, wer so viel Werbung in eigener Sache macht, ist hier nicht eben enorm glaubwürdig….

    1. Sind wir doch froh, dass mal einer den Mund aufmacht gegen die Quotengier, die Werbung und den damit verbundenen Zumutungen des durch Zwangsgebühren finanzierten Fernsehens. Aus der Anonymität herummeckern ist nicht hilfreich.

  6. Stimmt. Ich bin übrigens einer von denen, die seit Jahren nicht mehr TV gucken. Ich habe keinen Fernseher und kein Radio. Auf meinem Computer will ich den Müll nicht haben. Wenn ich mal irgendwo zu Besuch bin, wo ein Fernseher läuft, bin ich immer ganz fasziniert von der Werbung. Ich kenne das ganze Zeug gar nicht mehr.

  7. Hirschhausen hat total recht! Bei soviel Gebühren könnten viel mehr Themen auf dem Bildschirm erscheinen. Es wird mehr unterhalten als informiert, die best recherchierten Hintergrundnachrichten bieten erstaunlicherweise nur noch in ARD und ZDF die Satire oder Kabarettsendungen wie die ZDF Heute Show. Auch in Sachen Politik wird nur Standard geboten, kaum hinterfragt und erklärt! Das reicht nicht aus um die Gebühren zu begründen….

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