Anzeige

Neue Bezahl-Offensive: „Taz.de ist kostenlos. Für nur 5 Euro im Monat“

taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch
taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch

Besser lässt sich der scheinbare taz-Widerspruch in Sachen Paid-Content kaum ausdrücken: "Taz.de ist kostenlos. Für nur 5 Euro im Monat". Tatsächlich setzten die Berliner in ihrer Paid-Strategie gerade nicht auf eine Bezahlschranke. Sondern auf ein freiwilliges Abo-Modell. Dafür startet nun eine neue Offensive. Ehrgeiziges Ziel: 20.000 Abonnenten, die jeweils fünf Euro pro Monat zahlen.

Anzeige
Anzeige

„Bald 2.000 unserer digitalen Unterstützer zahlen inzwischen regelmäßig einen durchschnittlichen Betrag von 60 Euro im Jahr für taz.de. Sie haben von sich aus den Weg gefunden, den wir nun gehen wollen“, erklärt taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch. „Wir haben uns in der taz gefragt: Warum sollen es nicht mehr werden, die regelmäßig für taz.de zahlen? Unser Angebot heißt: Abo. Wir wollen noch in diesem Jahr 20.000 AbonnentInnen, die 60 Euro pro Jahr für taz.de nach dem bereits gut eingeführten Muster von taz.zahl ich zahlen. Das zu schaffen, wäre ein schönes Zeichen für einen unabhängigen Journalismus im Netz.“

Die Grund-Idee ist nicht neu. Schon seit 2011 setzt die taz auf ein freiwilliges Bezahlmodell. So nahmen die Genossen und Genossinnen auch immerhin schon 325.000 Euro ein.

Eingebettet ist der Start der neuen Kampagne in ein großes Special, dass sich sowohl online, wie auch in der gedruckten Ausgabe in Artikeln und Reportagen mit dem Thema Paid-Modelle und freiwilligen Bezahlen im Internet auseinandersetzt. Unter anderem erklärt Stefan Plöchinger, Digitalchef der Süddeutschen Zeitung, warum er für taz.de zahlt und das auch weiterempfehlen kann.

Mit diesem besonderen Modell sehen sich die Berliner ganz im Einklang mit ihrer bisherigen Strategie, die immer darauf basierte, möglichst unabhängig vom Anzeigengeschäft, dafür aber abhängig von der eigenen Community zu sein. So schlecht fuhren die Genossen und Genossinnen damit nicht. Bislang traf die Medienkrise, die ja auch eine Anzeigenkrise ist, sie bei weitem nicht so stark, wie die Konkurrenz.

Anzeige

Interessant wird es sein, zu beobachten, ob sich auch dieser Effekt auf das Web übertragen lässt. Auch hier hängt es wieder an der Community und der Frage, ob sich genügend freiwillige Abonnenten finden. Denn nur, wenn sich die taz-Community solidarisch zeigt, lässt sich auch langfristig Qualitätsjournalismus produzieren, der online frei für jeden zugänglich ist.

Eine mögliche Bedrohung des besonderen taz-Modells könnte jedoch von einer anderen Seite aus kommen. Die Berliner kämpfen mittlerweile mit dem Effekt, dass die Besuche auf ihrer Startseite stagnieren und dafür die Zugriffe aus den sozialen Netzwerken zunehmen. „Das bedeutet: Wir haben immer weniger Einfluss darauf, welche unserer Artikel die Leser lesen“, erklärte die Online-Redaktion am Anfang des Jahres bei einer Analyse der Seitenzugriffe.  „Wie viel Aufmerksamkeit der Text wirklich bekommt, entscheidet sich auf Facebook. Je nach Betrachtungsweise führt dies zu einer Demokratisierung (weil jetzt die Leser entscheiden, welche Artikel sie teilen) oder Monopolisierung (weil Facebook nicht alle geteilten Artikel aller Freunde anzeigt, sondern mit seinen Algorithmen eine Auswahl trifft).“

Wenn jetzt jedoch die Zahl der Gelegenheitsleser zunimmt, weil diese nur via Newsfeed ihrer Freunde von einem interessanten taz-Stück erfahren haben, dürfte deren Bereitschaft ein Abo abzuschließen, recht gering sein.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „dafür aber abhängig von der eigenen Community zu sein.“

    Genau das ist das Problem. Geistige Inzucht ist genauso schlimm. Bei der TAZ sind sie doch schon ein klandestiner Verein, der sich eingebunkert hat. Dafür doch keinen Cent.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*